Ecopop

06. Mai 2011 14:07; Akt: 06.05.2011 14:36 Print

Die etwas anderen Umweltschützer

von Ronny Nicolussi - 40 Jahre praktisch unbekannt, gerät die Organisation Ecopop nun ins Scheinwerferlicht - weil sie die Beschränkung des Bevölkerungswachstums fordert. Wer steckt dahinter?

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Überfüllte Züge, verstopfte Strassen, steigende Wohnungsmieten und Verdrängungsprozesse auf dem Arbeitsmarkt: alles Folgen der hohen Zuwanderungsraten? (Bild: Keystone/Eddy Risch)

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Zuwanderung als Problem zu thematisieren, galt lange als Tabu. Wer es dennoch wagte, riskierte in die rassistische Ecke gestellt zu werden. Was das bedeutet, weiss Albert Fritschi, Mediensprecher der Vereinigung Umwelt und Bevölkerung (Ecopop) nur zu gut. Bis heute muss er regelmässig gegen das fremdenfeindliche Image der Umweltorganisation ankämpfen. Die Medien schreiben im Zusammenhang mit Ecopop von einer «grün angehauchten», einer «umstrittenen», einer «obskuren» Umweltschutzorganisation.

Umfrage
Wie würden Sie sich entscheiden, wenn heute über die geplanten Volksinitiativen von Ecopop und der Schweizer Demokraten abgestimmt würde?
31 %
10 %
39 %
18 %
2 %
Insgesamt 1035 Teilnehmer

Dass das so ist, liegt im Ursprung von Ecopop. Unmittelbar nachdem das Schweizer Stimmvolk im Juni 1970 die Überfremdungsinitiative von James Schwarzenbach abgelehnt hatte, fand sich auf Initiative von Gottlieb Flückiger eine Arbeitsgruppe zusammen, «die die Bevölkerung für den Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und Umweltverschlechterung sensibilisieren wollte». Ein Jahr darauf entstand daraus die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Bevölkerungsfragen (SAfB) – heute Ecopop. Kritische Stimmen sahen darin eine Fortsetzung der Überfremdungsinitiative unter dem Deckmantel des Umwelt- und Heimatschutzes, wie die «Basler Zeitung» schrieb.

Mit ein Grund für dieses Image war, dass sich Anfang 1970er-Jahre mehrere bekannte Rechtsaussen-Politiker bei der SAfB engagierten. Unter anderem amtete der ehemalige NA-Präsident Valentin Oehen als Vizepräsident des Vereins. Ecopop-Sprecher Fritschi sagt auf Anfrage von 20 Minuten Online, dass Oehen aber lediglich einer unter vielen gewesen sei: «Zudem müsste man dann erwähnen, dass in jenen Jahren auch die Frauenrechtlerin Anne-Marie Rey SAfB-Mitglied war – und die war alles andere als rechts.»

Taktischer Namenswechsel

Tatsächlich war bereits die SAfB ein parteipolitisch durchmischter Verein. Je nach Leseart ist er auch als Reaktion auf die Aufsehen erregende Studie «Grenzen des Wachstums» des Club of Rome entstanden. Trotzdem hatte die SAfB Mühe, den Rechtsaussen-Mief der Gründerjahre abzuschütteln. Laut «WOZ» war das der Grund für den Namenswechsel 1987 zu Ecopop – auf französisch Association ECOlogie et POPulation. Seit den 1980er-Jahren ist der Verein sichtlich bemüht, sich von fremdenfeindlichen Strömungen abzugrenzen.

