Verkehrsdelikte

24. Januar 2020 04:47; Akt: 24.01.2020 10:39 Print

Deutsche ziehen Billett Hunderter Schweizer ein

von J. Probst - Allein Baden-Württemberg sprach 2019 fast 1000 Fahrverbote gegen Schweizer aus. Ein Betroffener ärgert sich darüber, dass er den Ausweis nach Deutschland schicken soll.

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Steve S. aus dem Aargau war auf dem Weg zu Bekannten in Deutschland, als es plötzlich blitzte. 121 Kilometer pro Stunde hatte der 32-Jährige auf dem Tacho seines BMW, erlaubt wären nur 80.

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Passiert ist es Anfang September auf einer Landstrasse bei Villingen-Schwennigen: «Ich kam von der Autobahn, habe dabei wohl etwas geträumt und die Geschwindigkeitstafel übersehen», sagt S. Am 8. Januar trifft schliesslich Post vom Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis bei ihm ein.

Polizei droht mit Beschlagnahmung

Es ist ein Bussgeldbescheid über 188,50 Euro wegen Überschreitens der zulässigen Geschwindigkeit. Darin wird auch ein Fahrverbot von einem Monat gegen ihn verhängt, das allerdings nur in Deutschland gilt. Für Steve S. nicht weiter schlimm, er sieht ein: «Strafe muss sein.»

Doch am Ende des Briefes stösst S. auf die «Hinweise für das Fahrverbot». Dort wird S. dazu aufgefordert, seinen Führerausweis innerhalb von vier Monaten bei der Bussgeldbehörde abzugeben. Und weiter: «Sollten Sie diese Abgabefrist nicht einhalten, müssen Sie mit einer Beschlagnahme durch die Polizei rechnen.»

974 Fahrverbote für Schweizer

S. ist irritiert. Er will seinen Ausweis nicht in die Hände der deutschen Behörden geben: «Das ist eine Frechheit», ärgert er sich. Was S. besonders stört: «Ich bin dort nur Urlauber und werde trotzdem extrem unter Druck gesetzt.»

S. ist kein Einzelfall. Letztes Jahr sprachen die deutschen Behörden allein in Baden-Württemberg 974 Fahrverbote an Schweizer aus: 891 davon über einen Monat, 62 über zwei Monate und 21 über drei Monate. Wie viele Schweizer sich dem Fahrverbot verweigern, kann die zentrale Bussgeldbehörde nicht sagen.

Keine Pflicht

Laut Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (Astra), müssen Schweizer Autofahrer der Aufforderung rechtlich gesehen nicht nachkommen. Aber: «Dann beginnt das Fahrverbot nicht zu laufen und die Person kann ins Fahndungsregister aufgenommen werden.»

Das kann bei der nächsten Deutschland-Reise Probleme bereiten. Denn wird der Fahrausweis nicht eingeschickt, gilt trotzdem ein Fahrverbot. Fliegt man bei einer Kontrolle auf, droht nochmals eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, wie das Bayerische Polizeiverwaltungsamt auf Anfrage sagt.

Behörden wollen Fahrausweis verkleben

Auch der TCS empfiehlt deshalb, der Aufforderung nachzukommen: «Die Erfahrung zeigt, dass verschiedene Bundesländer sonst bei einer Wiedereinreise happige Bussen und Sanktionen verhängen.» Je nach Bundesland reiche es auch, nur eine Kopie zu schicken.

Der Grund dafür, dass der Ausweis überhaupt erst eingeschickt werden muss, ist kurios: Die deutschen Behörden wollen einen Sticker draufkleben, danach schicken sie ihn zurück. «Nach deutschem Recht beginnt das Fahrverbot erst zu laufen, wenn die deutsche Behörde das Fahrverbot mit einem Kleber auf dem CH-Ausweis dokumentiert hat», erklärt Rohrbach.

Schweizer Polizisten entfernen Kleber wieder

Dieser Kleber hat aber in der Schweiz keine Bedeutung. Vielmehr bewegen sich die deutschen Behörden damit in einer Grauzone. «Denn eigentlich darf man Fahrausweise nicht verändern», so der Astra-Sprecher. Trotzdem werde die deutsche Praxis in der Schweiz toleriert, weil es so einfacher für den Betroffenen sei und die Ausweise nicht kaputtgingen.

Doch: «Kommt man in eine Kontrolle, wird ein Schweizer Polizist den Kleber korrekterweise abnehmen.» Man kann ihn also auch völlig ungestraft gleich selber wieder entfernen. Das bringt aber wenig, heisst es beim Bayerischen Polizeiverwaltungsamt: «Fahrverbote werden in einer Fahrverbotsdatei registriert.»

*Name der Redaktion bekannt

Ist Ihnen ähnliches passiert? Mussten Sie Ihr Billett nach Deutschland einschicken oder wurden Sie dazu aufgefordert? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Leser am 24.01.2020 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie cool ist das denn

    er fährt mit 120 in einer 80er zone und beklagt sich dann darüber als Urlauber schikaniert zu werden? solchen typen sollte man auch im ausland direkt das fahrzeug konviszieren.

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  • Markus am 24.01.2020 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld wer zu schnell fährt

    Wer zu schnell fährt soll nicht jammern und mit den Konsequenzen rechnen, dass der Ausweis eingezogen werden kann. Es ist egal ob man in Deutschland, Österreich, Schweiz oder anderswo zu schnell war.

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  • Ben Hur am 24.01.2020 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur geträumt

    "Ich habe wohl etwas geträumt..." Das wäre ihm vermutlich in der Schweiz nicht passiert, wo er als Raser verzeigt worden wäre und nicht mit ein paar Euro Busse davon gekommen wäre. Dass Schweizer nach Deutschland fahren um zu rasen ist ja allgemein bekannt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eidgenossin am 25.01.2020 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Selberschuld

    Wer mit 121 statt den erlaubten 80 fährt, ist einfach selberschuld und nicht die hellste Kerze auf der Torte!

  • René Müller am 25.01.2020 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu Harmlos

    Die Deutschen sind in den Strafen beim zu schnellen Fahren viel zu Harmlos. Man sollte sie bestrafen wie in der Schweiz, Auto weg und heimlaufen lassen.

  • Claudia am 25.01.2020 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte aber mit Gegenrecht!

    Den Deutschen die ebensolche Fahrvegehen begehen muss zwingend auch der Fahrausweis abgenommen werden!

  • Wörni am 25.01.2020 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Diktatur aus dem Ausland

    Das ist nicht gut. Deutschland soll dies an CH Behörden melden und die Schweiz zieht den Führerausweis ein. Per Mail entsprechend Meldung an das jeweilige Land. Bewegen wir uns auf eine Weltregierung zu??

  • M.Blaser am 25.01.2020 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Träumer gehören nicht auf die Strasse

    Wer am Steuer träumt gibt den Ausweis zu Recht ab.