Game-Hype

14. Juli 2016 05:49; Akt: 14.07.2016 10:17 Print

Die Pokémon-Jagd machte mich fast zum Spanner

20-Minuten-Redaktor Nikolai Thelitz rennt in ganz Zürich herum, um wilde Pokémon zu fangen und sich im Kampf zu messen – und ist begeistert.

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In den letzten Tagen habe ich das Spiel «Pokémon Go» für mich entdeckt. Mit meinem Handy laufe ich durch Zürich und komme mir dabei manchmal ziemlich doof vor. Gleich geht es auf zu meinem ersten Arena-Kampf, doch alles der Reihe nach. Am Sonntagmorgen höre ich von dem neuen Spiel und installiere gleich die App. Nun geht es auf zum Pokémonfangen. Gleich vor meiner Haustür grüsst mich mein erster Begleiter: ein Glumanda. Ich greife zum Pokéball und fange die Feuer-Echse. Bei meinem ersten Jagd-Trip geht mir mir dann ein dickes Traumato ins Netz. Im Irchelpark gelingt es mir, ein Evoli zu fangen. Dieses wilde Rattikarl erweist sich als harter Brocken, doch nach 10 Pokébällen ist auch das Nager-Pokémon mein. Es wird sich dank seiner Stärke im Kampf beweisen dürfen. Um ein Zubat zu fangen, muss man hingegen nicht mal aufstehen. Das Fledermaus-Pokémon ist wie schon in den Höhlen der Roten und Blauen Edition eine wahre Plage. Mit Freunden will ich den heissen Sonntag in der Badi geniessen. Auch hier warten wilde Pokémon wie dieses Enton auf mich. Dieser Herr schaute mich ziemlich komisch an, weil ich beim Fang des Habitaks mein Handy auf ihn gerichtet hatte. Das war mir ziemlich peinlich, also steckte ich mein Smartphone schnell wieder ein. Doch dieses Problem lässt sich lösen. Oben rechts auf den AR-Knopf gedrückt, finden wir uns statt im «20 Minuten»-Newsroom... ...in einer Waldlichtung wieder. Das Handy kann wieder unauffällig gehalten werden. Doch mit Kamera an ist es definitiv lustiger. Während die meisten Redaktoren beim Mittagessen sind, traut sich auch dieses Quapsel in den Newsroom. Ich werfe einen Pokéball... ...und schnappe mir das Kaulquappen-Pokémon. Nun geht es auf zu meinem ersten Arena-Kampf. Auf dem Weg dorthin läuft mir ein wildes Dratini über den Weg, ein Drachen-Pokémon. Ich werfe auch hier einen Ball... ...und darf das Dratini bald schon in mein Team aufnehmen. Der Fang bringt mir einen Levelaufstieg und viele Gegenstände ein. Doch nun zum Arena-Kampf. Ich wähle eine freundliche Arena meines eigenen Teams. Habe ich Erfolg, steigt das Prestige der Arena. Die Arenen sind an reale Objekte geknüpft, hier an diesen Brunnen. Los gehts, nun heisst es Rattikarl gegen Smettbo. Leider verliere ich sang- und klanglos. Aus Erfahrungspunkten oder Prestige wird deshalb leider nichts. Trotzdem: Das Spiel hat mich definitiv in seinen Bann gezogen.

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Ein Handy-Game macht die Welt verrückt: Seit rund einer Woche ist das Spiel «Pokémon Go» in den USA, Australien und Ozeanien auf den Markt und macht seither Schlagzeilen: Das Spiel ist so beliebt, dass es für einen markanten Kursanstieg der Aktie von Macher Nintendo sorgte. Das Spielprinzip ist einfach: Der Spieler muss sich in der realen Welt bewegen, um auf dem Handybildschirm kleine Monster, die sogenannten «Pokémon», zu finden und zu fangen. Mit diesen kann man nachher um die Vorherrschaft von Orten kämpfen, die im Spiel «Arenas» heissen. Die Monster werden dabei in die Welt eingebettet, die man gerade vor seiner Smartphone-Kamera hat. So sieht es aus, als würden die Pokémon in der realen Welt auftauchen.

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Bereits in den 90er-Jahren sorgten die Pokémon für Aufsehen, weil die Gameboy-Spiele der Serie Verkaufsrekorde brachen. Weil auch ich als kleiner Junge hunderte von Stunden mit den Spielen verbrachte und mir wünschte, auch in der realen Welt auf Pokémon-Jagd gehen zu können, installiere ich mir das Spiel über Umwege (siehe Box). Seither lassen mich die Pokémon nicht mehr los, auch wenn das Spiel noch einige Tücken bereithält.

Verbesserte Realität

Meine Jagd beginnt am Sonntagmorgen. Gleich bei Start der App grüssen mich vor meiner Haustür drei alte Bekannte: das Pflanzenpokémon Bisasam, die Feuer-Echse Glumanda und die Wasser-Schildkröte Schiggy. Aus Nostalgie entscheide ich mich für Glumanda, das mich schon auf dem Gameboy durch die «rote Edition» begleitete und als majestätischer Flugsaurier Glurak den Endgegnern die Hölle heiss machte.

