Kuba-Krise

15. Juli 2015 17:20; Akt: 15.07.2015 17:24 Print

Die Schweiz im Zentrum der Weltpolitik

54 Jahre, seit 1961, vertrat die Schweiz die USA in Kuba. Nun endet das Mandat und diplomatische Dokumente werden veröffentlicht, auch aus der Zeit der Kuba-Krise.

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Weil «die Schweiz das einzige Land, mit dem auf alle Fälle Amerika, wahrscheinlich aber auch die Sowjetunion, voll zufrieden sei» war, vertraten Schweizer Diplomaten 54 Jahre lang die Interessen der USA in Kuba: Botschafter Emil Stadelhofer im Gespräch mit Fidel Castro (Bild: Lee Lockwood/The LIFE Collection/Getty Images)

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Das Schutzmachtmandat der Schweiz in Havanna geht zu Ende. Ein nun veröffentlichtes Dossier diplomatischer Dokumente belegt, in welcher Form die Schweizer Dienste in heiklen Momenten wie der Kuba-Krise in Anspruch genommen wurden.

In der Zeit zwischen dem 14. und 28. Oktober 1962 hatte die Welt einen atomaren Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion befürchtet. Grund waren auf Kuba neu stationierte Mittelstreckenraketen.

In der heissen Phase dieses Konflikts hatte sich US-Aussenminister Dean Rusk am 23. Oktober mit einem Telegramm an den Schweizer Botschafter in Washington, August Lindt, gewandt. Rusk erkundigte sich, ob die Schweiz nicht «aus eigener Initiative» die Absichten des kubanischen Führers Fidel Castro sondieren könnte.

Schliesslich zog es die Schweiz dann aber vor abzuwarten, dass Castro sich äussere. Und wenige Tage später lenkte Moskau nach einem Ultimatum der US-Regierung von John F. Kennedy ein und zog seine Raketen ab.

«Voll zufrieden»

Die USA hatten die Schweiz 1961 angefragt, ihre Interessen auf Kuba zu vertreten. Kein anderes Land konnte nach Meinung Washingtons ein solches Mandat wahrnehmen. Dies geht aus einem Dokument hervor, das an Bundesrat Friedrich Wahlen, Chef der Diplomatie, gerichtet war.

«Die Schweiz sei das einzige Land, mit dem auf alle Fälle Amerika, wahrscheinlich aber auch die Sowjetunion, voll zufrieden sei». Dies rapportierte Botschafter Lindt am 7. März 1962 nach einem Essen mit dem Kennedy-Berater McGeorge Bundy an seinen Chef in Bern. Lindt schloss sein Schreiben mit der Bemerkung Bundys: «Wenn die neutrale Schweiz nicht existieren würde, müssten wir sie erfinden.»

Fortan waren Schweizer Diplomaten auch in anderen heiklen Situationen als Vermittler im Einsatz, so etwa Anfang der 70er Jahre bei der Einrichtung einer Luftbrücke zwischen Kuba und Miami, damit Kubaner legal ausreisen konnten, oder für die Unterzeichnung eines Abkommens gegen Flugzeugentführungen.

Bedrohliche Kundgebungen

Das Schutzmachtmandat hatte auch andere schwierige Momente für die Diplomaten parat: Sie fühlten sich im Frühjahr 1970 von «immer umfangreicher und heftiger» werdenden Kundgebungen vor der ehemaligen US-Botschaft in Havanna bedroht, wie einem Schreiben der Schweizer Botschaft in Washington vom 15. Mai zu entnehmen ist.

Das auf dem Botschaftsareal abgestellte Privatauto eines Schweizer Diplomaten wurde von Demonstranten mit Farbkübeln und Tinte verschmiert. Der Schweizer Botschafter und seine Mitarbeiter seien «angepöbelt und beleidigt» worden. Erst mehrere Interventionen auf höherer Ebene konnten die Situation dann entschärfen.

In der über 50-jährigen Geschichte des Mandats gab es aber auch erfreulichere Episoden. So schenkte Fidel Castro 1964 dem Schweizer Botschafter Emil Stadelhofer, mit dem er regelmässig diskutierte, bei einem offiziellen Empfang das olivgrüne Béret seiner Uniform.

Und dem Nahrungsmittelkonzern Nestlé wurde mit einer Vereinbarung von 1967 mit Zuckerlieferungen die Verstaatlichung seiner Betriebe auf Kuba während der Revolution abgegolten. Dies alles geht aus Unterlagen hervor, welche der Dienst «Die Diplomatischen Dokumente der Schweiz» (DDS) am Mittwoch der Nachrichtenagentur sda zugänglich machten.

