«Effizienzsteigerung»

21. Mai 2014 12:38; Akt: 21.05.2014 16:39 Print

Deutsche Bahn streicht fast 100 Jobs in Zürich

von Gabriel Brönnimann - Die Deutsche Bahn schliesst gemäss Informationen von 20 Minuten die Zweigniederlassung Zürich und entlässt sämtliche Angestellte. Die Betroffenen sind geschockt.

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Ausschnitt aus dem dreiseitigen Schreiben der Deutschen Bahn Fernverkehr AG Zürich an ihre Mitarbeiter.

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«Nach sorgfältiger Prüfung gedenkt die Unternehmensleitung, die derzeitigen Aufgaben und Tätigkeiten der Zweigniederlassung Zürich einzustellen bzw. in die Organisation der DB Fernverkehr AG in Frankfurt am Main (DB FV) und anderen deutschen Standorten sowie in die hundertprozentige Tochtergesellschaft DB European Railservice (DB ERS) zu überführen. Daraus resultierend würde dies zu einer Schliessung des Betriebes der Zweigniederlassung Zürich führen.»

Diese Sätze stehen in einem dreiseitigen Dokument der Deutschen Bahn, DB Fernverkehr AG, an ihre Schweizer Mitarbeiter. Unterzeichnet ist das Dokument von Dr. Wolfgang Weinhold, Leiter internationaler Fernverkehr und Allianzen, sowie von Michael Fischer, Leiter Bilanzen.

Fast 100 Entlassungen

Das Dokument trägt den unmissverständlichen Titel: «Geplante Massenentlassung aufgrund Betriebsschliessung: Konsultation der Arbeitnehmenden». Auf der zweiten Seite werden konkrete Zahlen genannt: «Die gegenwärtige Anzahl der beschäftigten Mitarbeitenden der DB Fernverkehr AG, Zweigniederlassung Zürich beträgt 115 ... Es würden maximal 92 Mitarbeitende von der geplanten Überführung bzw. Einstellung der Tätigkeiten und der damit verbundenen Schliessung der Zweigniederlassung Zürich betroffen sein.»

Betroffen seien «ausschliesslich Mitarbeitende, die in unbefristeten und ungekündigten Arbeitsverhältnissen stehen». Die Kündigungen sollen zwischen Ende Juli 2014 bis Ende Dezember 2014 ausgesprochen werden.

«Effizienzsteigerung» oder teure Schweizer?»

Als Gründe angegeben werden für den Bereich «Service an Bord» eine sich «abzeichnende Verschlankung» des Netzes (so entfällt etwa die Destination Kopenhagen), was zu einem «Überhang an Bordpersonal» führe. Zur «Effizienzsteigerung» sollen deshalb die verbleibenden Tätigkeiten an die Tochterfirma DB ERS an den Standorten Hamburg und Berlin überführt werden. Auch bei der Zug-Innenreinigung ist von «Effizienzsteigerung» die Rede – hier durch Vergabe an «einen Dritten».

Ein von seiner baldigen Entlassung Betroffener* sagt, die Sache sei doch in Wirklichkeit ganz einfach: «An der Informationsveranstaltung hat einer der Manager aus Deutschland klipp und klar gesagt, wir Schweizer würden halt zu viel kosten, das wolle man nicht mehr bezahlen.» Der Angestellte versteht die Welt nicht mehr: «Wir bieten perfekten Service. Ich spreche viele verschiedene Sprachen, ich lebe seit einem Jahrzehnt für City Night Line mit Herz und Seele.» Ob die «billigen Deutschen», die die Firma nun bald an seiner Stelle anstellen werde, denselben Service bieten können, bezweifelt er. «Auf unserem perfekten Netz fahren sie gerne. Aber anständig bezahlen möchten sie uns scheinbar nicht.»

