Ex-Mitarbeiter klagt an

05. Juli 2019 09:55; Akt: 05.07.2019 09:55 Print

Die Post soll Angestellte bespitzelt haben

Ein ehemaliger Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Schweizerische Post. Er sagt, er und weitere Angestellte seien überwacht worden.

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Skandal bei der Schweizerischen Post: Das Unternehmen soll seine Mitarbeiter bespitzelt haben. Neben dem Aushorchen des Personals gehörte auch das Abhören der Telefonate dazu. Wie der «Blick» schreibt, hat das Ganze der ehemalige Post-Mitarbeiter und Teamleiter Hans Tanner aufgedeckt. Zwei Post-Mitarbeiter standen am Donnerstag deswegen vor dem Kantonsgericht Schaffhausen.

Der Vorwurf: Die Computersoftware, mit der Kundengespräche «zwecks Qualitätsverbesserung» aufgezeichnet werden können, soll auch interne Telefongespräche der Post-Mitarbeiter aufgenommen haben. Wenn sich zum Beispiel bei Tanner ein Mitarbeiter krank meldete, wurde das Telefonat aufgezeichnet, so der Vorwurf des 50-Jährigen.

«Stillschweigend zugestimmt»

Auch die Schaffhauser Staatsanwaltschaft bezeichnete das Vorgehen als «illegal». Tanners Vorgesetzte hätten mehrfach «ein fremdes, nicht öffentliches Gespräch ohne die Einwilligung aller daran Beteiligten auf einen Tonträger aufgenommen, ausgewertet und Dritten zugänglich gemacht».

Das Kantonsgericht Schaffhausen sah das anders und sprach die Beschuldigten frei. Der Grund: Tanner habe gewusst, dass die Gespräche aufgezeichnet werden könnten. Laut der Einzelrichterin hätte er so «stillschweigend zugestimmt». Das sieht der ehemalige Teamleiter anders. Wie er sagt, habe er sich mehrfach über die Praxis beschwert. Tanner ist sich sicher, dass nicht nur er bespitzelt wurde. Er prüft nun die Möglichkeit, das Urteil anzufechten und die Klagen auf weitere Kader auszuweiten.

Post weist Vorwürfe zurück

Die Post hingegen weist den Vorwurf klar zurück: «Es gab keinen Post-Lauschangriff.» Laut Sprecherin Masha Foursova werde die Software seit 2017 nicht mehr eingesetzt. «Neu übernehmen die Kunden die Bewertung der Post-Mitarbeitenden», sagt sie. «Dass der ausgehende Anruf aufgezeichnet wurde, entsprach nicht dem Willen der Post.»

Die Unterlagen, die dem «Blick» vorliegen, zeichnen ein anderes Bild. Sie zeigen, dass sich die Post durchaus bewusst war, nicht richtig gehandelt zu haben. In einem Brief richtet sich die Konzernleitung im Oktober 2013 direkt an Tanner: «Nach Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung wurden die nötigen Massnahmen getroffen. Die entsprechenden Systeme wurden komplett neu aufgesetzt, damit keine unerlaubten Aufzeichnungen von Gesprächen mehr erfolgen.»

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger Benz am 05.07.2019 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Es ist unglaublich. Früher waren die Arbeitgeber noch menschlich. Heute werden wir wie Roboter behandelt, fast in jeder Branche. Ob dies mit der Automatisierung oder mit der Personenfreizügigkeit zu tun hat, lassen wir mal offen. Es ist aber schade mitanzusehen, was aus unserer Gesellschaft wird.

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  • Pascal Keller am 05.07.2019 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überwachung

    tja... die Post als Überwachungskonzern. sowas gefällt natürlich dem Staat und den Gerichten. man weiss ja genau wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird.

  • Inkgonito Spastiko am 05.07.2019 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    thats it

    Liebe Menschen mit entzogner intelligenz. ich habe soeben einen ziehen lassen, der junge mann von der CIA und NSA musste sogar wegen der lautstärke den kopfhörer abziehen. wir werden seit jahren dank smartphones überwacht und abgehört. hört doch auf zu meinen, dass wir noch privatssphäre haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Antonio am 05.07.2019 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Espionage

    Ja, da isst doch irgendwo der Hunt drin bei der Post. Nur noch Espionage. Pfui.

  • TH am 05.07.2019 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langfinger in der Post

    Nachdem ich mehrfach von Paketdiebstählen in den Poststellen erfahren und auch erlebt habe, macht es wohl durchaus Sinn, einigen auf die Finger zu schauen. Von nichts kommt nichts...

  • Bekanntes Geheimnis am 05.07.2019 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Millionen durch getürkte Ausschreibungen

    Post ist genau wie SBB und SRG. Verschwenden Millionen in IT, arbeiten ineffizient und kümmern sich nicht darum, weil es nicht ihr Geld ist. Jemand sollte dringend aufräumen, aber wer?

  • Regina am 05.07.2019 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pistinterne Romanzen

    Schade wurde mein Ex-Mann nie abgehört, beim Geglüster mit seiner Romanze! Beide Postangestellte...

  • Mensch am 05.07.2019 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausspioniert sind wir schon längst!

    Die Schweiz in die ich hineingeboren bin,die Schweiz gibt es längst nicht mehr!Einigen ist das auch aufgefallen....verraten, verkauft !