Sonderwünsche

09. Dezember 2009 16:00; Akt: 09.12.2009 21:46 Print

Die grössten Schulschwänzer sind Christen

Dispense für Schwimmunterricht, für das Weihnachtstheater und die Klassenfahrt - wer dachte, dass dies eine muslimische Unsitte sei, liegt falsch. Christlich-fundamentalistische Gruppen lassen ihre Kinder häufiger von der Schule dispensieren als Angehörige anderer religiöser Gruppen.

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«Schluss mit Sonderwünschen für Muslime»: Das Minarett-Verbot hat eine Diskussion um den Integrationswillen der Muslime logestreten. Zu den prominentesten Forderungen zählen jene nach der Abschaffung von Sonderregelungen für muslimische Schüler. Doch Tatsache ist: Gerade im Schulumfeld sind es nicht die Muslime, welche die meisten Extrawürste für sich beanspruchen, sondern Angehörige christlicher Freikirchen und Sekten. Gemäss einer Umfrage von Schweizer Radio DRS lassen sie die Kinder aus christlich-fundamentalistischen Kreisen häufiger von schulischen Lektionen dispensieren als Angehörige anderer Religionsgruppen.

«In der Öffentlichkeit wird über die Muslime diskutiert, die Faktenlage ist aber eine ganz andere», sagt Julia Morais von der Fachstelle für Integrationsfragen des Kantons Zürich gegenüber 20 Minuten Online. Die Zahl der Dispensanträge von muslimischen Eltern sei «geringer als diejenige von christlich-fundamentalistischer Seite.» Diese Beobachtung bestätigt Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbandes, gegenüber Radio DRS. Angehörige dieser christlichen Kreise liessen ihre Kinder vermehrt von Schullagern dispensieren. «Sie befürchten, dass ihre Kinder Alkohol oder Drogen konsumieren oder den Kontakt zum anderen Geschlecht suchen könnten», so Lätzsch. Es gehe teilweise sogar so weit, dass stark evangelikale Kreise ihre Kinder gar nicht in die öffentliche Schule schicken möchten.

Christen-Fundis braten in der Schule schon lange ihre Extrawürste

Statistische Erhebungen zu den Gesuchen gibt es nicht. Gemäss der Umfrage stellt aber auch das Aargauer Bildungsdepartement mehr Dispensations-Gesuche aus christlichen Kreisen fest als von anderen Glaubens-Gemeinschaften, wie die zuständige Kommunikationsleiterin Irène Richner erklärte. Gerade zur Weihnachtszeit kämen aus christlichen Kreisen ab und zu Anfragen, damit Kinder von einem Weihnachtsspiel befreit würden. Meist seien es jedoch punktuell beantragte Schuldispensationen. Nebst Weihnachten sind vor allem auch Projektwochen zum Thema Hexen oder Zauberer ein Grund für Dispense, heisst es im Kanton Thurgau. «Diese Tendenz ist nicht neu, sondern lässt sich seit Jahren beobachten», so die Integrationsbeauftrage Morais gegenüber 20 Minuten Online. Diese Feststellung habe sie bereits vor fünf Jahren während ihrer Tätigkeit im Kanton Baselland gemacht.


Für den Sektenexperten Georg O. Schmid ist die Beobachtung keine Überraschung: «Magie, Hexen, Zauberei, östliche Religionen – das sind alles Reizthemen für viele Freikirchen und christliche Sekten.» Sie wollten damit nichts zu tun haben und seien bestrebt diesen Themen aus dem Weg zu gehen. Weihnachten und Schullager hingegen seien vor allem für die Zeugen Jehovas ein Problem. «Vorstellbar, dass sie mit Dispensen versuchen diesen Themen auszuweichen», so Schmid. Dispense für Schwimmunterricht seien aber überraschend. «Es gibt nur wenige ganz radikale Gruppen, die mit gemischtem Schwimmunterricht Probleme haben», so Schmid. Der Unterricht in der Badehose stellt laut Schmid vor allem für die muslimischen Glaubensangehörigen ein Problem dar.