Mit Studien, Vorträgen, Tagungen und Ausstellungen predigt Ecopop immer wieder die gleichen Grundsätze: Die Überbevölkerung ist eine wesentliche Ursache der Umweltzerstörung, deshalb muss das Bevölkerungswachstum reduziert werden. Lange fanden diese Anliegen in der Politik kein Gehör, auch wenn unter den Ecopop-Mitgliedern nicht wenige renommierte Professoren waren und sind. Nun scheint sich etwas verändert zu haben. Die Menschen bringen überfüllte Züge, verstopfte Strassen, steigende Wohnungsmieten und Verdrängungsprozesse auf dem Arbeitsmarkt zusehends mit den hohen Zuwanderungsraten seit der Öffnung der Grenzen zusammen. Die Zeit für Ecopops Anliegen ist reif. Erst Mitte April stimmte der Nationalrat einer Motion von SVP-Ständerat Christoffel Brändli zu, mit der der Bundesrat aufgefordert wurde, Massnahmen vorzulegen, welche die Zuwanderung in die Schweiz in «geordnete Bahnen» lenkten. Laut Fritschi sehen zwar verschiedenste Parteien das Problem, die Finger daran verbrennen will sich jedoch kaum jemand. Die Nationalräte der Grünen, Bastien Girod (ZH) und Yvonne Gilli (SG), könnten davon ein Liedchen singen. Als sie vor zwei Jahren versuchten, Umweltfragen mit Bevölkerungswachstum zu verbinden, bezogen sie aus den eigenen Reihen harte Prügel.

Ärger mit den Schweizer Demokraten

Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass sämtliche Allianzbemühungen Ecopops gescheitert sind. Für Girod ist das Anliegen zu starr, Gilli findet, das Problem könne nicht rein statistisch angeschaut werden, und FDP-Migrationspolitiker Philipp Müller unterstützt Ecopop nicht, weil er durch die Schwelle von 0,2 Prozent ein Ende der Personenfreizügigkeit befürchtet. Offenen Zuspruch erhält die Initiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» (siehe Infobox) derzeit lediglich von rechts. Die SVP bekundete Sympathie, will beim Sammeln der Unterschriften jedoch nicht helfen. Besonders ärgerlich für Ecopop ist, dass derzeit ausgerechnet die Schweizer Demokraten eine Volksinitiative gegen die Überbevölkerung der Schweiz planen, die auf den ersten Blick fast deckungsgleich mit jener Ecopops ist.

Dies hat jüngst einmal mehr einen Aufklärungs- und Abgrenzungseffort nötig gemacht. Zumal die SD mit der Forderung nach einem ausgeglichenen Wanderungssaldo – also dass immer nur so viele Menschen zuwandern dürfen, wie abwandern – ein Anliegen aufnimmt, das Ecopop in den 1990er-Jahren auch so vertreten hatte. Heute fordert Ecopop mit seiner Initiative, zu der heute Nachmittag die Unterschriftensammlung offiziell startet, einen Wanderungssaldo von 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Also eine Nettoeinwanderung von rund 15 000 Menschen. In den vergangenen Jahren kamen jährlich zwischen 50 000 und 100 000 zusätzliche Menschen in die Schweiz. «Wir haben eingesehen, dass ein Nullsaldo nicht realistisch ist. Mit 0,2 Prozent sollten die Bedürfnisse der Wirtschaft jedoch gedeckt werden können», ist Fritschi überzeugt.

Bürgerliche in der Mehrheit

Der 70-jährige Ökonom und ehemalige leitende Stabsmitarbeiter der ETH Zürich kennt Ecopop in- und auswendig. In den letzten vier Jahre amtete der Sympathisant der Grünliberalen als Geschäftsführer der Umweltorganisation. Zu sagen, wo Ecopop politisch steht, fällt ihm jedoch schwer: «Wir haben mittlerweile rund 800 Mitglieder, da kann man lediglich anhand von Voten an den Mitgliederversammlungen abschätzen, wie jemand politisch denkt.» Er gehe jedoch davon aus, dass die Mehrheit bürgerlich denkende Menschen seien.

Im neunköpfigen Vorstand der Organisation reicht das Spektrum der Mitglieder von SP- bis SVP-Anhänger. Einer ist beispielsweise der Luzerner GLP-Vizepräsident Walter Palmers, der mehrmals vergeblich versucht hat, seine Partei für die Initiative zu begeistern. Ein anderer ist Hans Minder, ehemaliger Freisinniger und Vater des Initianten der Abzocker-Initiative, Thomas Minder. Daneben verfügt Ecopop über ein renommiertes Unterstützungskomitee, in welchem sich hauptsächlich betagte Akademiker engagieren.

