5-Punkte-Plan

17. August 2018 19:30; Akt: 17.08.2018 20:34 Print

SP geht nach Gewalt gegen Frauen auf Männer los

von Julia Käser - Die Gewaltattacke gegen Frauen in Genf ist laut der SP nichts weiter als «die Spitze eines Eisbergs». Die Schweiz habe ein Problem mit Männergewalt und müsse handeln.

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Der brutale Angriff einer Gruppe Männer auf fünf Frauen in Genf hat die ganze Schweiz erschüttert und die Debatte um Gewalt an Frauen neu entfacht.

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An einer Pressekonferenz am Freitagmorgen haben die Vizepräsidentinnen der SP und die Co-Präsidentin der SP Frauen nun einen 5-Punkte-Plan präsentiert, mit dem sie Gewalt gegen Frauen verhindern wollen.

93 Prozent aller schweren Gewalttaten gehen von Männern aus

Schwere Gewalttaten würden in der Schweiz zu 93 Prozent von Männern begangen, Vergewaltigungen sogar zu 99,6 Prozent, sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello: «Wir haben ein Problem mit geschlechterspezifischer Gewalt in diesem Land.» Die Schweiz habe eine nationale Strategie gegen Littering und eine gegen Hooligans, ein Plan gegen Gewalt an Frauen aber fehle und sei längst überfällig, so SP-Vizepräsidentin Marina Carobbio.

Als Erstes fordert die SP den Bund dazu auf, eine Präventionskampagne mit dem Titel «Nein ist Nein» zu lancieren. Häufig würden Männer das «Nein» einer Frau als sportliche oder romantische Herausforderung abtun. Das bilde einen Nährboden für Belästigungen und Gewalt, sagt Ständerätin Géraldine Savary. Die Präventionskampagnen sollen laut der SP vor allem in Schulen stattfinden und den Bereich der häuslichen Gewalt ausführlich thematisieren.

Verwirklichung der Gleichstellung von Mann und Frau

Als Zweites und Drittes will die SP das Beratungs- und Therapieangebot sowie die Frauenhäuser stärken. «Zurzeit gibt es 300 Betten in Frauenhäusern, wir gehen davon aus, dass es mindestens 750 braucht», sagt Savary. Die Ressourcen der Frauenhäuser müssten aufgestockt und die Finanzierung vereinheitlicht werden. Dasselbe gelte für Therapieangebote. Ein schweizweit leicht zugängliches Beratungsnetz müsse ausgebaut werden.

Weiter soll eine unabhängige Beobachtungsstelle geschaffen werden, damit umfassende Statistiken zur Thematik erhoben werden können. Schliesslich ruft die SP dazu auf, gleichstellungspolitische Massnahmen umzusetzen. «Die Verwirklichung der rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft ist ein wichtiges Element der Verhütung von Gewalt an Frauen», so Savary.

«Frage nach Migrationshintergrund ist deplatziert»

«Primär hat die Gewalt ein Geschlecht und erst dann eine Nationalität», sagt Nationalrätin Barbara Gysi. Die ethnisch aufgeheizte Debatte entstehe vorwiegend in SVP-Kreisen. Sie werde also von denselben Personen aufgebauscht, die sich immer wieder zynisch über Gewaltopfer geäussert hätten. Auch wenn Männer mit Migrationshintergrund statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko hätten, zum Gewalttäter gegen Frauen zu werden, handle es sich nicht um ein Migrationsproblem.

«Frauen werden nicht als Individuen angegriffen, sondern weil sie Frauen sind», sagt Funiciello. Das eigentliche Problem sei also die strukturelle Diskriminierung. Unsere Gesellschaft werde von einer «toxischen Männlichkeit» geprägt. Das Problem müsse deshalb gemeinsam als Gesellschaft angegangen werden.

«Das Problem beginnt an der Grenze»

«Dieser 5-Punkte-Plan ist ein Hohn gegenüber den weiblichen Gewaltopfern», sagt SVP-Nationalrat Mauro Tuena. Dieses Problem könne nicht mit zusätzlichen Plätzen in Frauenhäusern oder staatlichen Beratungsstellen gelöst werden, da es viel früher beginne – nämlich an der Grenze. Die Fakten der Polizei-Statistik könnten nicht totgeschwiegen werden: Die ganz grosse Mehrheit aller Gewalttaten gehe von Männern mit Migrationshintergrund aus. Dies sei auch in den zwei Fällen vom Wochenende – in Genf sowie an der Street Parade in Zürich – der Fall gewesen.

