Tamedia-Wahlumfrage

28. Mai 2019 23:58; Akt: 03.09.2019 19:35 Print

GLP und Güne sind im Umfrage-Hoch

Viele SVP-Wähler wünschen sich, dass die Partei ihre Klimapolitik überdenkt. Das bringe die SVP in ein Dilemma, sagt ein Politologe.

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Die Klimaparteien sind weiterhin im Hoch: Wären am vergangenen Wochenende Wahlen gewesen, hätte ein Linksrutsch resultiert. Laut der Tamedia-Wahlumfrage hätten GLP und Grüne kräftig zugelegt, während die übrigen grösseren Parteien tendenziell verloren hätten (siehe Box).

Grüne punkten bei den Jungen

Die Grünen erreichen in der jüngsten Tamedia-Wahlumfrage einen Wähleranteil von 9,9 Prozent, 2,8 Prozentpunkte mehr als bei den Wahlen im Jahr 2015. Die Grünliberalen legen ebenfalls stark zu. Alle anderen grösseren Parteien büssen Wähler ein. Zu beachten ist, dass diese Verschiebungen innerhalb des statistischen Unschärfebereichs liegen. Die Umfrage fünf Monate vor den eidgenössischen Wahlen zeigt, dass die Umweltparteien gerade bei der jüngeren Wählerschaft punkten. So hätten 13 Prozent der 18- bis 34-Jährigen die Liste der Grünen eingeworfen. Bei den über 65-Jährigen wären es nur 6 Prozent gewesen.

Während die FDP auf die Klimastreiks reagiert und eine grüne Kehrtwende vollzogen hat, spricht SVP-Präsident Albert Rösti von einem «Hype». Die Partei wehrt sich gegen höhere CO2-Abgaben, bremst beim Atomausstieg und bei der Flugticket-Abgabe.

«Die SVP steckt in der Zwickmühle»

Wie die Umfrage zeigt, spaltet die Klimapolitik jedoch die Basis der Volkspartei: So finden 49 Prozent der SVP-Wähler, dass die Partei ihre Positionen in der Klimapolitik überdenken und sich stärker für den Klimaschutz engagieren sollte. 48 Prozent sind eher nicht dieser Ansicht, während drei Prozent keine Meinung kundtaten.

Politologe Georg Lutz sagt, die SVP stecke «wenige Monate vor den Wahlen in der Zwickmühle». Die Parteistrategen hätten sich entschieden, an den alten Positionen festzuhalten. «Die Umfrage zeigt nun, dass sich ein Teil der SVP-Wähler sehr wohl Sorgen um das Klima macht.» Gerade den Bauern, die unter den Auswirkungen des Klimawandels litten, sei die abwartende Haltung nicht zu erklären.

Die Position kurz vor den Wahlen zu ändern, wie es die FDP gemacht habe, sei aber auch ein Risiko: «Man verliert an Glaubwürdigkeit und stösst einen Teil der Wähler vor den Kopf.» Die SVP könne nur noch hoffen, dass das Thema wieder von der Agenda verschwinde.

«Rot-grüne Kommandowirtschaft»

Das Ergebnis der Umfrage überrascht SVP-Stratege Roger Köppel nicht. «Wenn so vage gefragt wird, ist man immer dafür.» Die Klimabewegung und auch die grünen Parteien wollten aber den Systemwechsel. «Ich bin gegen den Missbrauch des Klimawandels für eine rot-grüne Kommandowirtschaft mit Verboten und Verteuerungen, die dem Klima nichts bringen, aber unsere Freiheit und unseren Wohlstand zerstören.»

Die Klima-Debatte habe hysterische Züge angenommen, sagt Köppel. So werde gefordert, dass die Schweiz kein CO2 mehr ausstosse, obwohl dies keinen messbaren Einfluss auf die Erdtemperatur habe. Die SVP tue gut daran, einen kühlen Kopf zu bewahren und an ihren Positionen festzuhalten. «Wir müssen uns an den unvermeidlichen Klimawandel anpassen und der Umwelt Sorge tragen, aber ohne eine grüne Klimanotstands-Diktatur.»

Bestätigt fühlt sich derweil SVP-Nationalrat und Bauer Andreas Aebi, der sich für mehr Klimaschutz ausgesprochen hat. Dass jeder zweite SVP-Wähler mehr Klimaschutz wünsche, sei ein «schönes Resultat». Statt vom Klimaschutz zu reden, brauche es Eigenverantwortung und konkrete Taten von jedem Einzelnen.

Zur Umfrage

19’018 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 22. und 23. Mai online an der 5. Tamedia-Wahlumfrage im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober 2019 teilgenommen. Die Umfrage wird in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach diversen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.Vetsch am 29.05.2019 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimaschutz

    Ich hoffe nur, dass alle die jetzt hier so gross reden, im Sommer auch zu Hause bleiben und Wandern gehen und nicht mit dem Flieger in den Urlaub reisen.

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  • crooker am 29.05.2019 00:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sofort natur und klima schützen!

    klimaschutz ist das eine, naturschutz das andere, ja vielleicht noch wichtigere. wir müssen endlich anfangen mit der natur zu leben, statt gegen die natur. ohne natur keine menschen.

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  • colo am 29.05.2019 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klima

    vor den Wahlen will jeder der Grünste sein!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • leandra am 30.05.2019 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umsetzten

    Es ist schon eigenartig, tatsächlich ist es so,dass unser nachbar, ein bauer, sehr viel für den klimaschutz macht und auch noch in der svp ist, umsetzten müssen ja das die menschen die arbeiten und leider sind das meistens keine die grün wählen, eigentlich schizophren

  • Iris am 29.05.2019 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roger Köppel hat Recht!

    Die Eliten bauschen dieses CO2 - Märchen auf um uns zu suggerieren, dass das Problem nur Staaten übergreifend, also global gelöst werden kann. Also werden Gesetze erlassen, an die sich alle halten müssen. Was für ein genialer Schachzug zu einer Weltregierung und Totalitarismus. Wer hat denn die grösste Schuld an der Zerstörung der Umwelt. Genau, multinationale Megafirmen, welche von der Politik permanent bevorzugt werden steuerlich z. B. Bei der Gelegenheit werden jetzt kleine und mittlere Unternehmen durch Regelungen in den Ruin getrieben. Und wir Normalbürgern werden auch geschröpft!

  • Nero am 29.05.2019 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Ich finde dass es in jedem Thema auch eine Partei geben sollte, die die andere Meinung vertritt, so auch bei der Klimapolitik. Sonst können wir auch gleich ein Einparteiensystem einführen.

  • rolf räber am 29.05.2019 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klima

    Der Mensch hat keinen einfluss auf das Klima, die Sonnenaktivität ist verantwortlich für das Klima und nich der Mensch. Die SVP steckt sicher nicht in der Zwickmühle, sie hat recht wenn sie nicht auf den Klima Tripp aufspringt.

  • Dani am 29.05.2019 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzenegger und Co

    Ich habe insbesondere ein Problem bei Prominenten, die fürs Klima Vorschriften fordern, wie Arnold, aber jedes Jahr zum Vergnügen aus Kalifornien nach Kitzbühel fliegen. Oder weshalb soll ich mich einschränken und mehr bezahlen um den bisherigen Klimawahnsinn von Taminique und CO zu beheben?