Hohe Akzeptanz

23. Mai 2017 00:02; Akt: 23.05.2017 06:32 Print

Die meisten finden ein Windrad als Nachbar okay

Fast zwei Drittel der Schweizer würden eine Windanlage in ihrer Gemeinde akzeptieren. Das zeigt die Tamedia-Nachbefragung zum Energiegesetz.

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Mit dem Ja zum Energiegesetz wird der Bau neuer AKW in der Schweiz verboten. Nun sollen erneuerbare Energien ausgebaut werden – darunter die Windenergie. Deren Lobby brachte sich kurz nach der Abstimmung in Stellung: Um die Ziele des Energiegesetzes zu erreichen, müssten die «Planungs- und Bewilligungsverfahren für Windenergieprojekte beschleunigt werden», forderte der Verband Suisse Eole in einem Communiqué.

Im Abstimmungskampf hatten Gegner vor der «Landschaftsverschandelung» gewarnt, zudem seien Windanlagen eine Todesfalle für Vögel und würden krank machen. Nun zeigt die Tamedia-Nachbefragung, dass eine Mehrheit der Bevölkerung der Windkraft offen gegenüber steht: 64 Prozent würden ein Windrad im Sichtbereich ihres Wohnortes sicher oder eher akzeptieren. Nur jeder Dritte ist dagegen. Von jenen Stimmbürgern, die das revidierte Energiegesetz angenommen haben, könnten gar 87 Prozent mit einem Windrad in der Nachbarschaft leben.

Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sagt, dass eine erfolgreiche Einsprache reiche, um ein Projekt scheitern zu lassen. Die Stiftung lehnt den Bau von Windparks in unberührten Landschaften ab und bezeichnet die Ausbauszenarien des Bundes nach dem heutigen Stand der Technik als «unrealistisch». «Man sollte Windräder in der Nähe bestehender Infrastrukturen und Siedlungen bauen – wie im Rhein- oder Rhonetal. Deshalb ist aus unserer Sicht eine hohe Akzeptanz der Windräder in Siedlungsnähe positiv, wo auch weniger Natur und Landschaften auf dem Spiel stehen.»

Erfreut, aber nicht überrascht über das Resultat ist SP-Nationalrat Eric Nussbaumer. «Die meisten Windprojekte wurden in den Gemeinden klar angenommen.» Es gebe einfach immer eine Minderheit, die sich «kraftvoll» gegen einen Ausbau wehre. Derzeit gibt es in der Schweiz 37 Anlagen – mehrere hundert weitere sind geplant.

Junge stimmten eher zu

Laut der Umfrage stimmten am Sonntag nur die Anhänger der SVP mehrheitlich gegen das Energiegesetz. Junge stehen eher hinter der Energiewende als Ältere. So befürworteten 69 Prozent der 18- bis 34-Jährigen die Vorlage:

Trotz des klaren Ja zum Energiegesetz sind die Stimmbürger skeptisch, ob das darin vorgegebene Ziel – eine Reduktion des Energieverbrauchs pro Kopf um 43 Prozent bis ins Jahr 2035 – erreicht werden kann. Nur neun Prozent sind überzeugt, dass dies sicher gelingen wird.



Insgesamt glaubt die Bevölkerung jedoch an das Potential von Wasser, Wind, Sonne und Biomasse: Eine Mehrheit von 54 Prozent geht davon aus, dass erneuerbare Energien bis 2050 den gesamten Strombedarf der Schweiz werden decken können – sei es aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung oder aufgrund von Fördermassnahmen.

Einen sehr schweren Stand haben dagegen Gas- oder Atomkraftwerke: Erstere würden nur 30 Prozent unterstützen. Nur eine Minderheit von 36 Prozent kann sich vorstellen, dass in der Schweiz dereinst wieder neue AKW gebaut werden.

Die Tamedia-Nachbefragung

13'525 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 19. und 21. Mai online an der Tamedia-Nachbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom 21. Mai teilgenommen.

Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,8 Prozentpunkten. Weitere Informationen finden Sie unter tamedia.ch/umfragen

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • O. Ton am 23.05.2017 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar, aber nicht in meinem Garten ...

