RTVG-Revision

20. Mai 2015 11:26; Akt: 20.05.2015 11:34 Print

Die Billag unter der Lupe

von Th. Bigliel - Wie haben sich die Gebühren im Laufe der Jahre entwickelt? Wer bekommt welches Stück vom Kuchen? 20 Minuten liefert die Antworten.

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Profitieren durch die Billag von einem Milliardensegen: Die Angebote der SRG. (Bild: Keystone/Jean-christophe Bott)

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Die Billag ist ein Reizthema. Seit 1987 treibt die in Freiburg ansässige Firma im Auftrag des Bundes die Gebühren für die Radio- und Fernsehnutzung ein. Allein im vergangenen Jahr kamen so rund 1,3 Milliarden zusammen. Zu viel, finden Kritiker. Die Billag sei ein Gebührenmonster, das zu bekämpfen sei.

Neu entzündet hat sich diese Kritik an der Revision des Radio- und TV-Gesetzes, über die am 14. Juni abgestimmt wird. Mit der Revision sollen künftig auch jene Haushalte und grösseren Unternehmen den Service public mitfinanzieren, die kein Radio- oder TV-Gerät besitzen. Weil die Kosten so auf mehr Schultern verteilt werden, würde die Gebühr von 462 auf 400 Franken sinken.

Im Abstimmungskampf schenken sich die Gegner und Befürworter nichts. Beide Seiten bezichtigen einander, es mit der Wahrheit nicht immer so genau zu nehmen.

20 Minuten hat die nüchternen Fakten zur umstrittenen Gebühr:


So haben sich die Gebühren entwickelt
Kosten pro Kopf in Franken

Quelle: BAKOM / Eigene Darstellung (ekr)


Der Service Public wird immer teurer. Zahlte man 1987 für die Nutzung von Radio und Fernsehen noch 280 Franken, waren es im Jahr 2000 bereits 432 Franken. Heute müssen für die Programme der SRG 462 Franken hingeblättert werden. Bundesrätin Doris Leuthard erklärt die steigenden Kosten im 20-Minuten-Interview mit dem Anstieg des Preisniveaus. «Die in den letzten zwei Jahrzehnten erfolgten Anpassungen entsprachen einzig der Teuerung.» Unsinn, meint Gewerbedirektor Hans-Ulrich Bigler. Die Billag-Gebühr sei stärker gestiegen als die Teuerung. «Das kann jeder nachrechnen.»

20 Minuten hat nachgerechnet. In den letzten zwanzig Jahren orientierte sich die Billag-Abgabe tatsächlich an der Teuerung. In den Jahren davor, zwischen 1987 und 1995, sind die Kosten für das staatliche Radio- und Fernsehprogramm jedoch überdurchschnittlich stark in die Höhe geschnellt.



Und so werden die Gebühren verteilt
Ausgaben in Mio. Franken

Quelle: BAKOM / Eigene Darstellung (ekr)


Der Löwenanteil der Gebührengelder geht seit jeher an die SRG. Allein in den letzten zehn Jahren flossen knapp 14 Milliarden in den Gebührentopf des Staatssenders. Seit 2007 profitieren von diesem Geldsegen verstärkt auch Sendestationen, die in privater Hand sind. Pro Jahr spült das «Gebührensplitting» rund 54 Millionen in die Kassen von privaten Radio- und Fernsehstationen. Bei einem Ja zum RTVG sollen diese künftig noch mehr erhalten: 81 Millionen sollen es dann sein.

Auch die Billag beansprucht einen Teil des Gebührenkuchens. Die Inkasso-Firma lässt sich ihre Dienste im Jahr mit rund 50 Millionen Franken entlöhnen. Zum Vergleich: Das ist beinahe gleich viel, wie alle Privatsender zusammen erhalten. Marginal ist auch der Betrag, der in die Nutzungsforschung fliesst. 2,8 Millionen wurden 2013 in Forschungsprojekte investiert.


