«Unprofessionelle Schlaumeiereien»

07. April 2015 19:37; Akt: 07.04.2015 23:06 Print

Die fiesesten Abzocker-Tricks der Vermieter

von G. Brönnimann - Zügeln ist oft mit Ärger verbunden. Manche Vermieter machen den Umziehenden das Leben zusätzlich schwer – und das Portemonnaie leichter.

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Umzug: Mieter haben es nicht immer leicht. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Urs Jaudas)

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Viele Schweizer haben in diesen Tagen eine neue Wohnung bezogen – in vielen Kantonen war Anfang April offizieller Umzugstermin. Mitarbeiter von Zügelunternehmen müssen hart anpacken. Und – davon können der Schweizer Mieterverband und viele betroffene Mieterinnen und Mieter ein Lied singen – auch Vermieter reiben sich die Hände. Nicht nur, weil die Mietzinse in vielen Schweizer Ballungszentren hoch sind, sondern weil Einzelne immer wieder versuchen, die Aus- und Einziehenden über den Tisch zu ziehen.

20 Minuten hat Geschichten von Betroffenen gesammelt und beim Mieterverband nachgefragt. Lesen Sie hier die fiesesten Abzocker-Tricks der Vermieter.


Trick 1: Zusätzliche Kosten beim Auszug

Manche Vermieter versuchen, den Mietern, die ihre Wohnung kündigen, noch für dies und jenes bezahlen zu lassen – auch wenn sie das nicht müssten. Etwa im Zusammenhang mit der Weitervermietung der Wohnung. Ein Betroffener: «Mein Vermieter wollte, dass ich das Wohnungsinserat bezahle – obwohl ich mehrere solvente Nachmieter vorgeschlagen hatte. Er wollte einfach noch weitersuchen.» Walter Angst, Sprecher des Mieterinnen- und Mieterverbands Zürich: «Da gibt es Hunderte von Beispielen, wie noch Kosten auf die ausziehenden Mieter überwälzt werden. Da müssten sich einfach mehr Mieter auf die Hinterbeine stellen – auch wenn es ‹nur› um einige hundert Franken geht.»

Es kann auch um grössere Beträge gehen. Etwa wenn Vermieter versuchen, ihren ausziehenden Mieter für Arbeiten und Renovationen zu viel zu verrechnen. Oder wenn sie für Leistungen Geld verlangen, die eigentlich gar nicht vom Mieter bezahlt werden müssten: Wände, die schon seit vielen Jahren nicht mehr gestrichen wurden, Nagellöcher und vieles mehr. «Unprofessionelle Schlaumeiereien», sagt Walter Angst. Der Mieterverbands-Sprecher erzählt: «Mir hat ein Verwalter erzählt, dass man in gewissen Firmen Prämien zahle, wenn man möglichst viele Kosten auf die Mieter abwälzt.»

Trick 2: Probleme mit dem Auszugstermin

Der Mieter macht alles richtig, hält sich beim Kündigungstermin ans Mietrecht, stellt solvente Nachmieter, möchte in seine neue Wohnung ziehen – und trotzdem zögert der Vermieter den Mietbeginn der neuen Bewohner hinaus. Das kann für den Mieter, der auszieht, teuer werden. Und für den neuen Mieter mühsam. «Mangelnde Kulanz und Flexibilität der Verwaltung bei der Übergabe der Wohnungen sind immer wieder ein Thema», sagt Angst. Er erzählt von einem Fall, bei dem eine Verwalterin den bereits vereinbarten Übergabetermin platzen liess: «Die ausziehende Mieterin musste zwei Wochen länger zahlen, der neue Mieter bei einem Freund auf dem Sofa schlafen. Das kommt alles vor.»

Beim Mieterverband hat man für solche Fälle kein Verständnis: «Mieterinnen und Mieter werden einfach nicht als Kunden behandelt, mit denen man gutes Geld verdient. Das ist einfach nur eine Frechheit», sagt Angst.

Trick 3: Betrug mit der Höhe der Vormiete

In manchen Kantonen ist es wieder Pflicht, eine Einführung in der ganzen Schweiz steht zur Debatte: Vermieter müssen neuen Mietern den Mietzins des Vormieters auf einem Formular bekanntgeben, damit missbräuchliche Mietzinserhöhungen vermieden werden können. Ein Zürcher Mieter zu 20 Minuten: «Mein ehemaliger Vermieter löste dieses ‹Problem› so: Er erfand für die Wohnung einen nicht existierenden Mieter, der gar nie dort gewohnt hatte – mit höherem Mietzins natürlich –, und den gab er dann auf dem Formular an. Mein Nachmieter bezahlte 30 Prozent mehr Miete als ich.»

