«Abscheulich»

01. März 2012 23:14; Akt: 02.03.2012 10:47 Print

Die Welschen wollen nicht die Griechen sein

Die «Weltwoche» attackiert die welsche Schweiz aufs Schärfste und bezeichnet sie unter anderem als «Griechen der Schweiz». Die Romands laufen Sturm.

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Den «Griechen der Schweiz»-Artikel der «Weltwoche» beantwortete Nationalrat Antonio Hodgers sogleich (rechts).

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«Ob Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder Zinsbelastung – in jeder Negativ-Statistik liegen die Welschen vorn», lauten die Vorwürfe der «Weltwoche» an die welsche Schweiz. Die Deutschschweizer bezeichnet sie als «fleissige Nordländer», die Romands als «faule Südländer». Dabei beruft sich das Wochenmagazin auf nationale Statistiken und kritisiert den «welschen Schlendrian».

Das reisst den Röstigraben wieder auf: «Die Deutschschweizer nach Deutschland», schreibt ein verärgerter Leser von 20 Minutes Online, «abscheulich», findet ein anderer, oder schlicht gesagt «eine Schande».

Die Vorwürfe seien aber keineswegs erfunden, sagt Politgeograf Michael Hermann, der eine Arbeit über die Beziehung zwischen Deutschschweizern und Romands verfasst hat. «Diese Statistiken spiegeln die Mentalitätsunterschiede zwischen Romands und Deutschschweizern wider.» Es sei eine Tatsache, dass die Welschen eine andere Kultur leben als die Deutschschweizer. «Das ist auf die Verwurzelung zurückzuführen – die Romands sind französisch geprägt, die Deutschschweizer dagegen alemannisch.» Der Artikel zeige aber nur die negativen Statistiken auf und blende zum Beispiel den wirtschaftlichen Aufschwung des Arc lémanique oder die Innovationskraft aus, sagt Hermann.

(jsk/20 Minuten)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Der Mensch braucht anscheinend ein immer jemanden, den er als schlechter als sich selbst darstellen kann. Sei es am Arbeitsplatz, der Nachbar, andere Kantone, andere Gesinnung. – Hanna müller

Ich bin Deutschschweizer und liebe das Welschland. Es müssen nicht alle gleich sein, das belebt ein Land. Der eine hat seine Qualitäten hier, der andere dafür dort. Man sollte enlich mal anfangen, von den Unterschieden des anderen zu profitieren und lernen, statt alle in einen Einheitsbrei zu verwandeln, der keine Herkunft, Charakter und Verwurzelung kennt. Die Schweiz ist insgesamt eine Willensnation (=wir wollen gemeinsam ein Land sein) und werden nicht dazu gezwungen (wie die EU). Das macht unseren Erfolg aus. Bitte nicht vergessen und nicht immer auf die anderen einhauen! – Marco

Einmal mehr hat die Weltwoche den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer mit der Westschweiz beruflich in Kontakt sein muss, kann ein Lied davon singen. – Rolf Merz

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Micha Rohner am 02.03.2012 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Vive la Romandie!!!

    Ich bin ein anständiger Mensch, der es normalerweise vermeidet andere zu beleidigen; aber bei diesem Artikel der WW könnt ich mich echt vergessen! Vor ein paar Jahren bin ich von der Deutschschweiz in die Romandie gezogen und fühle mich hier viel wohler als bei den "Bünzlis". Ich habe mir den Quatsch lange genug angehört. Die Leute sind viel entspannter und netter. Die Leute helfen sich gegenseitig und sind einfach nicht so verkorkst. O.k. ich lebe vielleich nicht im steuergünstigsten Kanton, aber wisst Ihr was? Es ist es mir Wert!!!

  • Arnaud am 02.03.2012 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Commentaire d´un romand!

    Deutsch-schweizer Freunde, DANKE für eure netten Kommentare! Nimm eifach Zeit um die Antwort zu Weltwoche aus Westschweiz zu schauen(Diaporama)! Es lohnt sich :-) Die Bilder sind toll und bei Erfahrung weiss ich dass auch in Deutsche-Schweiz kann man richtig gute Apero geniessen und mit tolle leute!

  • Lausanner am 02.03.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Welsche sind anders - zum Glück

    Tatsächlich sind die Welschen ein anderes Volk als die Deutschschweizer. Ich lebe mittlerweile seit 5 Jahren hier, und das meiste, was anders ist, gefällt mir hier deutlich besser. Generell ist man hier freundlicher, herzlicher, offener, gastfreundlicher. Gearbeitet wird aber nicht weniger als ennet dem Röstigraben. Und auch als unproduktiv würde ich die Welschen nicht bezeichnen. Finanzausgleich lässt grüssen. Mir ist's hier wohl, da können andere, insbesondere Weltwoche-Fans oder Statistik-Vergötterer noch lange stänkern. Zufriedenheit wird nicht mit Statistiken ausgedrückt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Micha Rohner am 02.03.2012 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Vive la Romandie!!!

    Ich bin ein anständiger Mensch, der es normalerweise vermeidet andere zu beleidigen; aber bei diesem Artikel der WW könnt ich mich echt vergessen! Vor ein paar Jahren bin ich von der Deutschschweiz in die Romandie gezogen und fühle mich hier viel wohler als bei den "Bünzlis". Ich habe mir den Quatsch lange genug angehört. Die Leute sind viel entspannter und netter. Die Leute helfen sich gegenseitig und sind einfach nicht so verkorkst. O.k. ich lebe vielleich nicht im steuergünstigsten Kanton, aber wisst Ihr was? Es ist es mir Wert!!!

  • Suisse Alemand am 02.03.2012 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe 17 Wochen RS

    ...mit den Romands verbracht. Vor Jahren. Die Deutschschweizer Hälfte hat jeweils die halbe Arbeit der Welschen machen müssen, um nicht jeden Abend zu spät zum Nachtessen zu kommen. Das ist leider traurige Tatsache. Das Arbeiten haben die jedenfalls nicht erfunden - die Kameradschaft auch nicht.

  • Tripes am 02.03.2012 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    boulevard "Weltwoche"

    Es überrascht mich sehr, dass es solche Vergleiche in der heutigen Zeit in der schweizerischen Medienwelt gibt. Es hat mich sehr nachdenklich gestimmt, dass man egal welches Volk auf dieser Welt so pauschal in eine Schublade drückt. Ich wehre mich dass 17 Milionen Griechen auf diesen Planeten auf einem sehr tiefen Niveau betittelt werden. Es ist beleidigent, geschmacklos und dekatent. Die Welt besteht nun mal nicht aus Herzkasperanwärter. Keiner verleugnet die Probleme in Griechenland, die es sehr wohl in manchen Länder gibt.

  • Remo Paris am 02.03.2012 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Als Deutschweizer der in Paris lebt, ist es beschämend so was zu lesen!

  • Pierre am 02.03.2012 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie

    Bezeichnenderweise wird kaum darüber diskutiert ob der Inhalt des Artikels richtig ist oder nicht. Wie immer, wenn Argumente fehlen bedient man sichder leidigen Stil-Keule, oder stellt die Daseinsberechtigung der WW generell in Frage, nach dem motto was nicht sein darf, kann auch nicht sein..Wäre an der Geschichte nichts dran, würden sich kaum alle darüber aufregen, oder? Den Spiegel vorgehalten zu bekommen ist zwar nicht immer angenehm , aber vielleich lehrreich.