Steigende Einnahmen, steigende Ausgaben
Einnahmen und Ausgaben in Mio. Franken

Quelle: BAKOM / Eigene Darstellung (ekr)


Nicht nur wegen der steigenden Gebühren sind die SRG-Einnahmen in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Auch die Zuwanderung hat zum Milliardensegen beigetragen. Geld, dass vom Service public offenbar dankbar angenommen wird, denn mit den steigenden Einnahmen sind auch jeweils die Ausgaben gestiegen.

Die Gegner der RTVG-Revision sehen in der Entwicklung einen Beweis dafür, dass die Gebühren auch in Zukunft steigen werden. «Bis auf 1000 Franken», meint Gewerbedirektor Bigler. Laut Medienministerin Doris Leuthard ist es jedoch «gut möglich, dass die Gebühren gesenkt werden können, falls die Zahl der Haushalte weiter zunimmt».



Grosse Unterschiede bei der Finanzierung

Quelle: BAKOM / Eigene Darstellung (ekr)


Die SRG finanziert sich zu 75 Prozent durch die Billag. Im letzten Jahr waren es 1,2 Milliarden Franken, die die SRG so von der öffentlichen Hand erhielt. Hinzu kommen Einnahmen von 440 Millionen, welche das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen hauptsächlich durch Werbung erwirtschaftete.

In den Genuss einer Finanzspritze kommen auch gewisse private Radio- und TV-Sender. Die Bedingung: Der Sender muss regional tätig sein oder sich in einer Berg- oder Randregion befinden. Als «Bereicherung der Meinungsvielfalt» fördert der Bund auch bestimmte, nicht gewinnorientierte Radios. Ein grosser Teil der Radiosender muss hingegen ohne staatliche Krücken auskommen. Dazu gehören beispielsweise Radio 24 oder Radio Energy.


Das Konsumverhalten ändert sich
Durchschnittliche Nutzung in Minuten pro Tag

Quelle: BfS/ Eigene Darstellung (ekr)


Seit der Jahrtausendwende ist der Radio- und TV-Konsum in der Schweiz rückläufig. Am häufigsten wird der Fernseher noch im Tessin genutzt. Im Jahr 2013 schauten die Tessiner pro Tag noch 166 Minuten in die Flimmerkiste. In der Westschweiz schaltet man den Fernseher im Schnitt bereits zwanzig Minuten früher aus. Und die Deutschschweizer ziehen bereits nach knapp zwei Stunden den Stecker.

Grund für den rückläufigen Radio- und TV-Konsum dürfte die zunehmende Verbreitung des Internets sein. Die Digitalisierung ist zugleich auch der Grund,weshalb der Bundesrat das bisherige RTVG-Gesetz anpassen will. Weil mit Smartphones, Tablets und Computern auch SRG-Programme empfangen werden können, müssen die Besitzer solcher Geräte ebenfalls Billag bezahlen.


Die Schweiz guckt fremd

Quelle: Mediapulse / Eigene Darstellung (ekr)


Über die Bildschirme von Herrn und Frau Schweizer flimmern vor allem ausländische Sender. Links liegen gelassen wird das einheimische Fernsehprogramm deswegen jedoch nicht: Das Nutzungsforschungsinstituts Mediapulse kommt in seinen neusten Zahlen zum Schluss, dass SRF 1 in der Deutschschweiz mit 19,5 Prozent nach wie vor der beliebteste Sender ist. Dahinter folgen SRF zwei mit 9,8 Prozent sowie ARD, ZDF und RTL mit einem Marktanteil von rund je 5 Prozent. Schweizer Privatsender wie 3+ sind im Vergleich dazu deutlich abgeschlagen.


Gebühren im internationalen Vergleich

Quelle: SRG Geschäftsbericht 2014 / Eigene Darstellung (ekr)


In Deutschland werden die öffentlich-rechtlichen Sender pro Jahr über 8 Milliarden Franken subventioniert. In Frankreich und Italien lässt sich der Staat das Fernseh- und Radioprogramm umgerechnet rund 3 Milliarden kosten. In Österreich und der Schweiz haushaltet man hingegen mit fast gleich langen Spiessen.

