Unlautere Werbung

08. März 2016 05:41; Akt: 08.03.2016 10:40 Print

Die Erdöl-Lobby führte die Konsumenten in die Irre

von D. Pomper - Die Erdöl- und Erdgas-Lobby muss irreführende Werbung stoppen. Greenpeace wittert Morgenluft.

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Ein Ehepaar sitzt frierend auf dem Sofa und sieht fern. Es ist so kalt, dass sich auf dem Bildschirm eine Eisschicht gebildet hat. Die Frau steht auf und kratzt sie weg, wobei die Scheibe zu Bruch geht. «Manche angesagten Heizsysteme haben so ihre Tücken», heisst es auf dem Off, «heizen Sie besser mit Öl.» So bewirbt die Erdöl-Vereinigung ihre Produkte.

Doch nun wird sie in die Schranken gewiesen. Die Schweizerische Lauterkeitskommission hat Greenpeace-Beschwerden gegen die Erdöl-Vereinigung (EV) gutgeheissen. So darf die EV nicht mehr behaupten, eine neue Ölheizung sei in jedem Fall die kostengünstigste Lösung. Die EV darf auch nicht mehr mit der Aussage werben, eine Ölheizung sei «häufig der wirkungsvollste und wirtschaftlichste Weg (…) zu mehr Klimaschutz».

Roland Bilang, EV-Direktor, will den Entscheid nicht kommentieren: «Ich wüsste nicht, was es da zu sagen gibt.»

«Der Entscheid ändert nichts»

Die Lauterkeitskommission beanstandet auch einzelne Punkte des Verbandes der Schweizerischen Gasindustrie VSG. Sie schreibt, dass die «Beschwerdegegnerin die offensichtliche Richtigkeit der Aussage ,,Erdgas belastet die Umwelt weniger als Heizöl, Holzschnitzel, Pellets oder importierter Kohlestrom" nicht nachgewiesen hat.» Die Beschwerde sei bezüglich dieser Aussage daher gutzuheissen.

In den zentralen Punkten sei die Greenpeace-Beschwerde aber abgewiesen worden, sagt Sprecher Thomas Hegglin. Der Entscheid ändere für den Verband gar nichts, denn: «Seit Frühjahr 2012 brauchen wir die angeprangerte Formulierung gar nicht mehr. Die aktuellen Sujets sind absolut unproblematisch.»

Greenpeace Schweiz dagegen ist erfreut über den Entscheid und fordert die Verbände auf, unverzüglich ihre Kommunikation zu überarbeiten. «Wer mit Irreführungen und Falschaussagen für Heizöl und Erdgas wirbt, nimmt schlimme Folgen in Kauf», sagt Klima-Kampagnenleiter Georg Klingler. Die wissenschaftlichen Fakten zeigten, dass schnellstmöglich auf erneuerbare Energien umgestiegen werden müsse, um weitere Klimaschäden zu vermeiden.

Abgemagerte Eisbären auf Zapfsäulen

Klingler geht noch einen Schritt weiter: «So wie heute auf Tabakprodukten üblich, soll künftig überall dort, wo Erdölprodukte und Erdgas bezogen und verbraucht werden, vor den klimaschädlichen Folgen gewarnt werden.» Die kanadische Metropole Vancouver hat im November letzten Jahres Warnhinweise auf fossile Produkte eingeführt, etwa an Zapfsäulen. Zwischen 3000 und 5000 Dollar kostet die Produktion der Aufkleber. Darauf zu sehen ist etwa ein Rentier mit einem Jungen. Dazu der Warnhinweis: «Die Nutzung dieses fossilen Produkts trägt zum Klimawandel bei und zum Aussterben bedrohter Tiere.» Ein anderes Bild zeigt ein trauriges Kind: «Die Nutzung dieses Produkts trägt zu Smog bei, das Asthma und andere Atemwegskrankheiten bei Kindern auslösen kann.»

Konkret fordert Klingler Warnhinweise auf Zapfsäulen, Tanklastwagen, auf den Tankdeckeln der Autos sowie auf Öl- und Gasheizungen. Greenpeace hat bereits konkrete Sujets ausgearbeitet und beim Bundesamt für Umwelt eingereicht. Mit Bildern von abgemagerten Eisbären auf der Nahrungssuche, Felsstürzen oder ausgetrockneter Böden wollen sie die Bevölkerung sensibilisieren. «Sie ist sich nicht bewusst, dass sich fossile Produkte auf die Gesundheit auswirken. Die gehäuften Hitzewellen sind für ältere , gesundheitlich angeschlagene Menschen und Kleinkinder eine direkte Bedrohung.»

Walter Wobmann, SVP-Nationalrat und Mitglied der Umweltkommission, findet diese Warnhinweise einen Witz: «Erstens ist nicht bewiesen, dass fossile Produkte zur Erderwärmung beitragen. Zweitens bezweifle ich den Nutzen. Auf den Zigaretten-Päckchen bringen die Schockbilder schliesslich auch nichts.» Es sei klar, dass er den Vorschlag «dieser Ökoterroristen» mit allen Mitteln bekämpft werde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cris am 08.03.2016 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel durch Erdöl

    Walter Wobmann müsste sich die Mühe machen, sich zu informieren statt auf Lobbyisten zu hören: Der Einfluss von Eröl/Erdgas auf den Klimawandel resp. Luftverschmutzung ist seit langem erwiesen.

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  • M.F. am 08.03.2016 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wobmann

    Es ist längst bewiesen, dass fossile Brennstoffe zur Klima-Erwärmung beitragen. Und die Bezeichnung "Öko-Terroristen" ist an Primitivität kaum zu überbieten. Auf der anderen Seite, von Wobmann erwarte ich nichts anderes. Wenn er mit Anstand und Bildung glänzen würde, wäre das die Überraschung des Jahres.

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  • Stefan Schaberl am 08.03.2016 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    peinliche Wissenslücke

    Wobmann: "Es ist nicht bewiesen, dass fossile Produkte zur Erderwärmung beitragen." Wow, es ist doch erstaunlich, wie unwissend unsere Vertreter in Bern sind. Herr Wobmann soll sich doch bitte noch einmal darüber informieren!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Konsument am 08.03.2016 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle machen was vor

    Aber dass elektrisch Heizen seit Jahren als Erneuerbare Energie verkauft und von der Politik gefördert wird stört niemanden ! Unser Wohlstand ist Klimafeindlich , das zu steuern geht nur über die Geldbörse.

  • Ich Nase am 08.03.2016 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grotesk

    Die Kommission verdient Ihren Namen nicht, wenn so ein ignorant dort Mitglied ist. Unter der Verantwortung von Politikern verstehe ich etwas anderes.

  • DaveR am 08.03.2016 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wobmann in Umweltkommission?!

    Wobmann ist in der Umweltkommission?! Als Geschäftsführer eines eigenen Transportunternehmens?! Welch eine Fehlbesetzung...

  • Stefan Schaberl am 08.03.2016 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    peinliche Wissenslücke

    Wobmann: "Es ist nicht bewiesen, dass fossile Produkte zur Erderwärmung beitragen." Wow, es ist doch erstaunlich, wie unwissend unsere Vertreter in Bern sind. Herr Wobmann soll sich doch bitte noch einmal darüber informieren!

  • Ch.Rölli am 08.03.2016 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na Klar!

    Solange der Strom für die Wärmepumpe aus der Umweltschonenden Steckdose kommt, und die Solaranlage und die Erdwärme nur 30% einer Ölheizung kosten, solange heize ich mit Öl, ich habs ja! Laut SNB hat schliesslich jeder Schweizer 500000 auf der hohen Kante!