Bauern reagieren

20. Juni 2019 04:41; Akt: 20.06.2019 06:12 Print

Die Pestizid-Initiativen sind schon wirksam

von P. Michel/ D. Krähenbühl - Der Druck der Pestizid-Initiativen zeigt bei Bauern, Bund und Industrie bereits Wirkung. Die Branche will den Pestizid-Verbrauch senken.

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«Tödliches Gift» oder «Pflanzenschutzmittel»? Über den Einsatz von Pestiziden in der Schweizer Landwirtschaft wird derzeit heftig gestritten. Während die Trinkwasser- und die Pestizid-Verbote im Nationalrat heute Morgen debattiert werden, ist klar: Die Volksbegehren aus den Bürgerkollektiven zeigen bereits Wirkung. Zum einen hat das Bundesamt für Landwirtschaft kürzlich die Pestizide Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl aus der Zulassungsliste gestrichen. Die Mittel gehören bis heute zu den am häufigsten eingesetzten Insektiziden, obwohl ihr Einsatz umstritten ist. Der Druck der beiden Pestizid-Initiativen zeige auch bei Bauern und in der Forschung grosse Wirkung, sagt Andreas Bossard, Geschäftsleiter der Stiftung Vision Landwirtschaft. Es gebe kaum eine Versammlung von Bauern mehr, bei der der Pestizid-Einsatz nicht leidenschaftlich diskutiert werde. «Viele überdenken, was für Gift sie ausbringen, verwenden Alternativen oder steigen gar auf bio um.» Auch die Forschung habe auf den Druck reagiert und den Fokus geändert, stellt Bosshard fest. «Während es früher darum ging, noch wirksamere Produkte zu entwickeln, steht jetzt endlich die Erforschung von Alternativprodukten im Fokus», sagt Bosshard. Auch die Produzenten können den Handlungsbedarf nicht mehr ignorieren. So haben sich verschiedene Produzenten und Händler im Januar 2019 zur «IG Zukunft Pflanzenschutz» zusammengeschlossen. Sie will bis 2030 Alternativen zu den umstrittensten Pflanzenschutzmitteln entwickeln und dafür die Investitionen verdoppeln – auch aus Angst vor Verboten. . «Es muss etwas passieren, aber nicht mit «weltfremden» Initiativen», findet Präsident Christian Schönbächler. Die Initiativen sind ihm zu radikal. «Die Bauern sprühen Pflanzenschutzmittel nicht, weil sie Spass daran haben.»

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Über den Einsatz von Pestiziden in der Schweizer Landwirtschaft wird heftig gestritten: Für die einen sind es «tödliche Gifte», für die anderen «Pflanzenschutzmittel», die die Lebensmittelversorgung sicherstellen. Während die Trinkwasser- und die Pestizid-Initiative im Nationalrat heute Morgen debattiert werden, ist klar: Die Volksbegehren aus den Bürgerkollektiven zeigen bereits Wirkung.

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Reichen die Massnahmen der Bauern, Forschung und Industrie aus?

Zum einen hat das Bundesamt für Landwirtschaft kürzlich die Pestizide Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl aus der Zulassungsliste gestrichen. Die Mittel gehören bis heute zu den am häufigsten eingesetzten Insektiziden, obwohl ihr Einsatz umstritten ist.

Mehrere Studien – unter anderem von den Universitäten Harvard und Berkeley – wiesen nach, dass der Einsatz des Gifts bei Embryonen zu Entwicklungsstörungen und Hirnschäden führen kann. Zudem seien die Produkte extrem giftig für Insekten, Vögel und Wassertiere, warnen die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF. Sie begrüssen den Schritt (siehe Box).

Bauern setzen auf Alternativen

Der Druck der beiden Pestizid-Initiativen zeige auch bei Bauern und in der Forschung grosse Wirkung, sagt Andreas Bossard, Geschäftsleiter der Stiftung Vision Landwirtschaft. Es gebe kaum eine Versammlung von Bauern mehr, bei der der Pestizid-Einsatz nicht leidenschaftlich diskutiert werde.

«Viele überdenken, was für Gift sie ausbringen, verwenden Alternativen oder steigen gar auf Bio um.» So habe etwa der Verband IP-Suisse dieses Jahr ein Projekt initiiert, in dem pestizidfrei Getreide angebaut werde. Und im Thurgau hätten Bauern 2019 erstmals den Versuch gestartet, den Pestizideinsatz im Obstbau zu reduzieren.

Auch die Forschung habe auf den Druck reagiert und den Fokus geändert, stellt Bosshard fest. «Während es früher vor allem darum ging, die Auswirkungen der Pestizide auf Mensch und Umwelt noch besser zu untersuchen, steht jetzt endlich die Erforschung von Alternativen zum Pestizideinsatz im Fokus», sagt Bosshard. Wichtig sei, dass der Sinneswandel nach der Abstimmung auch im Fall einer Ablehnung anhalte. «Ansonsten wird die Landwirtschaft rasch wieder in die alte Sorglosigkeit im Umgang mit Pestiziden zurückfallen.»

