Schönheitsideal

05. Oktober 2018 20:49; Akt: 05.10.2018 20:49 Print

Insta und Selfies treiben Frauen zu Brust-OPs

Mit offensiver Werbung sprechen Schönheitschirurgen junge Frauen an. Mit Erfolg. Denn diese fühlen sich von Social Media unter Druck.

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«Nach der OP könnte ich nicht glücklicher sein. Schon als Teenagerin habe ich von der Brustvergrösserung geträumt», schwärmt die 23-jährige Jennifer in der Sendung «Beauty – die Schönheitsdoku» des Jugendradiosenders Planet 105. Die Klinik Breast Atelier macht seit längerem aktiv Werbung und schreibt auf Anfrage, sie sei seit 2014 mit einem seriösen und preiswerten Angebot auf dem Markt. «Auf dieses aufmerksam zu machen, erachten wir als legitim und hilfreich.» Offensive Werbung für Schönheitsoperationen, die sich speziell an junge Frauen richtet, ist auch auf Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Facebook keine Seltenheit. «Offensichtlich erkennt die Schönheitschirurgie ein grosses Potenzial in der jungen weiblichen Zielgruppe», sagt Valerio Stallone, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachstelle für Digital Marketing der (ZHAW). Gerade via Instagram als rein visuelle Plattform verbreite sich schnell ein neues Schönheitsideal. Dieses Ideal entspreche einer dünnen Frau mit schlanker Taille, aber grossem Busen sowie Hintern und sei damit relativ realitätsfern, sagt die Psychologin Eveline von Arx. Die wenigsten Frauen würden diesem entsprechen, was Schönheits-OPs Aufschwung verleihe. «Wenn ich 1000 Selfies mache, ist die Chance gross, dass ich einen kleinen Schönheitsfehler entdecke, den ich sonst nie sehen würde», sagt der Leitende Arzt für Plastische Chirurgie der Pallas Klinik Zürich, Christian Depner. Er spreche ausführlich mit jedem einzelnen Patienten, so Depner. Es gehe darum, herauszufinden, ob das Problem tatsächlich mit einem Eingriff gelöst werden könne oder viel eher im Kopf liege. Für Depner ist weniger die offensive Werbung das Problem, sondern dass Schönheitschirurge kein geschützter Titel sei: «Immer mehr Allgemeinärzte bieten ästhetische Eingriffe an.» Da diese keine Fachausbildung hätten, komme es schneller zu Fehlern.

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«Nach der OP könnte ich nicht glücklicher sein. Schon als Teenagerin habe ich von der Brustvergrösserung geträumt», schwärmt die 23-jährige Jennifer in der Sendung «Beauty – die Schönheitsdoku» des Jugendradiosenders Planet 105. Gesponsert wurde die Sendung von der Zürcher Schönheitsklinik Breast Atelier. Es ist kein Einzelfall: Offensive Werbung für Schönheitsoperationen, die sich speziell an junge Frauen richtet, ist auch auf Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Facebook keine Seltenheit.

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«Werbung reitet nur auf angestossener Welle»

«Offensichtlich erkennt die Schönheitschirurgie ein grosses Potenzial in der jungen weiblichen Zielgruppe», sagt Valerio Stallone, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachstelle für Digital Marketing der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Werbung reite stets auf einer Welle, die bereits angestossen worden sei. «Gerade durch Instagram, das als rein visuelle Plattform fungiert, werden neue Schönheitsideale schnell verbreitet», sagt Stallone. Zudem sei es zu einer Enttabuisierung der Schönheitseingriffe gekommen, etwa durch fiktive Fernsehsendungen aber auch Reality-TV-Formate, die diesbezüglich sehr offen berichteten.

Diese Entwicklungen würde die Schönheitschirurgie aufgreifen und für ihre Eingriffe werben. Die besagte Radioreportage etwa nutze die Einflusskraft von «social proof», dem sozialen Nachweis, sagt Stallone: «Solche Formate sind für Werber ein einfacher Weg, effizient darauf aufmerksam zu machen, wie gut die Resultate der beworbenen Behandlung oder des Produkts sind.»

Es sei relativ günstig, die Wirksamkeit der eigenen Werbung auf Social Media zu überprüfen, so Stallone. «Bleibt eine Anzeige über längere Zeit aufgeschaltet, wird ihre Wirkung vom Werber entweder kaum überprüft oder sie ist erfolgreich und wird deshalb weitergeführt.»

