Gesetz gegen Gewalt

26. April 2016 10:24; Akt: 26.04.2016 10:24 Print

Die Ohrfeige für Kinder soll verboten werden

von B. Zanni - Politiker wollen mit einem Gesetz verhindern, dass Müttern und Vätern die Hand ausrutscht. Bürgerliche befürchten Strafen für Unschuldige.

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Kinder mit Gewalt zu bestrafen, ist in der Schweiz kein Tabu. In einer 20-Minuten-Umfrage von 2015 gibt die Hälfte der rund 2700 Eltern an, schon einmal einem Kind den Hintern versohlt oder eine Ohrfeige gegeben zu haben. Und eine repräsentative Studie der Universität Freiburg zeigt: über 40 Prozent der Kinder unter vier Jahren haben auf irgendeine Weise körperliche Bestrafung erfahren.

Umfrage
Soll im Gesetz das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung verankert werden?
20 %
75 %
5 %
Insgesamt 11013 Teilnehmer

Solche Erziehungsmassnahmen gehen der Stiftung Kinderschutz Schweiz zu weit. «Schläge von Eltern sind in der Schweiz in allen Gesellschaftsschichten immer noch weit verbreitet», sagt Catherine Moser, Leiterin des Geschäftsfelds Prävention. Sie rechnet mit einer hohen Dunkelziffer. Die Stiftung fordert deshalb, im Zivilgesetzbuch das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung zu verankern. Dahinter steckt vor allem eine präventive Absicht. «Eine solche Massnahme schafft Klarheit und wirkt als Appell an die Erziehenden.»

«Ohrfeigen können Gehörgang massiv schädigen»

Politiker begrüssen die Forderung. «Im 21. Jahrhundert sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Gewalt in der Erziehung nichts verloren hat», sagt CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer. Es gebe immer wieder Hilferufe von Ärzten, die auf eine hohe Dunkelziffer misshandelter Kinder aufmerksam machten. Auch für SP-Nationalrätin Chantal Galladé steht fest: «Erwachsene können auch bei Kindern nicht Mittel anwenden, die sie sonst verurteilen.» Sie warnt zudem vor körperlichen Folgen. «Ohrfeigen können den Gehörgang des Kindes massiv schädigen.»

Bestrafen wollen die Politikerinnen die fehlbaren Eltern nicht. Bussen würden das Wohl der Kinder nicht verbessern, sagt Galladé. «Eltern, die ihre Kinder schlagen, sollten stattdessen in einen Erziehungskurs geschickt werden.»

Politikerin erschrak über sich selbst

Bürgerliche Politiker stellen sich dagegen. SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler bezeichnet das Gesetz als «heikel». «Natürlich ist Gewalt kein Erziehungsmittel, aber ist ein Klaps auf den Hintern bereits strafbar?» Einst erschrak sie über sich selbst. «Ich gab meiner Tochter einen Klaps auf den Hintern und stiess sie weg.» Sie habe damit jedoch aus einem mütterlichen Instinkt gehandelt. «Ich wollte meinen jüngeren Sohn verteidigen, weil meine Tochter ihm ins Gesicht geschlagen hatte.»

Sie befürchtet, dass ein entsprechendes Gesetz Eltern zu Unrecht bestrafen würde. «Heute hat man genügend viele Strafartikel, um gewalttätige Eltern zur Rechenschaft zu ziehen und zu bestrafen.»

«Klaps ist nicht dasselbe wie grün und blau schlagen»

Auch FDP-Nationalrat Marcel Dobler ginge ein Gesetz zu weit. «Wird als Nächstes vorgeschrieben, wie viel Gewalt die Kinder im Fernsehen sehen dürfen?» Obwohl er Gewalt gegen Kinder verurteile, hätten die Eltern über die Erziehung zu entscheiden. «Es ist immer noch ein Unterschied, ob man seinem Kind einen Klaps gibt oder es grün und blau schlägt.»

Doch Catherine Moser warnt: Mit einem Klaps oder einer Ohrfeige riskierten Eltern bei den Kindern grosse psychische Beeinträchtigungen. «Körperstrafen stören die soziale, intellektuelle und emotionale Entwicklung und fördern aggressives Verhalten.» Das Kind könne ein beeinträchtigtes Selbstvertrauen entwickeln und das Vertrauen gegenüber den Eltern verlieren. Schläge seien zudem kein zielführendes Erziehungsmittel. «Wird ein Kind mit einer Ohrfeige bestraft, ändert es sein Verhalten nicht aus Einsicht, sondern aus Angst.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt L. am 26.04.2016 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Dankbar

    Ich bin für die wenige Ohrfeigen meiner Eltern sehr dankbar. Ihr habt keine Ahnung was ihr mit dieser Gesellschaft anstellt.

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  • Robi am 26.04.2016 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    War selber mal Kind.

    Natürlich befürworte ich nicht Gewalt gegen Kinder. Aber eine Ohrfeige sollte schon drinliegen. Hab genug andere Kinder in der Nachbarschaft erlebt die eine Gewaltfreie erziehung hinter sich haben. Diese Kinder lassen sich meist garnichts mehr sagen. Auch gegenüber den Eltern haben diese Kinder jeden Respekt verloren.

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  • GOSSIP am 26.04.2016 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... ändert das etwas???

    Einen Klapps zur richtigen Zeit (aber nicht ins Gesicht) hat noch keinem geschadet!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Art am 26.04.2016 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit

    Die Ohrfeige für Kinder soll und muss verboten werden. Genauso verboten, wie es für die Erwachsenen ist. Selbst Polizisten dürfen keine Ohrfeigen geben. Egal was für ein Seich gemacht wurde.

  • chrizzla am 26.04.2016 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    waaaas?

    ein klaps zur richtigen zeit hat noch nie geschadet!

  • Marian am 26.04.2016 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... und den Klaps auf den Po?

    ... und wie soll das kontrolliert werden? Wir können doch nicht Alles gesetzlich festhalten.

  • Guguus am 26.04.2016 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach!!

    und ich dachte es gäbe einen Unterschied zwischen einem leichten Watsch und einem brutalen Chlapf a Grind...?!

  • Nicoletta am 26.04.2016 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern haben es schwer.

    Gibt man dem Kind einen Klaps ist Mutter eine Rabenmutter. Gibt eine Mutter dem schreienden Kind das IPhone zur Beschäftigung ist sie eine Rabenmutter. Lässt die Mutter das Kind schreien und ignoriert es, ist sie eine Rabenmutter. Schreit und schimpft die Mutter auf das Kind ein, ist sie eine Rabenmutter. Na was denn jetzt? Ich hätte gerne eine Anleitung, damit ich weiß was rechtens ist wenn ich mal Mama werden sollte. Jede Familie hat ihre eigenen Ansichten was die Erziehung angeht und das ist auch gut so, sonst wären wir ja alle gleich gestrickt!