Verdoppelung der Investitionen

Auch bei den Produzenten hat das Thema höchste Priorität. So haben sich verschiedene Produzenten-, Verarbeiter- und Konsumentenorganisationen im Januar 2019 hektisch zur «IG Zukunft Pflanzenschutz» zusammengeschlossen. Sie will bis 2030 nachhaltige Alternativen zu den umstrittensten Pflanzenschutzmitteln entwickeln und dafür die Investitionen verdoppeln – auch aus Angst vor Verboten.

«Es muss etwas passieren, aber nicht mit ‹weltfremden› Initiativen», findet Geschäftsführer Christian Schönbächler. Die Initiativen sind ihm zu radikal. «Die Produzenten benutzen Pflanzenschutzmittel nicht, weil sie Spass daran haben», sagt Schönbächler. Seit 2018 teste man Pflanzenschutzroboter, durch die man bei Kopfsalaten 85 Prozent an Pflanzenschutzmitteln einsparen könne. Ebenfalls setze man vermehrt auf Nützlinge und baue resistente Sorten an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Findnicht am 20.06.2019 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist höchste Zeit

    Pestizide und sonstige Schädlingsbekämpfungsmittel sind die Hauptursache für das Artensterben in unserem Land. Stichproben ergaben, dass sie sogar via Luft, Wind und Wasser die offen liegenden Biofelder verseuchen. Im Gegensatz zum Klimawandel kann man hier schnell und wirksam etwas dagegen tun.

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  • Chrigu am 20.06.2019 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pestizidverbot

    Ich bin mit Leib und Seele Bauer. Möchte euch kurz mein Hauptproblem erläutern. Ich bin voll und ganz für ein Verbot der Pestizide. Bin aber darauf angewiesen dass ich auch Produkte welche weniger schön aussehen verkaufen kann. Ich stelle in meinem Hofladen fest, dass zum Beispiel die seit Jahren ungespritzen Äpfel kaum Absatz finden, da diese im Erscheinungsbild nicht so toll sind wie dijenigen im Supermarkt. Es wird viel geredet, aber Qualität ist ein weiter Begriff. Und 90 Prozent der Konsumenten schauen einfach auf das Aussehen des Produkts. Ihr Konsumenten habt es selber in der Hand. Gruss Chrigu

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  • Planetbuster am 20.06.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das reicht nicht!

    Ein Verbot muss her, desto schneller, desto besser!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Monika 83 am 28.06.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Es schadet allen - und wie!!!

    Ich habe jahrelang im Keller unter meiner Wohnung gelagertes Pestizid von dem ich nicht wusste das es offen da war abbekommen. Heute gibt es kaum was, wogegen ich nicht allergisch bin!! Das wünsche ich keinem! Diese ganze Pestizid-Debatte wird immens verharmlost und es stehen dem auch Wirtschaftsinteressen entgegen (soweit ich weiss alles in US- und Chinesischer Hand - zahlen die überhaupt Steuern bei uns?) So ändert sich nie was!! Aber letztendlich kriegen unsere Nachfahren einfach keine Kinder mehr und alles erledigt sich von selbst..

  • Ida am 24.06.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch Gift

    Alles was aus dem Ausland kommt , traue ich nicht Tee wird so eingesprüht und bei uns als Gesund verkauft , alles wird so vergiftet und wir lassen das in die Schweiz einfliegen , da wird nichts gemacht , aber Geld regiert die Welt .

  • Anna am 24.06.2019 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Bio

    Mit so viel Gift glaub ich schon nicht das es gute Weine gibt , auch bei Früchten und Gemüse das gleiche . Nur abzocken und alles als Bio verkaufen . Echt einen Betrug . Wie wärs mit weniger Gewinn aber ohne Gift .

  • seher am 23.06.2019 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser heisst Leben

    Interpellation NR Moser 22.3.19 Wie viele stark humantoxische (für Menschen giftige) Pestizide sind in der Schweiz zugelassen? Antwort Bundesrat vom 29.5.2019 Aktuell sind in der Schweiz ein mutagener Wirkstoff der Kategorie 2, 25 karzinogene Wirkstoffe der Kategorie 2 und 18 reprotoxische Wirkstoffe der Kategorie 2 genehmigt. Auf Deutsch: 1 Erbgutverändernder, 25 krebserregende und 18 Gifte die Fehlbildungen beim Embryo verursachen sind zugelassen. Zum Glück haben wir noch Frauen denen Leben vor Geld geht, der Rest hat meine ganze Verachtung.

  • Aldointernationale am 23.06.2019 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Deklaration der verwendeten Pestizide

    Der Konsument greift zu optisch schönerem Gemüse, weil er die Wahl hat. Aber Optik ist nicht gleich Qualität. Vielleicht sollte man statt der Herkunft die Belastung des Gemüses deklarieren. Dieses Gemüse wurde drei mal mit .... gespritzt, der Boden mit ..... behandelt. Guten Appetit!