Zuwanderung

11. Februar 2014 16:34; Akt: 12.02.2014 12:39 Print

Deutsche feiern Köppel – jetzt legt Mörgeli nach

von Simon Hehli - Roger Köppel spricht «den Deutschen aus der Seele». Heute Abend hat auch Christoph Mörgeli seinen TV-Auftritt. SVP-Gegner fürchten einen Imageschaden für die Schweiz.

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«Weltwoche»-Chef Roger Köppel hatte am Montag zum wiederholten Mal einen grossen Auftritt am deutschen TV: In der ARD-Sendung «Hart aber fair» stritt er sich unter anderem mit SPD-Spitzenpolitiker Ralf Stegner («Die spinnen, die Schweizer») über die Zuwanderungsinitiative – und entschied das Duell aus der Sicht von Spiegel.de klar für sich.

Umfrage
Wer kann dem deutschen TV-Publikum am besten das Ja zur Zuwanderungsinitiative erklären?
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Insgesamt 22527 Teilnehmer

In Deutschland gebe es schlicht keinen annähernd so eloquenten, eleganten, kampflustigen und konservativen Rhetor, schreibt das Onlineportal. Und bediente sich bei «Star Wars»: Köppel sei so etwas wie der Todesstern jeder Talkshow. «Wer ihm in die Quere kommt, den pulverisiert er mit seinem argumentativen Superlaser.»

Auch in der Kommentarspalte der Sendung «Hart aber fair» überwiegen die Sympathien für die Schweiz und ihr politisches System. «Roger Köppel spricht dem deutschen Volk aus der Seele», schreibt ein Zuschauer. Ein anderer meint: «Danke für diese Basisdemokratie, welche den Europawahnsinnigen zeigt, was die Bevölkerung denkt.»

«Die Völker machen nicht mehr mit»

Roger Köppel berichtet am Tag nach der Sendung denn auch, er habe so viele Reaktionen aus Deutschland bekommen wie noch nie – und praktisch alle seien positiv. Aus den Rückmeldungen spreche eine unglaubliche Bewunderung der Deutschen für die Schweiz, so Köppel: «Die Bürger verstehen, dass es bei dieser Abstimmung nicht um Fremdenfeindlichkeit ging, sondern um Selbstbestimmung.»

Der in Hamburg tätige Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar schätzt, dass sich in deutschen Online-Foren 80 Prozent der Kommentatoren begeistert zur SVP-Initiative äussern. Deutsche Politiker und Medien hingegen hatten die Schweiz in den letzten Tagen teilweise massiv angegriffen. Den Grund dafür sieht der «Weltwoche»-Chef im Frust der Eliten, die genau merkten: «Ihre Völker machen nicht mehr mit.»

Giesst Mörgeli Öl ins Feuer?

Bereits am Mittwoch erhalten die deutschen TV-Konsumenten eine neue Gelegenheit, sich ein Bild über die Beweggründe der Schweizer Rechten zu machen: SVP-Hardliner Christoph Mörgeli ist – zusammen mit NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann – zu Gast bei Talkmasterin Anne Will. Der Zürcher springt ein für Ständerat Thomas Minder, der wegen einer Kommissionssitzung passen muss. Er werde als Erklärer der Schweiz fungieren, sagt Mörgeli: «Ich kenne die Befindlichkeiten des Volkes und den Willen des Initiativkomitees.»

Die Verlierer vom Sonntag ärgern sich darüber, dass Leute wie Köppel und Mörgeli die Gelegenheit erhalten, als Vertreter der Schweiz deren Bild in Deutschland zu prägen. «Ich kann nur hoffen, dass Mörgeli nicht noch mehr Öl ins Feuer giesst», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin fürchtet: «Unser Image als weltoffenes Land gerät durch die Auftritte dieser Herren in Gefahr.»

«Das ist nicht unsere Politik»

Eigentlich müsste die Schweiz Aussenminister Burkhalter schicken, findet Tschümperlin. Es sei eine Anmassung, wenn sich Mörgeli als Botschafter des Landes verkaufe. Denn der SVP-Mann vertrete keinesfalls die Mehrheit der Schweizer: «Unsere Politik lebt nicht vom dauernden Provozieren der Populisten, sondern von der Suche nach einem Konsens zum Wohle aller.»

Mörgeli nimmt die Kritik gelassen: «Eine Talksendung lebt halt nicht von der tschümperlinschen Langeweile.» Köppel und er seien sehr wohl Vertreter der offiziellen Schweiz – nämlich der Mehrheit, die für die Begrenzung der Zuwanderung gestimmt habe.