    Prima, dann wissen wir nun auch, wo die WEA aufzustellen sind: in den Kantonen mit den meisten JA-Sagern! Bin gespannt wie es dann von den Linken und Grünen tönt, wenn's soweit ist!

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  • Schnecken am 23.05.2017 00:07 Report Diesen Beitrag melden

    Spur

    Abwarten! Ich lache mich jetzt schon schlapp!

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  • Tom am 23.05.2017 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windrad- nein danke!

    Ich komme aus Deutschland, aus der Nähe eines Windradparks. Alle, die das total super finden, haben keine Ahnung, wie laut und unangenehm das ist!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pet am 27.05.2017 02:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht laut aber....

    Irgendwie erinnert mich die Diskussion an die der Mobilfunk Masten. Auch bekannt als St. Florian Prinzip. Ich war in letztes Jahr in Dänemark den Ferien. Das Ferienhaus war schön und ziemlich ruhig, bis auf das 200m entferne Windrad. Ich muss schon sagen, so ein richtig grosses ist eindeutig nicht zu überhören.

  • Mensch am 26.05.2017 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hochhäuser und Windräder

    schöne verbaute Zukunft. Um reich zu werden gehen viele über Leichen. Keine schöne Schweiz mehr. Alles verbaut und überall Windräder.

    • Skywalker99 am 26.05.2017 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mensch

      das "überall" relativiert sich schon sehr dadurch, dass nur an relativ wenigen Orten in der Schweiz Windverhältnisse herrschen, welche eine Errichtung von Windturbinen technisch sinnvoll machen.

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  • Heimatloser am 26.05.2017 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Energieversorgung und Landschaftsschutz

    Wenn Windparks in bereits mit Hochspannungsleitungen gesegneten Landschaften geplant werden, muss im Gegenzug eine Erdverkabelung der Strom-Freileitungen zwingend vorgesehen werden. Die Landschaft darf nicht dem Profit geopfert werden.

  • Bruno am 24.05.2017 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windräder sind nicht das Thema

    Wenn ich diese Kommentare lese kriege ich die Krise. Wir haben über ein Energiegesetz abgestimmt. Die Windräder sind das kleinste von Allem. Ich besitze ein Wohnhaus. Die Die NK liegen bei 250 Fr. im Monat. Davon sind etwa 60% Heizkosten. Die CO2 Abgabe wird dies auf etwa 350 Fr. anheben. Neue Waschmaschinen waschen nicht mehr bei der angegeben Temperatur, nur länger. Somit beginnen die Maschinen zu müffeln. Der Chemie sei dank... dies löst unser Problem. Bahntickets werden Teurer. Habt ihr echt das Gefühl dass nur ein neuer Job entsteht? Das wird alles aus dem Ausland gekauft.

    • Franz am 24.05.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bruno

      Deshalb habe ich die Energiestrategie 2050 angenommen. Und viele viele änder vorausschauende Mitbürger auch.

    • Korrektor am 24.05.2017 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franz

      Vorausschauend war das wohl nicht sonderlich. Sie sind halt einfach mitgelaufen, weil das von der "Arbeiterpartei" so gefordert wurde :)

    • Franz am 25.05.2017 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Korrektor

      Welche Arbeiterpartei meinen sie? Die einzige Partei, die flächendeckend die Schweiz mit Parolen und Werbung zugedeckt hatte war die SVP.

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  • PROLLTRASH am 24.05.2017 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei mir ists wirklich erwünscht!

    würde gern eins in meinen garten stellen um meine grünen nachbarn zu nerven. das wär genial!

    • Oliver am 24.05.2017 20:57 Report Diesen Beitrag melden

      Wind Scientology

      @ Prolltrash, entgegen Deinem Usernamen begrüsse ich Deine Idee. Ich sicherlich eine Überlegung wert, habe rundherum Körnchenpicker, Dorli-Hörige und uninformierte Wochenendgrüne, zusammengeafasst: Wind-Scientology. Die leben getrost dem Motto Atom Strom nein Danke, ich habe Steckdosen zu Hause.

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