Der Unterschied zu früher: Glumanda ist kein Pixelbrei auf einem Schwarz-Weiss-Bildschirm, sondern versteckt sich in einem Busch neben der Strasse vor meinem Haus, zumindest auf meinem iPhone, das die Kameraaufnahmen mit Pokémon und einem Interface ergänzt. Das Konzept nennt sich im Fachjargon «augmented reality», also erweiterte oder verbesserte Realität. Schnell schnappe ich mir einen Pokéball und fange damit das Glumanda ein.

Auf Pokémon-Jagd

Mit meinem ersten Begleiter mache ich mich nach dem Frühstück auf die Suche nach weiteren wilden Monstern und wähle dafür den nahe gelegenen Irchelpark aus: Hier gibt es Wald- und Wassergebiete, sodass ich auf massenweise Pokémon treffen sollte. Bereits auf dem Weg dorthin überraschten mich wilde Taubsis (Tauben-Pokémon) und Zubats (Fledermaus-Pokémon), die es schon in den Gameboy-Spielen zuhauf gab und einem auch in der Smartphone-Adaption bald auf den Geist gehen.

Aber ich finde auch ein dickes Traumato, ein Pokémon mit übersinnlichen Psycho-Kräften. Ich schnappe mir das Monster, doch anders als im Gameboy-Spiel muss ich mir keinen Kampf liefern, um es zu schwächen, sondern mit dem Pokéball genau treffen. Nach ein paar Würfen zählt auch das Traumato zu meinem Team.

Von der Pokémon-Jagd völlig vereinnahmt

Im Irchelpark trainieren zwei junge Männer bei einem Gerüst. Dieses wird mir in der App als Poké-Stop angezeigt, bei dem ich Gegenstände wie Pokébälle und Heiltränke einsammeln kann. Ich versuche, möglichst unauffällig einen Halt in der Nähe einzulegen. Als ich wenig später ein wildes Evoli, das einem Marderhund nachempfunden ist, zu Gesicht bekomme, kann ich mich vor Begeisterung kaum halten, denn dieses flauschige Geschöpf kann sich in drei Richtungen entwickeln.

Eine Joggerin schaut mich komisch an. Da merke ich: Ich habe schon eine halbe Stunde im schönsten Sonnenschein im lauschigen Irchelpark verbracht und dabei nur auf mein Smartphone gestarrt und es in alle Richtungen gehalten, um Pokémon zu schnappen. Das Spiel hat mich mit seinem Sammelprinzip schon wieder völlig in seinen Bann gezogen, und die reale Umgebung macht das Spiel noch faszinierender. Ich kann es kaum erwarten, andere Stadtteile nach Pokémon abzusuchen.

Ich fühle mich in der Badi wie ein Spanner

Ich gehe wieder nach Hause, um meine Sachen für die Badi parat zu machen, und berichte meinen Freunden begeistert von meinen Erfahrungen. «Geil, ich will auch!», sagt einer und will sich das Spiel herunterladen, sobald es in den Schweiz kommt. «Das wird so Hammer, welches ist dein Start-Pokémon? Bisasam?» Zwei andere holen sich die App auf Umwegen und schicken dann später Bilder von wilden Zubats auf dem Parkplatz.

Wir wollen am Oberen Letten baden gehen, und da es dort oft nach Mittag keinen Platz mehr hat, melde ich mich, um früher zu gehen und ein paar Plätze freizuhalten. Mein Hintergedanke: An der Limmat auf die Jagd nach Wasser-Pokémon zu gehen. Und tatsächlich: Kaum bin ich dort, springt mich ein wildes Enton (Enten-Pokémon) an. Als ich wenig später ein wildes Habitak fangen will, kommen mir Badegäste entgegen. Wieder schräge Blicke, dieses Mal von einem männlichen Badegast. Ich fühle mich wie ein Spanner, weil ich das Handy quasi auf ihn gerichtet habe. Trotzdem fange ich das Vogel-Pokémon, doch anschliessend stecke ich das iPhone schnell wieder ein und mache mich auf die Suche nach einem freien Platz. Auch als wir am Abend den EM-Finale schauen gehen, kann ich es nicht lassen, mir auf dem Weg dorthin ein paar wilde Pokémon zu schnappen.

Der erlösende «AR»-Knopf

Am nächsten Tag habe ich ein Ziel: Ich will Level 5 erreichen, um in der Arena trainieren zu können. Als mir vom Heimweg von der Arbeit an der Tramhaltestelle ein wildes Pokémon über den Weg läuft, zücke ich mein Handy und fange es ein. Das gibt mir weitere Erfahrungspunkte, bald kommt der Level-up. Eine alte Frau stellt sich neben mich und schaut mir über die Schulter.

Ich komme mir endgültig saudoof vor und suche in der App nach einer Möglichkeit, die Kamerafunktion zu deaktivieren. Und tatsächlich finde ich den AR-Knopf oben rechts, mit dem die reale Umgebung durch eine digitale Welt ersetzt wird. Erleichtert halte ich mein Smartphone unauffälliger und kann nun auch im Tram ohne Hemmungen auf Pokémon-Jagd gehen.