CDU-Mann äussert Verständnis

Der SVP-Nationalrat erwartet, dass er nicht nur auf Gegenliebe stossen wird. «Die Deutschen wissen, dass sich der Schweizer Volksentscheid teilweise auch gegen die deutsche Zuwanderung richtet – und fühlen sich deshalb ungeliebt.» Umgekehrt sähen sich aber auch viele Deutsche bestätigt: «Sie wollen wie wir auch selber über die Zuwanderung entscheiden können.»

Der deutsche EU-Abgeordnete Thomas Ulmer (CDU) glaubt nicht, dass Auftritte wie jene von Köppel und Mörgeli schlecht sind für das Schweizer Image. Die einfachen Leute in Deutschland verstünden den Schweizer Entscheid, weil sie auch um ihre Jobs fürchteten. «Viele Menschen haben eine Urangst vor dem Fremden. Wenn es uns nicht gelingt, sie auf die Reise mitzunehmen, dann drohen in Europa weitere solche Entscheide.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tommy am 11.02.2014 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    direkte Demokratie

    Ich war und bin zwar absolut gegen die Masseneinwanderungsiniative. Aber trotzdem haben Mörgeli und Köppel hier recht: Sie sprechen für die (50.3%ige) Mehrheit des Schweizer Volkes. Jedenfalls in dieser Frage. Und bei Köppels Auftritt ging es ja um die MEI und das wird auch bei Mörgeli so sein. Von daher können sie im Moment ruhig beanspruchen für unser Volk zu sprechen, im Gegensatz zu Tschümperlin und Burkhalter. Köppel hat auch wirklich gut geredet. Und viel davon ging ja auch um die direkte Demokratie, wo ich ihm absolut zustimmen konnte, und nicht nur um die Zuwanderung an sich.

  • Büezer am 11.02.2014 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Köppel in den Bundesrat

    Roger Köppel wäre genau der man mit Format, der nun in Brüssel die Schweiz selbstbewusst und überzeugend genug vertreten könnte. Bei unserem Wischiwaschi-Bundesrat habe ich das Vertrauen längstens verloren.

  • Xaver am 11.02.2014 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Köppels TV-Geniestreich

    Ich bin auch nicht Fan von allen Artikeln in der Weltwoche und Herrn Köppel, doch eines muss ich ihm lassen: Ich habe selten jemanden erlebt, der so souverän und überzeugend gegen teils primitivste Provokationen am TV blieb, mit genialen Argumenten konterte. Das sage ich als Psychologe und Motivationstrainer. Sein Auftritt war ein regelrechter Geniestreich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Visionär am 13.02.2014 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wohl?

    Die Deutschen fühlen sich hier unbeliebt. Warum wohl? Das hat nichts mit Resentiments gegen Deutsche zu tun, sonder sie nehmen hier potentiell Jobs für einen kleineren Lohn weg - das ist Fakt und würde umgekehrt auch keine Freude auslösen....

  • Parteilos am 12.02.2014 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist gut für die Schweiz

    Was ich nicht verstehe: Wieso informiert man sich nicht über die Abstimmung. Es geht nicht um Rassismus, Rechtspolitik oder Ausländer ausschaffen. Es geht darum die Zuwanderung zu regulieren und in einem sinnvollen und für die "kleine" Schweiz erträglichem Mass zu gestalten. Das Problem mit der EU ist, dass die alles bestimmen wollen. Jedoch sind wir ein unabhängiges Land, welches sich in erster Linie für die Rechte der Bürger einsetzt. Es ist schön zu wissen, dass wir die Zukunft mitbestimmen können. LEIDER sind wir das einzige Land mit diesem Privileg. Wir müssen der EU Paroli bieten!

  • J. Meyer am 11.02.2014 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    falscher Zeitpunkt

    Ausgerechnet die grössten Hetzer gegen Deutsche versuchen sich in deutschen Talkshows zu profilieren? Das passt wie die Faust aufs Auge. Hier wird doch eher unter dem Deckmantel der Schweizer Demokratie der Siegeszug der Initiative popularisiert, um das eigene Ego aufzupolieren. Statt die Vorzüge dieser Demokratie zu präsentieren wird zuviel Populismus betrieben, auch wenn Teile ja korrekt wieder gegeben wurden. Das musste nun jetzt nicht unbedingt sein u schon gar nicht in D, gegen das man ja gleichzeitig auch hetzt, was unglaubwürdig erscheint.

  • swiss am 11.02.2014 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super Koeppel...

    ich bin stolz auf Koeppel! was er erklärt stimmt und mich würde es sehr freuen, wenn er die Verhandlungen mit der EU übernehmen würde. Dass wäre vernünftig....viel mehr Glaubwürdigkeit als der BR.

  • Luminoso am 11.02.2014 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Roger Köppel - "unser Kampfhund bei schwierigen Missionen" - mal wieder rhetorisch und intellektuell in Hochform - besten Dank für Ihren souveränen Auftritt!