(ofi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamba am 15.07.2015 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Ich war nie in Kube, aber ich kenne viele Kubanische Ärzte, welche hier in Angola ihre guten Dienste leisten, gegen wenig Entgeld. Ich mag diese Leute. Nicht leere Worte wie in den Missionarskirchen, sondern, echte und vollwertige Hilfe an die Armen. Ich bin stolz, dass wir dieses Mandat während 54 Jahren hatten und unseren Beitrag gaben.

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  • Julia am 15.07.2015 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hoch...

    ... auf die Neutralität, die leider immer mehr den Bach runter geht, wegen all den Kuschern, die heute unser Land vertreten! Heute will man ja nur noch "au debii sii" und viele unserer gut bezahlten Politiker würden dafür sogar die eigene Grossmutter verkaufen! Es ist Zeit, wieder stolz auf unser Flecklein zu sein und für unsere Ideale einzustehen! Hier haben wir ein schönes Beispiel, wie wichtig ein neutraler Fleck für das Gesamtgefüge ist. Bleiben wir dabei!!!

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  • Peter Moser am 15.07.2015 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung verloren

    Früher war die Schweiz noch was Wert. Man achtete uns. Aber unser heutiger Bundesrat ist nur noch peinlich. Niemand hat mehr was zu sagen. Wie toll war es, als der Bundesrat noch aktiv in die Flüchtlingspolitik Eingriff und handelte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Julia am 15.07.2015 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hoch...

    ... auf die Neutralität, die leider immer mehr den Bach runter geht, wegen all den Kuschern, die heute unser Land vertreten! Heute will man ja nur noch "au debii sii" und viele unserer gut bezahlten Politiker würden dafür sogar die eigene Grossmutter verkaufen! Es ist Zeit, wieder stolz auf unser Flecklein zu sein und für unsere Ideale einzustehen! Hier haben wir ein schönes Beispiel, wie wichtig ein neutraler Fleck für das Gesamtgefüge ist. Bleiben wir dabei!!!

    • Pedro am 16.07.2015 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      Neutral sein heisst nicht schweigen

      Wenn Neutralität heisst, keine Stellung beziehen zu müssen, und überall nur Nutzen rauszuziehen, dann nein danke. Die Schweiz soll und muss sich einsetzen in der Welt. Neutralität in bewaffneten Konflikten: Ja; dann aber auch keine Waffenlieferung an solche Länder.

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  • reisefüdli am 15.07.2015 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ferien

    ich war selber in cuba in den ferien und es waren die beaten Ferien meines Lebens bis jetzt. man muss halt nicht irgendeine pauschalreise buchen mit all inklusive in jedem hotel, so lernt man das land nicht kennen. wir haben super nette leute kennen gelernt und die Natur war unglaublich. man muß halt havanna verlassen dann sieht man auch was vom land. ich würde lieben gern nochmal dahin gehen.

  • J. Ackermann am 15.07.2015 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Ich finde es ja gut diplomatisch zu sein, aber verstösst es nicht gegen die neutralität einem Land auf diese Weise zu helfen?

    • Fudrus am 15.07.2015 22:55 Report Diesen Beitrag melden

      Nein, wieso?

      Ich dachte Neutralität herrsche nur im Kriegszustand?

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  • Peter Moser am 15.07.2015 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung verloren

    Früher war die Schweiz noch was Wert. Man achtete uns. Aber unser heutiger Bundesrat ist nur noch peinlich. Niemand hat mehr was zu sagen. Wie toll war es, als der Bundesrat noch aktiv in die Flüchtlingspolitik Eingriff und handelte.

  • Jamba am 15.07.2015 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Ich war nie in Kube, aber ich kenne viele Kubanische Ärzte, welche hier in Angola ihre guten Dienste leisten, gegen wenig Entgeld. Ich mag diese Leute. Nicht leere Worte wie in den Missionarskirchen, sondern, echte und vollwertige Hilfe an die Armen. Ich bin stolz, dass wir dieses Mandat während 54 Jahren hatten und unseren Beitrag gaben.

    • Insider am 16.07.2015 02:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die Kuba Propaganda

      Die kubanischen Ärzte wären besser im eigenen Land eingesetzt worden anstatt als Propaganda-Vehikel für Fidel zu dienen.

    • Dr. Schiwago am 16.07.2015 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ärztemangel?

      Soviel ich weiß ist das Gesundheitssystem in Kuba gut ausgebaut ohne Ärztemangel.

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