Bezieht man die Einwohnerzahl der jeweiligen Länder mit in die Rechnung ein, schüttelt das die Rangliste gehörig durch. Mit knapp 160 Franken pro Kopf führt nun die Schweiz die Gebührentabelle an. Im benachbarten Österreich beträgt die Pro-Kopf-Belastung rund 150 Franken, in Deutschland sind es knapp 100 Franken. Am günstigsten kommen Gebührenzahler in Frankreich und Italien weg. Hier wird für die Medienförderung pro Jahr eine Fünfzigernote eingezogen.

Die grossen Unterschiede führen die Billag-Befürworter auf die Mehrsprachigkeit der Schweiz zurück. Ein rein deutschsprachiger Service public käme demnach viel günstiger.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zwangsgebührenzahler am 20.05.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffung der Zwangsgebühren

    Zwangsfinanzierte Radio- und TV-Stationen sind doch längst old technology. Im 21.Jh entscheiden die Leute selbst, was sie wann schauen/hören wollen und es gibt weit bessere Angebote als die der SRG. Nein zur Mediensteuer, Ja zur Abschaffung der Zwangsgebühren. nobillag unterstützen!

  • Doni am 20.05.2015 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    50 Millionen zu viel

    Was ist genau der Sinn der Billag? Die Steuer könnte einfach direkt vom Bund eingenommen werden.

    einklappen einklappen
  • Chrigl am 20.05.2015 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal Radio und TV pro Sprache,

    reicht um einen Service Public aufrechtzuerhalten. Fertig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 21.05.2015 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wer auch profitiert??

    Wir bezahlen und die Billag Angesttellten verdienen + profitieren!

  • Gerhard am 21.05.2015 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das neue Wunder von Bern

    Schon erstaunlich, wie viele Leute plötzlich gar nie fernsehen (auch nicht im Internet), wenn es um die Billag geht. Das ist das neue Wunder von Bern.

    • A.B. am 21.05.2015 18:04 Report Diesen Beitrag melden

      Da gibts besseres

      Wenn man 10 Jahre TV gesehen hat, hängts einem zum Hals raus. Ewigs die gleichen Spielfilme. Wievielmal lesen das selbe Buch? Mich wunderts, dass sich soviele das nervöse Zeugs anschauen und sogar noch dafür bezahlen. Das ist ein Wunder.

    einklappen einklappen
  • DJ Stuff am 20.05.2015 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach weils einfach ist

    Wenn ich die Rechnungen vom Handy, Strom oder Versicherung nicht Bezahle wird der (Service) eingestellt. Hoffe nun, dass das SRG bei mir abgestellt wird. Ups, so einfach ist das nicht, wieso eigentlich.

  • JustMe am 20.05.2015 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das

    Ich habe seit Jahren keinen Fernseher, kein Radio und kein Auto und lebe gut. Ich lese um mich zu unterhalten oder stricke. Das, was mich interessiert an Dokus, finde ich zuhauf im Internet. Wozu also überhaupt noch staatliches Fernsehen?

  • Kilian am 20.05.2015 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das echt wahr?

    Ist der TV Konsum pro Kopf und Tag wirklich so hoch? Bei uns läuft TV vielleicht mal eine halbe Stunde pro Woche. Nicht einmal meine Kinder schauen fern. Es läuft ja eh nur Werbung, geschnittene Filme die wegen der Werbung 3 Stunden lang dauern. Verblödungszeugs und Polit Propaganda. Für so einen Müll bezahle ich nicht. Und wenn der TV mal kaputt geht, wird er nicht mehr ersetzt. Radio, habe ich keinen mehr. Da läuft eh nur immer diesselben Lieder in englisch meist aus den USA. rauf und runter.