Dass es Pläne zur Schliessung gibt, bestätigt Daniela Bals, Sprecherin der Deutschen Bahn gegenüber 20 Minuten. Es sei eine notwendige organisatorische Massnahme in einem wirtschaftlich schwierigen Geschäft. Die Konsolidierung von City Night Line hänge mit der Verschmelzung von DB Autozug in DB Fernverkehr zusammen. Eine Schlussfolgerung – auch, um den «Weiterbetrieb von City Night Line sicherzustellen» – sei gewesen, sich die Schliessung der Zweigniederlassung Zürich zu überlegen. Die Betroffenen Mitarbeitenden würden bei der Stellensuche unterstützt.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.S. am 21.05.2014 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    City Night Line lebt nicht für dich

    "ich lebe seit einem Jahrzent für City Night Line..." Leute bitte, das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Ihr müsst aufhören, für eure Firma und euren Job zu leben, denn ihr alle seid ersetzbar und es dankt euch niemand!! Konzentriert euch mehr auf euer Privatleben und fängt wieder an, das Leben zu geniessen!!

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  • Zürcher Bürger am 21.05.2014 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billige Deutsche

    Auch in meiner Firma (grosse Telekommfirma mit Sitz in ZH) bekamen wir das 1 zu 1 vom Management zu hören: "Wem es nicht passe könne gehen, ein Deutscher werde die Stellw sofort bekommen und sei erst noch günstiger." Danke PFZ für den Ausverkauf am CH Arbeitnehmer!

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  • H. Müller am 21.05.2014 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ciao DB, Ciao Bosch, Ciao Kühne & Nagel, what's ne

    Als Stellensuchender ist solch ein Bericht höchst interessant. Es gibt mehrere Deutsche Firmen (in der Deutschschweiz) welche demnächst die CH verlassen, od. Massiv St. abbauen (teils gen Osten ziehen, da "günstigere" AN) & somit gibts noch mehr arbeitslose da. Bei der Suche schaue ich vor allem auch, dass es CH Firmen (KMU) sind, die Stellen ausschreiben. Und zuletzt noch dies: An die Jobsuchenden, good luck!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg am 21.05.2014 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche schmeissen Schweizer raus

    Während sehr viele Deutsche bei uns Arbeit gefunden haben, schmeissen die Deutschen die Schweizer raus. Gleichzeitig dürfen wir uns in der Schweiz die Klagen der Deutschen anhören.

  • Michi Züric am 21.05.2014 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mindestlohn spielt also keine Rolle mehr

    Soso, ob mit oder ohne Mindestlohninitiative, diese grossen Konzerne machen eh was Sie wollen, streichen Stellen und gehen woanders hin.

  • Martin Tschuemperlin am 21.05.2014 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Das wird die SBB aber freuen, denn dann können sie von nun an ungestört überteuerte Bahntickets nach Deutschland an ihren Schaltern verkaufen!

  • Tom Berger am 21.05.2014 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    City Night Line

    Vor ein paar Jahren wurde mir ein Job bei der City Night Line vor der Nase weggeschnappt. ( hatte schon mündliche Zusage ).Nun bin ich froh nicht dort zu arbeiten. So schlechte Löhne zahlen die aber gar nicht.

  • ein BWLer am 21.05.2014 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kosten sind nicht zu hoch

    Wer sagt das das DB Personal in der Schweiz teurer ist als in Deutschland Ein dortigen Mitarbeiter bekommt in der Schweiz 3200 CHf Grundlohn und zahlt seine Sozialleistungen zum großen Teil selbst. In Deutschland kostet er ca 1800 Brutto wo dann noch Steuern und soziale Abgaben für das Unternehmen drauf kommen also kostet ein angestellter um die 2500 Ganz zu schweigen davon das in Deutschland angestellt mehr Urlaub haben also 20 Tage in CH zu 30 Tage in DE und im schnitt 38 Wochenstunden in DE zu 42 Wochenstunden in CH und noch die Produktivität und Qualität die nachweislich viel höher is