25. Januar 2007 21:17; Akt: 26.01.2007 08:41 Print

Die Deutschen kommen

Sie wandern derzeit zu Tausenden in die Schweiz ein. Auf der Suche nach einem neuen Leben - und nach Arbeit. Über 160 000 Deutsche leben mittlerweile in der Schweiz.

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«Was mach ich eigentlich in einem Land, wo mich keiner leiden kann?» Das fragte sich Oliver Ackermann im DOK-Film «Die Deutschen kommen» im Schweizer Fernsehen. Ackermann ist Deutscher und lebt seit drei Jahren in der Schweiz.

Als er während der WM in einem Deutschland-T-Shirt auf der Arbeit auftauchte, «schauten mich die Leute an, als wäre ich von einem anderen Stern.» Während es als normal gegolten habe, Fahnen aller Herren Ländern an den Häusern flattern zu sehen, trauten sich offenbar wenige Deutsche, ihre Nationalität kundzutun. Warum eigentlich?

«Wenn es noch mehr gibt, müsste ich Hochdeutsch sprechen», lautet die Einschätzung einer Befragten. Andere bemängeln das «draufgängerische Wesen» der Nachbarn. Der Hauptkritikpunkt ist aber: Deutsche gelten als arrogant. So pauschal der Vorwurf ist, er ist tief in den Schweizer Köpfen verankert. Auch die Verknüpfung zu den Nazigräueln ist auch nach Jahrzehnten noch präsent.

Die Lieblingsstadt der Deutschen ist zweifellos Zürich. Rund 110 000 Ausländerinnen und Ausländer aus 165 Nationen haben Ende 2005 in der Stadt gewohnt. Die Deutschen haben die Italiener als grösste Ausländergruppe abgelöst. Rund 19 300 lebten Ende 2005 in der grössten Stadt der Schweiz. Damit kommt jeder 20. Zürcher Einwohner aus Deutschland. Insgesamt leben derzeit rund 162 000 Deutsche in der Schweiz. Das entspricht rund 11 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung.

Der Hauptgrund für deutsche Auswanderer ist aber nicht die schöne Landschaft - sondern die Arbeitsplätze. Die Stellenknappheit in Deutschland treibt immer mehr Arbeitnehmer in die Schweiz. Während in Deutschland zirka 9,5 aller erwerbsfähigen Personen ohne Arbeitsstelle sind, zählt die Schweiz lediglich etwas mehr als 4 Prozent Arbeitslose.

Auffallend ist, dass immer mehr Deutsche an Schweizer Spitälern als Ärzte praktizieren. Im Berner Inselspital beispielsweise stammen 281 der derzeit 982 Ärzte und Ärztinnen aus Deutschland, wie es auf Anfrage heisst. Das entspricht einem Anteil von rund 29 Prozent. Kamen in früheren Jahren fast nur Akademiker oder Studenten aus Deutschland sind es heute auch Handwerker und Angestellte. Dieses neue Phänomen nahm mit dem Inkrafttreten der Bilateralen I im Jahr 2004 stark zu.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.Eutsch am 25.01.2007 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Crash-Kurs

    Bin jetzt seit 7 Monaten in Zürich und musste feststellen, dass einige Schweizer richtig beleidigt sind, wenn man sie auf deutsch (ihr nennt das immer hochdeutsch?!?) anspricht. Wer kennt ein Institut in Zürich, wo ich schnell die Sprache der Einheimischen lernen kann?

  • René Kuhn am 26.01.2007 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    arrogante Deutsche

    Schon weiland Max Frisch erkannte, dass wir Schweizer uns sprachlich, also beim Hochdeutsch sprechen, unterlegen fühlen. Die Deutschen sind auch etwas offener als wir zurückhaltenden Schweizer, was das Gefühl der Unterlegenheit verstärken kann. Arrogant sind sie nicht!

  • Adrian am 26.01.2007 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    bleibt in deutschland!

    wie brauchen keine arroganten deutschen in der schweiz die unsere arbeitsplätze wegnehmen! und dieses verdammte "tschüss" sollen sie mal lieber bleiben lassen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mona am 11.05.2010 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Deutschen...