Desaster in der Arena

Wenig später habe ich Level 5 erreicht und darf ein Team wählen, die Auswahl besteht zwischen Team Intuition, Team Weisheit und Team Wagemut, ich entscheide mich das letzte. Nun darf ich endlich in die Arena, um meine Pokémon im Kampf zu erproben. Ich füttere mein stärkstes Pokémon, ein Rattikarl (Ratten-Pokémon), das nur äusserst schwierig zu fangen war, mit Sternenstaub und Bonbons, damit es stärker wird. Doch die Arenen sind gut besetzt, die Pokémon dort viel zu stark für mich.

Zwei Tage später entdecke ich neben meinem Arbeitsplatz aber eine Arena, in der ich zumindest eine Chance haben sollte. Das Gegnerische Smettbo (Schmetterlings-Pokémon) hat 210 Kraftpunkte, mein Rattikarl 180. Mein erster Kampf wird zum Desaster, vor lauter Angriffslust vergesse ich, dem feindlichen Smettbo auszuweichen. Mein Rattikarl liegt innert Rekordzeit auf der Matte und ich breche die Übung ab. Trotzdem hat mir der Kampf um die Arena einen Adrenalinschub verpasst, und ich plane bereits die beste Strategie für meinen nächsten Kampf. Es liegt wohl noch ein weiter Weg bis zum Arenaleiter vor mir. Das Pokémon-Fieber hat dennoch voll und ganz von mir Besitz ergriffen.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John am 14.07.2016 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super aber..

    Eigentlich wollte ich bis zum Schweizer release warten. Da ich aber gestern sah das es nun auch in Deutschland verfügbar ist hat es mir gereicht und ich hab dann eine Deutsche Apple ID erstellt. Das Spiel macht echt Spass aber es kann doch nicht sein das man hier immer ewig auf etwas warten muss. Ich befürchte fast wer nicht den Umweg über eine ausländische Apple ID macht oder sich die apk Datei bei Andriod holt, wird noch eine ganze Weile warten müssen.

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  • Gary am 14.07.2016 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zürich HB

    Man muss sich nicht böd dabei vorkommen einfach mal an den Zürich HB und beobachten wie 30 leuti bei den Pokestops mit Lokmodul sitzen :) so kommt man schnell ins Gespräch.

  • Skeptiker am 14.07.2016 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefährlich?

    Spielen ist ja ok, aber so wie ich im Beitrag von Srf gesehen habe sind die Pokémon überall anzutreffen. Auch an unpassenden und event. gefährlichen stellen. Bitte korrigiert mich wenn ich falsch liege. Denke da nur an Kinder welche dann unbedacht auf die Strasse rennen oder ähnlichem. Ansonsten sicher eine gute Idee.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Figaro am 15.07.2016 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Kreativität

    Was bringt das ständige nur konsumieren. Klar es braucht weniger Gehirnzellen auf ein Handy zu starren und zu schauen was einem dargeboten wird. Ich habe mit meiner Tochter einen Trailer produziert mit Drehbuch und allem drum und dran. Hat super Spass gemacht und wir können uns richtig steigern, sozusagen Level um Level. Völlig unfallfrei, und es stärkt das Selbstwertgefühl ungemein. Jedem das seine.... Wir sind kreativ!

  • Claudia am 14.07.2016 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfälle...

    ...ich warte ja nur drauf, bis der erste vors Auto läuft weil er die reale Welt gar nicht me sieht. Das hat nichts mit Spassbremse zu tun. Eher mit gesundem Menschenverstand... Aber auch der ist leider sehr zurückgegangen.....

    • mit klinge am 15.07.2016 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      baby

      also wer die reelle welt vergisst, dem soll auch kein handy in die hand gedrückt werden.

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  • Oliver am 14.07.2016 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    na toll

    noch mehr abgeschaltete, display-starrende Smartphone-zombies ;-)

  • Pikachu am 14.07.2016 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst uns unser Pokemon!

    Wieso gibt es immer diese Spassbremsen, die alles lustige verteufeln müssen?

    • dr maastrich am 14.07.2016 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pikachu

      pokemon sollte mann auf dem gameboy geniessen mehr nicht ! alles ältere ist besser als das neue...

    • pokéghurl am 15.07.2016 16:51 Report Diesen Beitrag melden

      Pokemmo als alternative

      Das pokemmo ist auch interaktiv, gespielt wird es auf dem Pc und es ist Fan-Based. Cool ist, dass es ständig aktualisiert und erweitert wird, kann es nur empfehlen. Es spielen schon sehr viele, es hat chats, und eine Börse, viele Accessoirs und shiny Pokemon.

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  • Yoshi2000 am 14.07.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Ich bin nicht so der Gamer. Doch das Spiel habe ich heute installiert und muss sagen, wirklich witzig.

    • zolli am 15.07.2016 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      beeindruckender enkel

      ja sogar meine grosmutter (80 unds seit 5 jahren ein smartphone) will es wissen. ich vermute sie ist die arenaleiterin vom oerlikerpark.

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