Behörden machtlos

07. Oktober 2013 20:48; Akt: 08.10.2013 09:25 Print

Deutsche warnen Schweizer vor Radarfallen

von Benjamin Rosch - Seit Anfang Jahr sind öffentliche Warnungen vor Radarfallen verboten. Eine deutsche Seite bietet diesen Service allerdings für ganz Europa – auch für die Schweiz.

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Über 3000 Blitzer verzeichnet die deutsche Seite Blitzer.de in der Schweiz und im grenznahen Ausland. Dabei wird zwischen mobilen und stationären sowie Rotlicht- und Tempoblitzern unterschieden. «Wir liefern halt etwas, das man in der Schweiz nicht bekommen kann», sagt Sebastian Knop, Sprecher von Blitzer.de. So auch in Zürich: Vergangenen Freitag fand sich der Hinweis auf einen mobilen Fotokasten im Kreis 8, seither wurde er laufend aktualisiert. Gemacht wird dies von den Usern selbst. Die Webseite bleibt deswegen sehr aktuell.

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In der Schweiz illegal

«In der Schweiz ist diese Webseite seit dem neuen Strassengesetz ‹Via Sicura› illegal», sagt Martin Steiger, Rechtsanwalt und Experte in Internetfragen. Man dürfe sich zwar informieren, aber nicht Warnhinweise öffentlich verbreiten. Anfang Jahr gingen deshalb auch diverse einschlägige Facebook-Gruppen ein. «Die juristische Verfolgung von Firmen im Ausland gestaltet sich jedoch schwierig», sagt Guido Bielmann, Sprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra).

Auch Steiger sagt: «Ohne Vereinbarung mit den deutschen Behörden sind der Schweizer Justiz in einem solchen Fall die Hände gebunden.» Auch ein Rechtshilfegesuch ändere daran nichts, da «das deutsche Gesetz ein solches Verbot gar nicht kennt», so Steiger.

Doppelte App

Auf Anfrage sagte Knop, die App von Blitzer.de sei aus rechtlichen Gründen in der Schweiz nicht downloadbar. Die Firma Eifrig Media GmbH, unter der auch Blitzer.de eingetragen ist, vertreibt die App in der Schweiz und anderen Ländern unter dem Namen «CamSam» – und wurde schon über eine Million mal heruntergeladen. Auch das Logo ist dasselbe wie bei Blitzer.de.

Wie oft aus der Schweiz auf die Homepage zugegriffen wird, kann Knop, der von Blitzer.de lebt, nicht sagen. Angst vor der Schweizer Justiz hat er nicht: «Solange niemand auf uns zukommt, werden wir nichts ändern.» Noch vor Jahresfrist erlebten besonders Facebook-Gruppen, in denen sich User über aktuelle Standorte von Blitzkästen in der Schweiz austauschten, einen Boom.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Man habt ihr Probleme. Haltet euch an die Gesetze, zu denen auch eine Geschwindigkeitzsbegrenzung gehört, und es kann keiner gebüsst werden! – Bani

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Stoffel am 08.10.2013 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Abzockerstaat

    Dass das Warnen vor Radarfallen verboten ist zeigt, dass es nur darum geht, möglichst viel Geld in die Kasse zu spühlen und nicht darum die Sicherheit im Strassenverkehr zu gewährleisten. Die Schweiz ein Abzockerstaat.

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  • Donald am 08.10.2013 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    In der Schweiz übertrieben

    Alles, was übertrieben wird, schafft eine Gegenbewegung! Seit etwa 10 Jahren wird massiv übertrieben mit dem aufstellen von Radaranlagen, die Folge ist jetzt, dass davor gewarnt wird. Aktion = Reaktion! Wer es nicht glaubt, soll mal Zürich mit München vergleichen.

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  • Thomas B. am 08.10.2013 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld .. das liebe Geld

    Ich weiss von internen Dokumente, die der Polizei vorschreiben wieviel Bussengelder eingetrieben werden müssen. Sie sind sogar im Bugetplan eingerechnet. Ich finde kontrolle gut aber reine Abzocke sehr schlecht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • HansRuedi am 10.10.2013 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich mit Deutschland

    also in Deutschland sterben täglich 10 Menschen auf der Strasse. Wenn ich so die Postillen in der Schweiz lese, habe ich den Eindruck, dass dort pro Tag ein Mensch auf der Strasse stirbt. Auf die Anzahl der Menschen gerechnet also ein ähnliches Verhältnis. Nur dort darf man auf vielen Autobahnabschnitten mehr als 120 fahren. Wieso nicht auch hier? Wenn man dem Schweizer per Gesetz vorschreiben würde, dass er drei mal am Tag in die Limmat springen muss, würde er es auch tun. Wir sind schon ein armseliges Volk :-)

  • HansRuedi am 10.10.2013 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze

    was mir aufgefallen ist das sich die Befürworter immer auf die Gesetze berufen. Aber auch Gesetze müssen in Frage gestellt werden. Nur weil ein paar profilsüchtige Politiker (hallo Moritz) meinen einem ganzen Volk ihren absurden Willen aufzudrängen, muss das nicht unbedingt richtig sein. Mal was vom gesunden Menschenverstand gehört? Aber versteckt Euch weiter hinter Euren Gesetzen und lasst Euch mehr und mehr entmündigen von diesem ach so tollen Staat.

  • Roger Liechti am 10.10.2013 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Technisch umsetzen.

    Man könnte die Tempolimiten längst technich umsetzen, sobald man in eine neue Zone kommt drosselt ein Signal die Geschwindigkeit auf das Erlaubte. So wäre das Problem gelöst. Nur gäbe es dann auch keine Einnahmen mehr.

  • tniklaus am 10.10.2013 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verkehrsbehinderungen

    man muss nur mal die strecke bern genf fahren, dann weiss man, dass jeder dieser blitzkästen eine verkehrsbehinderung und gefährung ist! noch auf der linken spur wird vielfach auf ca 100 abgebremst! auch der schweizer bussenkatalog trägt sein teil dazu bei, denn er ist deratig überrissen, dass einige autofahrer dazu neigen schockartige bremsmanöver eizuleiten sobald sie kästen erkennen! es geht in die richtung totale überwachung und geldmacherei und nicht mehr um die sicherheit und das ist verdammt schade!!

  • a.fo am 10.10.2013 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Warum die ganze Aufregung?

    Fährt man korrekt wird man auch nicht geblitzt. Bei den Distanzen in der Schweiz bringt es soooo wenig Zeitersparnis wenn man schneller fährt, dass es sich doch nicht lohnt.