    Hallo... ich habe auch schon einige unangenehme Begegnungen mit Deutschen erlebt, aber dennoch was ist so schlimm an ihnen? Die Deutschen nehmen uns die Arbeitsplätze ja nicht weg, die Unternehmen in der Schweiz geben sie ihnen. Weshalb? Weil viele Deutsche einfach besser ausgebildet sind als wir Schweizer. Schuld? Unser Bildungssystem! Sie arbeiten im Gegensatz zu uns für einen tieferen Lohn, wir sind uns ja zu schade dafür. Wir sagen die Deutschen seien arrogant, was sind denn wir? Wir können bis heute die Geschichte der Deutschen nicht in Ruhe lassen und müssen sie jedesmal wieder auspacken

    • Andreas am 21.05.2010 00:54 Report Diesen Beitrag melden

      Gründe 1

      Ich (Bayer) arbeitete lange in Österreich und mit den Vorurteilen hat es denk schon so seine Gründe: 1)Die Hochdeutsche prache klimngt für viele Süddeutsche Dealekt Sprecher extrem arrogant wegen der Klangfrequenzen. Es wurden Versuche gemacht dass z.B. Russen Frequenzen in ihrer Sprache haben, die Tschetschenen als unfreundlich interpretieren. Das selbe Phänomen tritt auf bei piepsig sprechenden Klassenlehrerinnen die sich durchsetzen wollen. Hochdeutsch wie es die Norddeutschen sprechen klingt für uns arrogant auch wenn es nicht immer so gemeint ist.

    • Andreas am 21.05.2010 00:58 Report Diesen Beitrag melden

      Gründe 2

      Ich (Bayer) arbeitete lange in Österreich und mit den Vorurteilen hat es denk schon so seine Gründe: Ein Grund könnten die unterschiedlichen Verhaltensmuster sein. In Norddeutschland sind bereits andere Verhaltensweisen akzeptiert wie in Ost- oder Süddeutschland. Ich habe das selbst bei Umzügen so gemerkt.Das u.a. mit dem aufenthaltsraum zu tun, in dem man sich meist bewegt. Der durchschnittliche Mitteleuropäer bewegt sich 150km um seinen Wohnort und 10% des Jahres auf der "Dom-Rep"...

    • Andreas am 21.05.2010 01:04 Report Diesen Beitrag melden

      Gründe 3

      Insges.fiel mir sehr stark die direktere, selbstbewusste Art in Norddeutschland auf, die aber auch in München mittlerweile zu finden ist. In Österreich sind die Verhaltensnormen erheblich feinfühliger.Evtl.kann das auch mit dem Schulunterricht zu tun haben. Man hat in Österreich beispielsweise ein Fach "Psychologie und Gesellschaftskunde" was in D nicht existiert. Ich empfehle auch einen Link: (Falls er nicht funz.ging letztes mal nicht: Googlen unter: "deutsche + pedantisch + handelsblatt")

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  • Gandalf am 10.02.2007 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    die Deutschen verstehen Schweizerdeutsch

    @beck marcel meisten Deutschen verstehen Schweizerdeutsch und keiner erwartet von den Schweizern, sich da anzupassen.Wir sind nur oft zu höflich, um die Schweizer jedesmal zu belehren, mit uns Schweizer Deutsch zu sprechen. Macht es doch bitte einfach.

  • CHer am 10.02.2007 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte

    @ Alex: FALLS denn Deutschland so extrem vielfältig und gut sein soll: Bitte, es wird Dich hier kaum jemand vermissen.

  • Dennis am 07.02.2007 01:54 Report Diesen Beitrag melden

    Woher soll man das wissen?

    Jemand sagte hier er kann auf ein "Tschüss von Fremden verzichten". Das ist Arroganz! Woher soll ein Deutscher wissen das ein Tschüß nur unter Menschen angebracht ist die per "Du" sind? Vllt wäre es angebracht gar nichts zu sagen...

  • Reto am 26.01.2007 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    offenheit,toleranz

    habe drei jahre in hamburg gelebt und gearbeitet,einfach locker easy offen nicht so konservativ und verklemmt wie es in der schweiz häufig ist und viel fortschrittlicher und unverklemmter.näää..ich liebe deutschland