Einfach auf Männer als Gewalttäter abzuzielen, wie es die SP tue, sei nicht der springende Punkt. Es seien Männer aus anderen Kulturen, die für die Gewalttaten verantwortlich seien. «Die Pauschalisierung ist falsch», so Tuena. Die SVP fordere deshalb ein Durchgreifen bei der Einwanderung im Sinne des Verfassungsartikels zur Masseneinwanderungsinitiative, harte Strafen sowie Landesverweise für verurteilte Gewalttäter.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zombrek am 17.08.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langsam geht es zu Weit

    Die Entwicklung dieser Debatten nimmt mittlerweile ein Ausmass an, welches mir Sorgen bereitet. Die SP kann nicht läugnen, dass der Migrationshintergrund keine Rolle spiele. Männer aus einer Kultur in der die Frau fast nichts Wert ist sind nunmal gewalttätiger. Dies wird durch Statistik klar belegt. Einfach zu sagen es liegt am männlichen Geschlecht ist genau eine solche Pauschalisierung welche in der heutigen Zeit nicht mehr angebracht ist. Wehe man würde das Geschlecht der Frauen in irgendeiner Weise Pauschalisieren, dann wäre man gemäss Frau Funicello wahrscheinlich ein Sexist!

  • SPUTIM69 am 17.08.2018 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ANTI TAMARA

    Bin seit einigen Tagen aus Prinzip gegen ALLES wofür Tamara steht. Sie ist sogar Gefahr für die eigene Partei.

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  • Neudo am 17.08.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch SP

    Anstatt pauschal gegen Männer vorzugehen, sollte die Migrationspolitik durchleuchtet werden. Davon will die SP anscheinend nichts wissen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz J. am 18.08.2018 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Aber sonst geht's gut?!

    Mehr Gleichstellung soll Gewalt verhindern? Die meiste Gewalt geht im privaten Umfeld ab, da helfen auch keine verschärften Gesetze. Und zur "toxischen Männergesellschaft": Das ist so verallgemeinernd, also ob man allen Ernstes behaupten würde, dass alle Neuzuzüger Gewalttäter seien. Beide Behauptungen sind grundfalsch. Lässt sich da nicht rechtlich vorgehen, wegen übelster Nachrede/Verleumdung? Man sollte Funiciello und Konsorten langsam einen Riegel vorschieben.

  • Pro Blem am 18.08.2018 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Männer braucht die Welt!

    Es ist wahr! Gewalt geht immer von Männern aus. Wer etwas anderes behauptet kann nicht lesen, denn täglich stehen Taten in den Zeitungen die hauptsächlich von Männern begangen werden. Raub, Überfall, Vergewaltigungen, Mord und Kriege. Es ist wie es ist. Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern ebenfalls. Braucht ihr Beweise? Dann lest mal einfach eine Zeitung. Auch heute hat es bestimmt Artikel über Männer drin, die Gewalt an irgend jemandem ausgeübt haben. Man muss sie nicht mal geziehlt suchen. Es ist nichts anderes als die Wahrheit. Und sorry, seit Migranten hier leben noch viel mehr.

  • Robert M. am 18.08.2018 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Magendreher

    Primär hat die Gewalt ein Geschlecht und erst dann eine Nationalität. Wer den Migrationshintergrund ausschliessen will, scheitert! Und, Frau Fumicello, hören sie doch einfach auf, Wahlkampf zu betreiben! Mir dreht sich schon lange der Magen, um es nett auszudrücken....

  • Kari Schweiz am 18.08.2018 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rarität

    Dann bin ich wohl eine Rarität. Ich müsste wohl in einem Museum ausgestellt werden. Bin 61 und habe noch nie jemanden geschlagen.

  • Emanuel am 18.08.2018 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die SP ist ihr eigenes Problem

    Grundsätzlich finde ich es gut, dass die SP etwas gegen diese Situation unternimmt. Die fehlende Differenzierung der SP beim Migrationshintergrund bewirkt aber, dass alle Männer in Verdacht kommen können. Als Mann fühle ich mich dabei ungerecht behandelt. Ich sehe bei manchen Männern den fehlenden Respekt gegenüber Frauen, es sind Männer die aus patriarchischen Familien kommen. Da zwingen z.B. Männer Frauen dies oder das zu tragen. Leider handelt es sich dabei sehr wohl um Männer mit Migrationshintergrund die wieder durch die Migrationspolitik auch von der SP ins Land gekommen sind.