Zwei Tote nach Erdrutsch

16. November 2014 15:18; Akt: 16.11.2014 21:15 Print

Die Opfer lagen unter meterhohem Schutt

In der Nacht auf Sonntag verschüttete ein Erdrutsch einen Wohnblock in Davesco bei Lugano. Dabei wurden mindestens zwei Frauen getötet. Die Suche nach Vermissten läuft weiter.

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Eine Luftaufnahme zeigt die Überschwemmungen um den Lago Maggiore und die unter Wasser stehenden Ufergebiete in Tenero TI. In der Nacht auf den 16. November sind in Davesco TI zwei Frauen (34- und 38-jährig) bei einem Erdrutsch ums Leben gekommen. Der Erdrutsch ereignete sich laut Angaben der Tessiner Kantonspolizei gegen halb drei Uhr morgens. Die heftigen Regenfälle hatten einen Hügel einbrechen lassen, die Erdmassen rutschten auf das Haus. Marco Borradori, Stadtpräsident von Lugano, zeigt sich bestürzt. Renato Pizzolli, Pressesprecher der Tessiner Kantonspolizei, informiert die Medien. Medienkonferenz zum Erdrutsch am Sonntagnachmittag. Die Suchaktion in Davesco-Saragno dauerte am Sonntag an. Es seien rund 100 Retter von Polizei, Feuerwehr und Zivilschutz im Einsatz. Auch Suchhunde waren vor Ort. In dem dreistöckigen Haus wohnten nach Informationen der Polizei acht Menschen. Es war unklar, ob sich alle Bewohner zum Zeitpunkt des Unglücks im Haus befanden. Die Polizei sperrt in Davesco-Soragno nahe Lugano eine Strasse ab, nachdem sich am 16. November ein Erdrutsch ereignet hat. Teile des zerstörten Gebäudes. Einsatz in der Nacht: Der Erdrutsch hat um 2.30 Uhr die Kantonsstrasse und ein Wohnhaus in Davesco nahe Lugano verschüttet. Ein im Haus wohnhafter Italiener (44) wurde verletzt, ist aber ausser Lebensgefahr. Drei Menschen konnten gerettet werden, sie wurden nur leicht verletzt. Im Einsatz standen neben Dutzenden Rettern auch Suchhunde. Für die Betroffenen und ihre Nachbarn wurde ein Psychologenteam aufgeboten.

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Um 2.30 Uhr in der Nacht auf Sonntag löste sich ein Erdrutsch in Davesco-Soragno nahe Lugano und verschüttete ein dreistöckiges Wohnhaus und die Kantonsstrasse. Dies teilte die Tessiner Kantonspolizei am frühen Sonntagmorgen mit. Zum Unglück kam es laut dem zuständigen Geologen Urs Lüchinger, nachdem eine Stützmauer zusammenbrach, berichtet «tio.ch» von der Medienkonferenz am Sonntagnachmittag.

Geologe Lüchinger betonte, dass der Erdrutsch in Davesco-Soragno und das Unglück vor zehn Tagen nicht die gleiche Ursache haben. Während sich in Curio nach starkem Regen am Hang eine tödliche Schlammlawine gelöst hatte, ereignete sich die Tragödie vom Sonntag auch wegen der instabil gewordenen Mauer. «Es handelte sich um keinen gewöhnlichen Erdrutsch, der aus rein natürlichen Gründen herbeigeführt wurde», sagte Lüchinger.

Mindestens zwei Tote

Die Mauer oberhalb des zerstörten Gebäudes sei durch die starken Regenfälle instabil geworden und schliesslich den Hang hinunter gestürzt. Der Einsturz rief eine Art Kettenreaktion hervor. Die Mauer riss zusätzlich Schlamm und Geröll mit sich. Diese brachten dann das gesamte Gebäude am Hang zum Einsturz, wie Lüchinger weiter sagte. Etwa 500 bis 1000 Kubikmeter Schlamm, Geröll und Gebäudereste übersäten nun die Kantonsstrasse in dem Dorf.

Dabei wurden in dem Wohnhaus mindestens zwei Frauen (34- und 38-jährig) verschüttet. Sie konnten nur noch tot geborgen werden. Ein im Haus wohnhafter Italiener (44) wurde lebensgefährlich verletzt. Der Mann habe rund drei Meter tief unter Trümmern gelegen.

Suche nach Vermissten geht weiter

Drei Personen, die sich am Ort des Erdrutsches befanden, sind in Sicherheit. Sie wurden mit leichten Verletzungen ins Spital gebracht. Eine vierte Person blieb unverletzt. Zwei Familien aus der Nachbarschaft wurden aus Sicherheitsgründen evakuiert und vorübergehend in einer Zivilschutzanlage untergebracht.

Eine unbekannte Zahl von Anwohnern wurde laut der Polizei nach dem Unglück in dem Ort Davesco nahe Lugano noch vermisst. Rettungskräfte waren vor Ort und suchten nach weiteren Verschütteten.

Luganos Bürgermeister Marco Borradori sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er erklärte, seit dem anhaltenden Niederschlag kontrolliere man Erdrutsch-gefährdete Gebiete regelmässig auf deren Sicherheit. Das betroffene Haus habe aber nicht im Risikogebiet gestanden.

Betroffene sind sprachlos

«Da ist nur Schmerz», sagt einer der Besitzer des Hauses, das am Sonntagmorgen mitgerissen wurde, zu «tio.ch».

Im Erdgeschoss des Gebäudes waren Firmen-Büros untergebracht, die komplett zerstört wurden. Der Inhaber kann die Tragödie noch kaum glauben: «Wäre es nicht am Wochenende passiert, wäre ich auch im Haus gewesen.»

Suchhunde im Einsatz

Neben Polizei und Feuerwehr waren auch Teams mit Spürhunden und Zivilschützer vor Ort. Insgesamt waren 140 Personen involviert. Die Kantonsstrasse nach Davesco ist gesperrt. Der Kantonsgeologe hatte die Sicherheitslage in der Zone, in der der Erdrutsch niedergegangen ist, geprüft, bevor die Suche nach den Vermissten fortgesetzt wurde. Für die Betroffenen und ihre Nachbarn wurde ein Care-Team aufgeboten.

Einschränkungen im Bahnverkehr

Auch im grenzüberschreitenden Bahnverkehr zwischen dem Tessin und Norditalien kam es zu Problemen. Auf der wichtigen Nord-Süd-Achse zwischen Zürich und Mailand kommt es ab Chiasso TI auf unbestimmte Zeit zu Verspätungen und Zugausfällen. Weitere Informationen zur aktuellen Lage auf den Schienen finden Sie hier.

Verbreitet waren im Tessin innert 24 Stunden 50 bis 70 Millimeter Regen gefallen, wie Ludwig Zgraggen, Meteorologe bei Meteo Schweiz, am Samstagabend auf Anfrage sagte. Der Pegel des Lago Maggiore in Locarno stieg auf 196,19 Meter – das sind fast drei Meter über dem Jahresdurchschnitt. Beim Hochwasser gilt sowohl für den Lago Maggiore als auch den Luganersee die höchste Gefahrenstufe 5.

Haus in Chiasso evakuiert

Im Südtessin kam es bereits am Samstagabend zu mehreren Erdrutschen. Nahe Lugano beschädigten die Erdmassen ein Haus, und bei Chiasso wurden Bewohner evakuiert. Vergangene Woche waren eine Frau und deren dreijährige Tochter bei einem Erdrutsch im Malcantone ums Leben gekommen.

(lüs/sda)