Bioprodukte

26. Juli 2017 18:40; Akt: 26.07.2017 18:40 Print

Deshalb kostet eine Bio-Zwiebel fast dreimal so viel

Eine Banane mit Bio-Label kostet 15 Prozent mehr als eine ohne, ein Poulet doppelt so viel. Ist das gerechtfertigt?

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Wie viele der verkauften Lebensmittel sind aus Bio-Produktion und was lassen wir uns das Bio-Label kosten? Das Bundesamt für Landwirtschaft publiziert zu diesen Fragen monatlich einen Bericht. Die neusten Daten stammen von Mai 2017 und offenbaren grosse Unterschiede. Im Mai 2017 wurden im Schweizer Detailhandel 4021 Tonnen Pouletfleisch verkauft. Wer im Mai im Lebensmittelgeschäft zu einem ganzen Poulet griff, zahlte im Schnitt 9.15 Franken, ein Bio-Güggeli kostete mit 19.15 Franken mehr als doppelt so viel. Im Jahr 2016 wurden in der Schweiz rund 1'069'210'000 Eier konsumiert, davon waren produziert. Für ein Ei aus Bodenhaltung legen die Schweizer im Schnitt 45 Rappen auf den Tisch, ein Bio-Ei kostet 80 Rappen – ein Aufschlag von 78 Prozent. Von den 1879 Tonnen Rindfleisch, die im Mai über Schweizer Ladentheken wanderten, waren 175 Tonnen oder . Wer zu einem 200-Gramm-Entrecôte griff, zahlte im Schnitt 13.35 Franken, ein gleiches Stück in Bio-Qualität kostete mit 17.50 Franken rund 31 Prozent mehr. In der Schweiz wurden im April 2017 316'402 Tonnen Milch verwertet, sei dies als Milch zum Trinken oder als Käse, Joghurt oder in der Schoggi. Für einen Liter Milch zahlte man im Laden im Mai 1.45 Franken, der Preisaufschlag für Bio betrug 30 Rappen. Bei den Bananen ist der der 5723 Tonnen im Mai verkauften Früchte waren bio-zertifiziert. Für ein Kilo Bio-Bananen zahlte man 3.15 Franken, rund 40 Rappen oder 13 Prozent mehr als für herkömmlich produzierte Früchte. 3968 Tonnen Tomaten wurden im Mai in der Schweiz verkauft, gut . Der Aufpreis ist gross: Statt 3.95 Franken kostet das Kilo 9.15 Franken, eine Preissteigerung von 132 Prozent. .

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Wer auf Bio achtet, muss tief in die Tasche greifen: Rund 50 Prozent teurer sind Bio-Produkte im Schnitt. Der Aufschlag unterscheidet sich zwischen einzelnen Produkten aber massiv: So bezahlt man für eine Bio-Banane nur 14 Prozent mehr als für eine herkömmliche. Bei der Bio-Zwiebel steigt der Preis jedoch um fast 190 Prozent. Ist der Aufschlag gerechtfertigt, oder ist einfach die Marge für Detailhandel und Produzenten höher?

Umfrage
Wieviel mehr sind Sie bereit für ein Bioprodukt zu bezahlen?
9 %
3 %
8 %
11 %
5 %
1 %
26 %
24 %
13 %
Insgesamt 5880 Teilnehmer

Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sind Bioprodukte deutlich aufwendiger zu produzieren und deshalb auch teurer: Beispielsweise müssen Biobauern auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten und sind deshalb auf teure mechanische Arbeit angewiesen, die oft von Hand erledigt werden muss.

Gewisse Pflanzen sind sehr anspruchsvoll

Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes, sagt: «Die Nachfrage nach Bio-Zucker wäre beispielsweise sehr gross, doch es ist extrem schwierig, Zuckerrüben ohne Pflanzenschutzmittel erfolgreich anzubauen.» Die unterschiedlichen Mehrpreise würden sich durch die verschiedenen Zusatzaufwände im Biolandbau für die Pflanzen und Tiere erklären. Einige Nutzpflanzen, etwa der Raps, seien sehr anfällig für Schädlinge oder Pilze. Deshalb müssten die Biobauern viel mehr Zeit investieren, damit die Pflanzen gedeihen könnten. Zudem sei das Risiko bedeutend höher, die ganze Ernte zu verlieren.

Bei importierten Produkten wie Bananen hingegen ist die Preisdifferenz zum normalen Produkt kleiner, da Arbeitskräfte im Ausland deutlich günstiger seien, um die viele Handarbeit auszuführen. «In gewissen Regionen ausserhalb der Schweiz sind aber auch die Wetterverhältnisse günstiger, so dass sich zum Beispiel Pilzkrankheiten weniger entwickeln können», ergänzt Ritter.

