«Digital Birth»

08. November 2014 10:22; Akt: 08.11.2014 16:42 Print

Deshalb sind Babyfotos im Facebook-Feed falsch

Viele Eltern stellen Bilder ihrer Babys ins Netz. Experten warnen davor: Die Bilder können in falsche Hände geraten und dem Kind nachträglich schaden.

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Als wäre sie mit ihrem Namen noch nicht genügend gestraft: Kim Kardashians Tochter «North West» muss regelmässig auf dem Facebook-Profil ihrer Mutter posieren. Hier unter dem Post: «Mein kleiner Stinker». (Bild: Screenshot Facebook)

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Neben Katzen und Verschwörungstheorien sind sie wohl das absolut dominierende Bild auf den Facebook-Feeds dieser Welt: Babyfotos. Wie die «Digital Birth»-Studie des US-Softwareherstellers AVG zeigt, stellen acht von zehn Müttern ihre Babyfotos ins Netz. Dass die stolzen Eltern mit dem Posten der Bilder aber die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder verletzen, ist den wenigsten bewusst.

«Es findet ein Exhibitionismus des Intimbereichs einer Familie auf Kosten der Kinder statt», sagt Olivier Steiner vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zur «Aargauer Zeitung». Die Entwicklung zum öffentlichen Posten der Babyfotos beobachte er deswegen mit Sorge. Auf einigen Elternprofilen könne man beinahe das ganze Leben der Kinder beobachten.

«Pädophile geilen sich an den Bildern auf»

Die Bilder seien Zeichen des elterlichen Stolzes. Dabei komme der Persönlichkeitsschutz oft zu kurz, obwohl es sehr problematisch sei, «Fotografien von kleinen Kindern zu publizieren, die sprachlich und kognitiv noch nicht einmal in der Lage sind, sich zu äussern.»

Dasselbe Problem sieht auch Pro-Juventute-Medienexperte Laurent Sédano. Er sagt: «Sobald Kinder sprechen oder gar Zeichen geben können, müsste man sie um Erlaubnis fragen. Spätestens mit zwölf Jahren aber, weil sie dann strafmündig sind.» Die Publikation von Bildern verletze ohne das explizite Einverständnis der abgebildeten Person das Persönlichkeitsrecht.

Besonders problematisch sei, dass viele Eltern auch Nacktbilder ihrer Kinder veröffentlichen würden. «Die Eltern sollten sich bewusst sein, dass sich Pädophile an den Bildern ihrer Kinder aufgeilen können», sagt Sédano.

«Würdet ihr die Bilder im Bahnhof aushängen?»

Bloggerin Kathrin Buholzer stellte in einem Post auf elternplanet.ch zu Recht die Frage: «Würdet ihr die Bilder auch ausdrucken und in den grössten Bahnhofsunterführungen des Landes aufhängen, sodass sie jeder anschauen, kommentieren oder mitnehmen kann?»

Leidtragende sind vor allem die Kinder. Wenn diese ins Teenageralter kommen, werden sie oftmals mit den Babybildern gehänselt, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Medienexperte Sédano sagt dazu: «Eltern fragen uns vermehrt, wie sie mit heiklen Bildern, die ihre Kinder verschicken, umgehen sollen. Sie selber vergessen manchmal, dass sie es genau gleich machen.»

Eine neue Praxis ist das Veröffentlichen von Baby-Fotos hingegen nicht. In vielen Spitälern schiessen Fotografen Bilder der neugeborenen Babys. Diese werden auf den Websites der Kliniken veröffentlicht. Professionelle Babyfoto-Dienste wie babysmile24 wurden aber bereits aus mehreren Schweizer Spitälern verbannt.

(nsa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mila am 08.11.2014 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirngebrauch

    Dass es von meinen Kids keine Fotos auf meinem Profil hat ist nichts als selbstverständlich für mich. Aber immer öfters werde ich doof von der Seite angemacht ob ich denn kein stolzes Mami sei da keine Fotos vorhanden seien. Sind wir mal ehrlich, diejenigen die ein Foto sehen sollen, kriegen schon welche. Und "Fremde" gehen meine Kids nichts an. Basta !

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  • Edi am 08.11.2014 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch fremde Kinder drauf

    Obwohl ich selbst kein Account habe, bin ich und meine Kinder vermutlich x Mal auf Facebook, auf den Seiten von Verwandten und Freunden. Staune manchmal schon, wie wenig sich die Leute überlegen, wenn sie Bilder hochladen.

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  • Emmi am 08.11.2014 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spinnt

    Die welt spinnt je länger je mehr und zwar in allen belangen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jennie Rae am 09.11.2014 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Ich verstehe das nicht ganz. Früher hat man Baby-Fotos an Verwandte und Freunde verschickt. Wo genau besteht der Umterschied darin, ob ich ein ausgedrucktes Bild verschicke, oder es auf FB poste? Da sehen es ja auch nur die Leute auf meiner Freundesliste, man kann das ja in den Privatsphären-Einstellungen so bestimmen. Also haben wir auch früher illegal gehandelt, als wir die Baby-Fotos per Post verschickten?

  • Leserin am 09.11.2014 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Fotos

    Es gibt sogar Eltern die Facebook Profile für ihre Kinder erstellen und selber pflegen. Traurig.

  • Claus Müller am 08.11.2014 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Big Brother is watching you

    An alle die hier auf den sogenannten Privatssphäre Einstellungen hinweisen. Wie sicher sind die den? Wann stellt FB die mal wieder ungefragt um? Ist ja noch nie passiert! Und was ist mit den Bildern die Freunde dann ungefragt weiter leiten? Wieviel Kontrolle haben sie da? Die meisten Leute haben doch überhaupt keine Ahnung wie das Internet funktioniert und was alles möglich ist und wer diese Daten alles sammelt! Die Gesellschaft sollte sich dessen endlich mal bewust werden! In spätestens 5 - 10 Jahren werden sie heulen über den gläsernden Menschen!

  • Familienvater im Lichtermeer am 08.11.2014 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz

    Inzwischen ist ja schon fast jedem klar das es solche sozialen Plattformen eigentlich gar nicht braucht. Im Leben zählt das was man tut und nicht das was man vor sich hinstellt um irgendwie besser dazustehen. Die Kinder werden es euch danken wenn sie von euch lernen wie man offen und ehrlich miteinander umgeht.

  • Anton M. am 08.11.2014 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht!

    Aber die z.B. Schule darf bestimmen, welches Znüni gut ist, welche Sprache es lernen soll, welche Schrift, welche Kleidung, wieviel Sport, an welchen Theatervorführungen es teilnehmen muss, welche Musik gut ist, in welche Lager es gehen soll usw.?! Hallooo! Wenn mir jemand noch mehr in meine Kindererziehung dreinreden will, dann werde ich mich vergessen!

    • Ilse am 08.11.2014 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unnötig

      Das bestimmt nicht die Schule, sondern der Staat beziehungsweise mittlerweile noch der Kanton. Und wenn schon? Seien Sie froh um das Bildungswesen der Schweiz. Falls es Ihnen nicjt passen sollten, dürfen Sie gerne in den Dschungel ziehen und Ihrem Kind einen "Znüni nach Wahl" verabreichen.

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