Ständiger Vergleich per Instagram

Die Psychologin und Erziehungswissenschaftlerin Eveline von Arx bestätigt, dass auf Instagram teilweise realitätsfremde Schönheitsideale verbreitet würden. «Das Schönheitsideal à la Kim Kardashian etwa – mit schlanker Taille, aber grossem Busen sowie Hintern – erfüllen nur die allerwenigsten Frauen.» Das verstärke den Wunsch nach einer Veränderung des eigenen Körpers und verleihe damit Schönheits-OPs Aufschwung. Zudem würden Frauen dazu neigen, sich auf Instagram andauernd mit anderen zu vergleichen.

«Erachten Werbung als hilfreich»

Die Klinik Breast Atelier schreibt auf Anfrage, sie sei seit 2014 mit einem seriösen und preiswerten Angebot auf dem Markt. «Auf dieses aufmerksam zu machen, erachten wir als legitim und hilfreich.» Im Unterschied zu anderen Anbietern, die teils noch offensiver werben, verfüge das Breast Atelier über gut qualifizierte Ärzte und eine Klinkinfrastruktur. Die Nachfrage nach Brustvergrösserungen bei jungen Frauen nehme zu.

Das stellt auch Christian Depner, Leitender Arzt für Plastische Chirurgie bei der Pallas Klinik Zürich, fest: «Teilweise haben wir sehr junge Patientinnen. Unter 18 Jahren sollte eine Brustvergrösserung aber nur bei medizinischen Notwendigkeit durchgeführt werden.» Einerseits hätten die jungen Leute mehr Geld zur Verfügung als früher. Andererseits sei auch Social Media ein Grund dafür, dass sie ihren Körper eher verändern wollten. «Wenn ich 1000 Selfies mache, ist die Chance gross, dass ich einen kleinen Schönheitsfehler entdecke, den ich sonst nie sehen würde», sag der Facharzt.

Immer mehr nichtausgebildete Schönheitschirurgen

«Ich nehme mir die Zeit, mit jedem Patienten ausführlich zu sprechen. Dabei merke ich, ob das Problem wirklich am Körper liegt und mit einem Eingriff behoben werden kann oder ob es vielmehr im Kopf ist», sagt Depner. Er selber habe noch nie aktiv Werbung gemacht. Laut Depner ist weniger die offensive Werbung das Problem, sondern dass Schönheitschirurgie kein geschützter Titel sei:«Immer mehr schlecht oder nicht ausgebildete Ärzte bieten ästhetische Eingriffe an. Daher sollte jeder Kunde auf den Facharzttitel für Plastische und Ästhetische Chirurgie achten.» Durch schlechte Ausbildung komme es schneller zu Fehlern. «Gerade Junge, die darauf reinfallen, müssen diese Konsequenzen dann ein Leben lang tragen.»

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sensation80 am 05.10.2018 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Beileid

    Wer solchen "Vorbildern" nacheifert, dem ist auch mit einer Brust OP nicht mehr zu helfen!

  • Ja ich bin Geil am 05.10.2018 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Schön

    Liebe frauen lasst es bitte sein! Gemachte Brüste sieht man schon von weitem das die nicht echt sind und sehen auch überhaupt nicht schön aus! Ihr braucht das wirklich nicht!

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  • Frau am 05.10.2018 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte verboten werden!

    Schönheitsop. sollten verboten werden !!! Warum Die Natur hat uns alle schön gemacht. Wer durch einen Unfall oder Krankheit entstellt ist sollte Hilfe bekommen ohne dafür zu bezahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hombi am 06.10.2018 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen..

    ..die ihr OP's macht, PO und Lippen aufspritzt, ihr habt nicht alles Porzellan im Schrank. Meistens sieht es danach fürchterlich aus. Beileibe nicht alle Männer mögen eure Verunstaltungen, bleibt einfach natürlich.

  • Steinwerfer am 06.10.2018 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie tragisch

    Mir tun die kommenden Generationen irgendwie leid. Das muss doch ein enormer Stress sein, immer einem vermeintlichen Ideal hinterherlaufen zu müssen. Ist die "Fassade" wirklich nur noch das primäre Kriterium, um den "Anforderungen" der Gesellschaft zu genügen oder einen Partner zu finden? So gesehen bin ich doch schon echt glücklich Ü50 und seit beinahe 20 Jahre glücklich verheiratet zu sein.

  • Bärner Giu am 06.10.2018 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    YB Bern

    ich mag YB Galaxy! die spielen auch mit bällen! #serienmeister

  • Carrie am 06.10.2018 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hopfen und Malz verloren

    Mehr fällt mir dazu nicht ein.

  • abc am 06.10.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Operationsnarben

    Bei einer Frau schaue ich zuerst auf die Operationsnarben unter der Brust. Sie sind ein Abturner!