Nachfrage nach Bio übersteigt das Angebot

Nicht bei allen Produkten ist Bio gleich verbreitet: So ist ein Viertel der Rüebli im Handel Bio, bei den Birnen sind es nur drei Prozent, in vielen Bereichen übersteigt aber die Nachfrage das Angebot.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Einige Pflanzen sind auf Bio-Basis nur schwierig zu produzieren. Ein Beispiel wären Zwiebeln, bei denen man auch wegen des Verzichts auf Mittel zur Keimhemmung Lagerverluste hat. Zwiebeln mit Label sind derzeit fast dreimal teurer als solche ohne. Sie haben denn auch nur einen Marktanteil von drei Prozent. Zudem sagt Bio-Suisse-Sprecherin Ania Biasio: «Für Konsumenten ist die Bio-Produktion nicht bei allen Produkten gleich wichtig.»

Dass sich Bauern am Bio-Boom eine goldene Nase verdienen würden, verneint Bauernpräsident Ritter. Eine höhere Gewinnmarge der Bioproduzenten sei nicht der Grund für die Aufschläge. Der Arbeitsaufwand und die Risiken seien in der biologischen Landwirtschaft grösser. Zudem sind die Ernten mindestens um 20 Prozent kleiner: «Um Bio-Bauer zu werden, braucht es Überzeugung und den Willen zu nachhaltiger Landwirtschaft mit geschlossenen Kreisläufen. Es braucht eine Menge Know-how, damit in engem Einklang mit der Natur erfolgreich gewirtschaftet werden kann.»

(asc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 26.07.2017 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    BIO sollte eigentlich Standart sein

    Es ist unglaublich, dass Pestizide und Antibiotika verseuchte Lebensmittel inkl. katastrophaler Tierhaltung als "normal" angesehen werden und biologische / tierfreundliche Lebensmittel als "teures extra". Eigentlich sollte es ersteres gar nicht geben!

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  • Daniel am 26.07.2017 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Man bezahlt EXTRA

    für naturbelassene Lebensmittel. Schon mal darüber nachgedacht?

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  • James am 26.07.2017 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch denk nach

    Ein Poulet für 9.- ist ein Witz, auch die 19.- sind noch viel zu billig. Die Wertschätzung für Essen und Lebewesen ist heutzutage leider nicht mehr vorhanden. Wer für 9.- ein Poulet kauft (oder auch die 19.-) kann sich selber ausmalen, welch miserable Haltung herrschen muss. Geiz ist nicht geil!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • b.g am 31.07.2017 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wegwerf gesellschaft

    es wären genug lebensmittel da auch auf bio basis würden nicht zuviele vorschriften da sein im bezug auf aussehen. und würden weniger lebensmittel weggeworfen als billiger am abend zu verkaufen. es muss ja im laden halbe stunde vor ladenschluss noch alle frischware vorhanden sein. wäre doch ajch ein ansatz

  • solisa am 30.07.2017 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bio Standart

    Gerechte Preise für gute Lebensmittel. Ich behaupte, das ist sogar einer von den grössten Erfolge für Weltweiten Frieden. Ich behaupte, dass gerade auch Kleinbauern Weltweit überleben können müssen. Buch Gastrosophie von Harald Lemke lohnt sich zu lesen.

  • solisa am 30.07.2017 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Noch sind Bioprodukte nötig.

    Ich glaube es macht für einen Bauern einen Unterschied, ob ein Bauer gerechte Preise für gute Produkte bekommt und seinen Bauernhof weiterbetreiben kann. Oder ob er seinen Bauernhof aufgeben muss und dann evtl. von Unterstützung leben muss. Unterstützung die evtl. die gleichen Leute entrichten, die billigste Lebensmittel wollen. Betrifft ja vor allem kleine Bauernhöfe. Ich meine das Weltweit. Weshalb nicht einmal mit einigen Produkten beginnen? Mit den Jahren sieht es vielleicht anders aus.

  • annasteiner am 28.07.2017 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    VIEL BIO NICHT MÖGLICH!!!

    Sorry, ich halte nichts von Bio, warum: weil es ein Ding der Unmöglichkeit ist, soviel Bio wie die Menschheit braucht , zu produzieren!

  • citoyen am 27.07.2017 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Der Hauptgrund für einige masslos überteuerte Bioprodukte liegt nicht nur bei den Produzenten, sondern vor allem bei den Verteilern. Die bereits üppigen Margen von Migros und Coop bei den konventionellen Produkten werden bei Bioerzeugnissen grad nochmals kräftig erhöht. Schuld ist die Marktsituation, wenn die Nachfrage grösser ist als das Angebot. Vernünftige Preis-Relationen konventionell/bio findet man leider nur im benachbarten Ausland. Sogar importierte Bio-Weine kosten bei Coop 10-20 Franken, bei Aldi Deutschland 3 Franken. Wir Schweizer Konsumenten werden abgezockt. das ist die Wahrheit.

    • Jei Pi am 17.08.2017 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Unkorrekt

      Ich finde, dass ist nicht korrekt. Um Bio zu produzieren hat man viel mehr Vorschriften und mehr Aufwand um zu produzieren und deshalb ist der Preis gerechtfertigt!!! Und Deutschland produziert nach EU Bio und die Schweiz nach Bio Schweiz / Knospe, auch noch ein Unterschied

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