Büeler erst seit einem halben Jahr dabei

Wesentlich jünger sind die Mitglieder des Initiativkomitees. Vier sitzen gleichzeitig im Vorstand von Ecopop, vier weitere sind zumindest Mitglieder. Darunter auch der Mann, der in der öffentlichen Wahrnehmung die Anliegen Ecopops vertritt, Benno Büeler. Der 49-Jährige, der als erster Urheber der Initiative geführt wird, bezeichnet sich selbst als primus inter pares. Während die Medien im wortgewandten Baselbieter bereits einen «grünen Messias», einen «Missionar im Auftrag seines ökologischen Gewissens» oder den Ecopop-Führer sehen, ist dieser tatsächlich lediglich der Erste unter Gleichen. Der ehemalige Grüne sei erst vor einem halben Jahr zu Ecopop dazugestossen, wie Mediensprecher Fritschi sagt. Da er eine gute Auftrittskompetenz habe, störe es aber niemanden, dass Büeler nun mehr als alle anderen Ecopop-Mitglieder im Rampenlicht stehe.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gugusli am 06.05.2011 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schritt in die richtige Richtung

    Wer öffentlich Bevölkerungswachstum und Umweltfragen verknüpft, wagt sich auf heikles Terrain. Aber die Frage sei erlaubt: Wozu braucht die kleine Schweiz in den nächsten 25 Jahren eine Million mehr Einwohnerinnen und Einwohner? Warum sollen wir noch mehr Erholungsräume zubetonieren? Mehr Wachstum mehr Wohlstand? Eine kurzsichtige Philosophie! Die Ecopop-Initiative will nicht "einfach" Menschen ausschaffen: sie möchte das Wachstum an sich eingrenzen. Wer in die Zukunft denkt, analysiert genau und verteufelt die Ecopop-Initiative nicht im voraus! - Ich werde sie unterschreiben: nicht aus politischer-, sondern aus menschlicher Überzeugung!

  • Alain Michel am 06.05.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Genug ist genug!

    Eine Schweiz mit 10 Mio. Einwohnern ist absehbar, und damit auch der drohende Verlust unseres (noch) intakten Ökosystems als Lebensgrundlage und Erholungsraum. Ich bin überzeugt dass viele Menschen in diesem Land einen solchen Verlust nicht hinnehmen wollen. Es wird zu massiven Spannungen kommen wenn das Problem der unkontrollierten Zuwanderung nicht entschlossen angegangen wird. Genug ist genug.

  • Paul Reim am 06.05.2011 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Das ist der EINZIGE Weg... der Bevölkerungszuwachs muss gestoppt werden! Und zwar weltweit! Ene 1 Kind Politik für 3-4 Generationen würde viel heutige Probleme lösen, allerdings müsste man halt auch etwas zurückstecken. Ich weiss ist halt kaum durchführbar :-(

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Achim Wolf am 27.09.2013 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Petition für Geburtenregelungen

    Sehr geehrte Damen und Herren Bitte stimmen auch Sie für eine Kampagne zur Einführung weltweiter Geburtenregelungen, die für alle Menschen in strikter, aber humaner Weise gelten sollen. Es geht darum, unseren Heimatplaneten zu schützen und die alles verschlingende Überbevölkerung zu stoppen! Hier geht es zur Petition: Zitat Wolfgang Stauber: "Die Überbevölkerung der Erde ist eine gewaltige Katastrophe und zeigt das Bild eines egoistisch denkenden Men

  • maxR am 07.05.2011 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gescheitere Lösung:

    Wie wärs mit einer gescheiteren Lösung? Einfach die Villen in dicht besiedelten Gebieten verbieten! Und mehr in die Höhe bauen.

    • Andreas Müller am 07.05.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      Ich bitte sie!