«Solche Fälle sind auch uns bekannt», bestätigt Walter Angst. «Es kommt sogar vor, dass Verwaltungen eine Wohnung zwei Monate leerstehen lassen und für diese Zeit einen fiktiven Vertrag mit einem Mitarbeiter abschliessen.» Der Grund? «Alles nur, um dem echten Nachmieter einen alten Mietzins vorzugaukeln, der gar nie bezahlt worden ist.» Wer einer solchen Masche auf die Schliche kommt, sollte unbedingt handeln – denn auch die 30-Tage-Regel zur Anfechtung des Mietzinses sei bei Betrug nichtig, meint der Mieterverband. Angst: «Wer Hinweise auf solche Machenschaften hat, sollte sich mit uns in Verbindung setzen.»

Trick 4: Ausländer abzocken

Einwanderer halten die Schweizer Wirtschaft in Schwung – aber oft kennen sie die hiesige Gesetzeslage noch nicht allzu gut. Und viele Expats sprechen kurz nach der Ankunft noch keine Landessprache. Das macht sie zu idealen Opfern für Abzocker. Leider gibt es auch bei Vermietern schwarze Schafe, die sich das zunutze machen: Man hört von Handwerkern, die plötzlich das Doppelte kosten, oder etwa von Malerarbeiten vor dem Einzug, die von den Mietern übernommen werden sollen. In Expat-Foren suchen viele Betroffene Rat. Dort gibt es auch Geschichten wie: «Ich bin wieder in England, doch mein Schweizer Vermieter hat mein Depot noch immer nicht zurückbezahlt. Was kann ich tun?»

«Leider ist es so, dass mit den hiesigen Verhältnissen weniger vertraute Mieter öfter über den Tisch gezogen werden», sagt Walter Angst. Das weiss er aus eigener Erfahrung: «Ich habe bei den Schlichtungsbehörden viele professionelle Verwalter kennengelernt, die sich über solch unprofessionelles Verhalten ihrer Berufskollegen genauso aufgeregt haben wie ich.»

Trick 5: Miete auf Probe

20 Minuten weiss von einem besonders perfiden Fall: Ein Expat bezog eine Wohnung in Zürich und fand dann heraus, dass er über 25 Prozent mehr Miete bezahlte als sein Vormieter. Doch er traute sich nicht, etwas dagegen zu unternehmen: «Ich bin laut meinem Vertrag drei Monate lang auf Probe zur Miete. Erst wenn ich die Probezeit bestehe, wird mein Vertrag zu einem fristlosen Mietvertrag», sagt der junge Mann. Damit, so vermutet er, will sein Verwalter zwei Dinge erreichen: erstens die rechtswidrige Mietzinserhöhung durchbringen und zweitens verhindern, dass der neue Mieter dagegen klagt. Denn dieser sagt: «Ich brauche diese Wohnung unbedingt. Und ich habe Angst, sie zu verlieren, wenn ich Probleme mache.»

Beim Mieterverband Zürich sind bisher keine Präzedenzfälle einer solchen «Miete auf Probe» bekannt. Aber: «Wir haben von Verwaltern gehört, dass man die neuen Regeln bei der Festlegung der Anfangsmiete so unterlaufen wolle», sagt Angst. Er sagt: «Wenn ein Mietverhältnis nur deshalb befristet abgeschlossen wird, um eine Klage wegen der Erhöhung des Anfangsmietzinses zu verhindern, ist das eine Umgehung des Rechts. Gegen solche Praktiken würden wir vom Mieterverband mit allen Mitteln kämpfen.»

Wurden auch Sie von Ihrem Vermieter abgezockt – womöglich noch mit einer hier nicht erwähnten Methode? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte in einem Mail an feedback@20minuten.ch mit dem Betreff Mieter-Abzocke.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laetitia Condrau am 07.04.2015 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke ohne Ende

    Ich vermiete und verwalte einige geerbte Mietshäuser. Wohne selbst in einem, halte diese stets in tadellosem Zustand. Für mich und meinen Mann sind diese Liegenschaften fast zu einem Hobby geworden. Wir haben wirklich nicht im Traum gedacht, welche Tricks sich gewisse Vermieter und Verwaltungen ausdenken um ans Geld der Mieter zu kommen. Meine Wohnungen vermiete ich zu fairen Preisen nur an handverlesene Mieter. Zu denen pflege ich ein gutes Verhältnis. Entsprechend habe ich kaum Mieterwechsel. Und wenn, dann gibt es meistens in aller Freundschaft eine tolle Abschieds-Grillparty.