Inzwischen ist den Moslems klar, dass sie am Schwimmunterricht teilnehmen müssen

Doch Julia Morais widerspricht dieser Sichtweise. Sie sei nicht mehr aktuell: Mit dem Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2008 sei ein Strich unter dieses Thema gezogen worden. «Inzwischen ist es klar, dass jeder und vor allem jede am Schwimmunterricht teilnehmen muss», ist Morais überzeugt. Die Muslime hätten das Problem mehrheitlich begriffen und akzeptiert. Morais stellt auch einen Wandel im Umgang mit Klassenlagern fest: Sei die erste Generation muslimischer Einwanderer mehrtägigen Ausflügen noch abwehrend gegenübergestanden, habe die Sichtweise der heutigen Generation sich verändert. «Die muslimischen Eltern von heute waren selbst in Klassenlagern und an Schulausflügen. Sie wissen, was das ist und bedeutet», so Morais. Sie steht dem momentanen «Aktionismus» deshalb auch kritisch gegenüber. «Mit Verboten erreicht man bei diesen Themen gar nichts.»

(amc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susi Meier am 10.12.2009 02:37 Report Diesen Beitrag melden

    KEINE DISPENS!!

    Wenn ich diesen Bericht lese, wird mir übel! Was soll das Ganze eigentlich? Ich bin reformiert erzogen werden, bin aber seit 15 Jahren aus der Kirche ausgetreten! Jede(r) kann glauben was er will (Religionsfreiheit)! Aber, als ich noch zur Schule ging, waren die Sonntagsschule, der Religionsunterricht in der Schule, wie auch Turn/Schwimmunterricht und Klassenlager obligatorisch! Das sollte doch auch heutzutage noch möglich sein! Die Lehrer und Schulbehörden dürfen KEINE DISPENSE tolerieren, egal, welcher Religion die Kids angehören!! Na ja, kein Wunder, dass es immer weniger Lehrer gibt!

  • shemmy am 09.12.2009 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    tsss

    so what? noch mehr no sense? wie viele christen leben in europa? wie viele andere Konfessionen? so ein witz wenn man das Verhältnis sieht! einfach no sense!

  • Lukas am 09.12.2009 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    War klar...

    ... dass extreme Strömungen ein problem sind. Egal ob Christliche Fundis oder Islamische Fanatiker. Alles extreme ist gefährlich. Moderate Christen/Muslime/Budhisten/Taoisten etc. haben/verursachen keine Probleme, und integrieren sich auch besser.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kathy Gretener am 08.07.2010 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wiedereinmal...

    im übrigen gibt es auch veganer die erwarten das in schullagern nur vegaisch gekocht wird, wenn einer angst vor tieren hat muss er nicht in den Zoo mit und wenn einer eine Heyenabneigung hat, warum soll das Kind mitmachen? Akzeptiert ist, das moslems keins chweinefleisch essen, aber das christen keine Hexengeshichten für die kinder wollen, das ist absolut unakzeptabel... ac gütchen, leben und leben lassen

  • Nancy Wirth am 21.01.2010 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Religion?

    Lieber Kommunismus als Christentum? Sehe eigentlich nur antichristliche Propaganda in diesem Beitrag. Und was dann mit dem Kopftuch, kein Schweinefleisch essen, getrennte Badeanstalten, Religionsunterricht der das christliche Fundament ausklammert (wie etwa im Kanton Zürich heute). Diskriminierung.

  • pit almeida am 22.12.2009 05:46 Report Diesen Beitrag melden

    schweimmunterricht

    für mich ist die bibel eine sammliung von pfäffischen lügenmärchen. doch auch die stündeler und evangelikalisten haben anrecht auf religionsfreiheit. von wegen schwimmen: man fasse die mädchen verschiedener klassen für den schwimmunterricht zusammen, dann hört diese diskussion auf.

  • Alex Diener am 22.12.2009 05:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schade...

    ...heisst Religionsfreiheit nicht frei von sämtlichen Religionen. Musste mir leider grad letzten Sonntag mal wieder ein Besuch in der Kirche antun. Das Geschwätz vom heiligen Heiligtum ist sowas von lächerlich. Dafür noch staatlich abgesegnet Steuerprozente kassieren... längst ohne mich.

  • Marcus Zehnder am 22.12.2009 01:06 Report Diesen Beitrag melden

    Der grossteil der Religion

    hier drinn ist der fundamentalistischer Atheist! und Antichrist