      Ich bitte sie! Was soll denn das für eine Lösung sein, die nicht den Ausländern die Schuld für alles zuschiebt, sondern auch noch auf eigene Versäumnisse in der Raumplanung hinweist? In der Zentralschweiz chancenlos ;-)

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  • Dani am 07.05.2011 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Ich freue mich enorm, dass anscheinend doch noch viele Schweizer so denken wie ich, oder immer mehr... Wenn ich mit meinem Umfeld spreche hatte ich bisher immer das Gefühl, der einzige zu sein der so denkt. Danke euch allen und ich hoffe, dass Ihr auch alle unterschreiben werdet. Es ist 5 nach 12!!!

  • jajajaja am 07.05.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr Menschen

    Es reicht!!! Niemand wird mir sagen wieviel Kinder ich haben darf NIEMAND! Vonwegen Bevölkerung reduzieren. Wer zum Teufel seit ihr eigentlich so etwas zu sagen? Die Erde ist gross genug und gehört euch nicht ist das klar?! Anstatt Raps zu pflanzen damit wir unsere Autos fahren können oder sonstige Waldgebiete zu roden sollten die Menschen effektiver sein-. Anstatt Technik zurück zuhalten weil FINANZIEL nich lohnt zurück zuhalten. Und und und naja die Welt i geht eher unter wegen Leuten, die nur ans Geld und Profit denken.

    • nönönönö am 07.05.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht

      Es hat heute schon viel zuviele Menschen auf der Erde !!!!

    • V.G. am 07.05.2011 17:48 Report Diesen Beitrag melden

      WER...

      ..spricht denn hier bitte davon Ihnen vorzuschreiben wie viele Kinder sie haben sollen?

    • neinneinneinnein am 08.05.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      RE: Ihr Menschen

      Jeder soll soviele Kinder haben wollen wie er will, aber dann bitte ohne staatliche Kinderzulagen....Jedem sein eigener Entscheid!

    • Marianne Baumgartner am 08.05.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      Wachstum hört mal auf!!

      Es will doch kein Mensch die Bevölkerung reduzieren. Weniger Menschen wären aber sicher von Vorteil für unsere Erde. Die Schweiz ist aber das dichtest besiedelte Land. Wenn es so weiter geht, werden unsere Nachkommen keinen Platz mehr haben in der Schweiz. Du siehst es einen Teil richtig, einige wenige Menschen denken nur an Profit. Und gerade deswegen ist diesen die grosse Einwanderung willkommen. Profitieren tun da nur einige wenige. Wenn man die billigen Arbeitskräfte nicht mehr braucht, sollten eigentlich die Arbeitgeber die Verantwortung für diese übernehmen, nicht wieder die Allgemeinhei

    • Martin Schärer am 09.06.2011 19:35 Report Diesen Beitrag melden

      Jajaja

      wir können natürlich alle auch gar nichts tun, wie bisher. Wir können weitere Atomkraftwerke bauen, auch wenn wir gegen Atomkraft sind. Eine Schweiz ohne Atomkraft ist auf alle Fälle illusorisch wenn so weitergewurstelt wird wie bisher. Wenn wir Menschen nicht in der lage sind das Bevölkerungswachstum nicht nur in der Schweiz, im minimum zu stoppen, dann wird es die Natur tun, aber dann wirds BRUTAL, denn die Natur kümmert sich weder um Ethik noch um Moral!!! (Komisch reimt sich sogar Hi)

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  • FRED am 07.05.2011 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hat Substanz

    Die Idee selbst hat Substanz. Ziel ist es doch den Lebensstandard zu halten (zu erhöhen). Viele Politker meinen dies ist nur mittels Bevölkerungswachstum möglich (Bspl. AHV Finanzierung durch Ausländer) Ecopop (so verstehe ich das) will aber das Bevölkerungswachstum (in der Schweiz) reduzieren (halten) und fordert eine Erhöhung der Effektivität der Ressourcennutzung. Dies macht ja eigentlich Sinn....