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  • Ruth Mettler am 07.04.2015 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarze Schafe

    Gutes Beispiel WohnPlus in Zürich: Habe 12 Nachmieter gefunden, Wohnplus verzichtet (aber ich zahlte das Inserat) und inseriert selber für Fr. 300.- mehr Mietzins! So erfahren die Nachmieter nichts über die Abzocke. So läuft das!

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  • Neuer Mieter am 07.04.2015 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gemeinde La Chaux de Fonds...

    ...verlangt Fr.60.- für das Zustellen der Vertragsunterlagen. Habe noch nie Geld für den Mietvertrag bezahlen müssen. Verstehe das nicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Susi Meier am 09.04.2015 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unterste Schublade

    Ganz lausige Erfahrungen wurden gemacht mit: Lietreu Ag Bern, Allianz Immobilien Bern, v.Fischer Bern, Euro Estates Gmbh Zürich, Robert Pfister AG bern,und andere. Auf den genauen Sachverhalt kann verzichtet werden. Von Schlüssel wegnehmen über und Hausfriedensbruch bis zu Stalking und wucherische nicht ausgewiesene NK-Abrechnungen etc. alles vorhanden!

  • Reklin Trudi am 09.04.2015 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Voll daneben

    Bestes Beispiel Dr.Meyer Verwaltungen Bern: Wir haben die Wohnung gereinigt, den Gerümpel entsorgt und den Schlüssel zurück gegeben. Der Verwalter fand es nicht für nötig sich umgehend zu melden wegen angeblicher Schäden sondern renovierte auf unsere Rechnung und entsorgte Müll. Schlussendlich folgte die Betreibung welche vor Gericht erfolgreich weggeklagt wurde. Von der Verwaltung Dr.Meyer AG wurde mir ein Einzahlungsschein zugestellt mit folgender Inschrift: "Dr.(...) Meyer, Bundesrichter, Lausanne.... Noch Fragen??

  • C. Fahrni am 08.04.2015 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was kann ich machen????

    Ich habe dazu mal eine Frage:kann mir jemand sagen ob der Vermieter mir verweigern ei Zimmer zu streichen ,dass noch nie gestrichen wurde ausser vor 14 Jahren beim Einzug. Bei Anfrage bekam ich zur Antwort,dazu sei der Vermieter nicht verpflichtet. Ja wenn ich bereit sei dafür ca.5.00 mehr Miete zu bezahle im Monat. Danke für Antworten

    • Müller, 9,04,2015 am 09.04.2015 09:48 Report Diesen Beitrag melden

      Neu Streichen

      @ Fahrni, wende Dich an Kostenlose Beratung, Wohnst Du von Anfang da kann der Mieter sicher nach 10 Jahren mal ein neu anstrich Verlangen, war auch bei uns so, mehr Bezahlen deswegen wohl kaum. aber warum Streichst Du nicht einfach selber Dein recht,, es gibt ja Tolle Farben.

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  • Krienser, 8,04,2015 am 08.04.2015 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnungen

    Wohne im Neubau per Okt,wird frei,, 2 Z, Wohnung a 60 qm, Behinderten Gerecht Gebaut , heisst Breite Türen alles Eben auch die Dusche das Bad für Rollstuhl, kein Problem, Lüftung mit 3 Stufen, Backofen Tief Gelegt, die Balkontüren gehen extra nach Aussen auf, Waschturm, und , und, aber die Leute sind verwöhnt, ja ich Weiss nicht, oder dieses und jenes, 10, min zum Einkaufen Süd und West Sicht mit Panorama auf den Pilatus nur 1,530,Fr inkl., ja die Reiche CH.

  • Haftpflichtschaden-MA am 08.04.2015 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Mieterschäden

    Habe in meiner Zeit viele Mieterschäden bearbeitet, in diesem Zusammenhang auch einige krasse Beispiele mitbekommen. Es gibt schwarze Schafe, auf BEIDEN Seiten. Daher rate ich euch, bei der Miete von privat vermieteten Gebäuden/Wohnungen die Augen und Ohren offen zu halten, sich vor allem mal mit dem Vormieter in Verbindung zu setzen. So erkennt man schnell, ob der Vermieter etwas taugt.