Enormer Einsatz zu Corona-Zeiten

19. März 2020 07:47; Akt: 20.03.2020 10:14 Print

Die Schweiz sagt Danke!

Die Corona-Krise fordert uns heraus – allen voran Personen, die in der Medizin tätig sind. Mit einem lauten Applaus will sich die Schweiz am Freitagmittag bei ihnen bedanken.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Pfleger, Ärzte oder Apotheker stehen zuvorderst an der Corona-Front. Sie helfen den schwer Erkrankten und geben tagtäglich alles, damit wir diese schwere Zeit möglichst gut überstehen und uns sicher fühlen. In Spanien und Italien haben die Menschen am Wochenende auf den Balkonen geklatscht, um sich beim Gesundheitspersonal zu bedanken. Es gab Hupkonzerte und Solidaritätswellen auf Social Media. Diesen Freitag, 20. März, soll auch dem Schweizer Gesundheitspersonal Danke gesagt werden.

Die Medienhäuser NZZ, CH Media, SRG, Ringier und TX Group, zu der auch 20 Minuten gehört, haben sich zusammengetan. Sie bitten die Schweizer Bevölkerung gemeinsam am 20. März um 12.30 Uhr 60 Sekunden lang innezuhalten und zu klatschen – auf dem Balkon, auf der Strasse oder wo auch immer Sie sind. Machen Sie mit und erzählen Sie Ihren Familien, Freunden und Kollegen davon.

Werden Sie bei der Dank-Aktion mitmachen? Schicken Sie uns ein Bild davon. Entweder per Formular oder auf Whatsapp unter 076 420 20 20.

Wegen des Coronavirus werden Spitäler und Arztpraxen überrannt, so etwa das Inselspital Bern: «Die Lage spitzt sich langsam zu. Wir haben immer mehr Patientinnen und Patienten, die uns aufsuchen», sagt Petra Fuchs, Leiterin Pflegedienst des Universitären Notfallzentrums. Wegen des Coronavirus stiess das Notfallzentrum bereits vor Wochen an die Kapazitätsgrenze, weshalb vor der Notfallstation ein Covid-Track in Betrieb genommen wurde. Pflegefachpersonen und Ärzteschaft wurden deshalb von anderen Kliniken des Inselspitals für diese Aufgabe abgezogen. In dem Untersuchungspfad sollen möglichst viele Menschen so rasch wie möglich getestet werden: «Vorgestern suchten uns 243 Personen auf, gestern 228. Wir können aber nicht alle testen, nur weil sie beispielsweise Angst haben, wegen eines Schnupfens Covid-positiv zu sein. Wir müssen haushälterisch mit den wenigen Tests umgehen. Das Personal wird dort eingesetzt, wo es dringend gebraucht wird.» Beim Krisenmanagement sei der Umgang mit Ressourcen entscheidend.

Überstunden, keine Ferien

Petra Fuchs sagt: «Unsere Mitarbeitenden auf dem Notfall arbeiten jetzt schon länger. Es ist eine grosse Solidarität im Team zu spüren. Das Pflegepersonal ist extrem motiviert. Einige Mitarbeitende haben sogar angeboten, ihre Ferien zu streichen, damit sie helfen können. Bei einigen musste ich dies bereits in Anspruch nehmen. Ehemalige Mitarbeitende haben sich gemeldet und ihre Hilfe angeboten.»

Edith Gabriel, Leiterin des Pflegedienstes in der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, sagt: «Seit Wochen planen wir verschiedene Szenarien, der Fokus liegt klar auf Covid-19. Nach Möglichkeit wird das Personal geschont, damit es für den kommenden Grosseinsatz Kraft tankt.»

«Der Sturm kommt!»

Denn beide Frauen sind sich einig: «Der Sturm kommt!» Fuchs führt aus: «Für uns alle gab es noch nie eine vergleichbare Situation.» Und Gabriel: «Was gerade passiert, ist schlicht surreal.»

Die Pflegedienst-Leiterinnen finden die Dankbarkeits- und Solidaritätskundgebung herzerwärmend. Gabriel: «Es berührt, dass so etwas möglich ist.» Sie hoffe, dass durch diese Situation das Bewusstsein für die anspruchsvolle Arbeit des Gesundheitspersonals in der Bevölkerung und in der Politik steigt.

(qll)