SBB

29. Juni 2017 04:10; Akt: 29.06.2017 11:24 Print

Die neuen Doppelstock-Züge kommen noch später

von Stefan Ehrbar - Im Sommer wollte Hersteller Bombardier die Zulassung für die neuen SBB-Doppelstockzüge erhalten. Doch die zuständigen Behörden winken ab.

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Knapp zwei Milliarden Franken gibt die SBB für ihre neuen Doppelstock-Züge aus. Dafür hat die Bahn bis jetzt noch keinen funktionierenden Zug, aber viel Ärger erhalten. Die ursprünglich für Ende 2013 geplante Inbetriebnahme verzögerte sich wegen Interventionen von Behindertenverbänden und wegen technischer Probleme. In diesem Sommer wollte Bombardier der SBB endlich die ersten Züge liefern, damit sie ab Ende Jahr in den normalen Einsatz kommen.

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Daraus dürfte nichts werden. Die SBB übernimmt die Züge erst, wenn sie die Zulassung der zuständigen Behörden erhalten hat. Dabei handelt es sich um das Bundesamt für Verkehr (BAV). Dort rechnet man nicht mehr mit dem Einhalten des Zeitplans. «Bombardier hat zum wiederholten Mal selbst gesetzte Termine nach hinten geschoben», sagt Sprecher Gregor Saladin. «Das BAV geht davon aus, dass sich die Zulassung auf den Oktober verschiebt.»

«Keine Experimente»

Damit rückt der Einsatz auf den Fahrplanwechsel im Dezember in weite Ferne, denn bevor die SBB die Züge einsetzt, werden sie auf verschiedenen Linien getestet, ohne fest eingeplant zu sein. «Gelenkter Betrieb» nennt sich dieses Vorgehen, das in der Regel einige Monate dauert. «Die SBB wird keine Experimente mit Kunden machen», sagt Sprecher Christian Ginsig. Aus Erfahrung sei – wie bei allen Neueinführungen – mit Kinderkrankheiten zu rechnen. Die SBB prüfe die terminliche Situation laufend.

Bombardier gibt sich optimistisch. Man rechne weiterhin mit einer Zulassung im Sommer, sagt Sprecher Andreas Bonifazi. Danach übergebe man die Züge der SBB. Auf den Widerspruch zu den Aussagen des BAV hingewiesen, sagt der Sprecher: «Ende Sommer und Oktober liegen ja nicht weit auseinander.» Im Juli werde man mit dem BAV die Feinplanung erarbeiten. Das Bundesamt anerkenne einen guten Fortschritt in der Bearbeitung der Dossiers.

Instruktionen verschoben

Insgesamt 30 Nachweise muss Bombardier bei der Zulassungsbehörde einreichen. «Ein grosser Teil ist nach wie vor ausstehend», sagt BAV-Sprecher Saladin. Der jetzige Zeitplan von Bombardier sehe vor, dass sämtliche Nachweise bis Ende September eingereicht würden. Das Bundesamt selbst brauche dann noch einen Monat. Damit könnte die Zulassung Ende Oktober da sein – wenn alles klappt.

Die Beschaffung entwickelt sich immer mehr zu einer Pannenserie. Wie die «Eisenbahn-Revue» berichtet, hat der bei der SBB zuständige Projektleiter nach nur acht Wochen aufgegeben. Instruktionsfahrten für Lokomotivführer wurden immer wieder verschoben, wie 20 Minuten weiss. Und öffentliche Auftritte der Bombardier-Führung mit hochrangigen SBB-Kadern gibt es seit einiger Zeit keine mehr.

Fehlendes Material

Hinzu kommt heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen im Bombardier-Werk in Villeneuve VD. Die Zeitung «Le Régional» berichtete letzte Woche mit Verweis auf Mitarbeiter, viele Montagearbeiten müssten bereits kurz nach Durchführung wieder rückgängig gemacht werden. Auch bereits gefertigte Züge würden wieder geändert. Die Kommunikation sei so schlecht, dass die notwendigen Änderungen manchmal gar nicht bis zu den Verantwortlichen durchdrängen. Es bestünden Sicherheitsmängel. Gegenüber RTS berichteten Mitarbeiter zudem von nicht bezahlten Lieferanten und fehlendem Material.

Bombardier-Manager Stefaan Dhaene sagt der Zeitung, Sicherheit habe oberste Priorität. Man halte Normen ein, die viel strenger seien als von den Behörden vorgeschrieben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Konrad TG am 28.06.2017 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld SBB

    Tja, das kommt davon, wenn man statt heimischer Produkte irgend welchen ausländischen Schrott kauft.

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  • Kudi am 28.06.2017 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Beispiel wie man es macht

    Der erste TEE-Zug (der Diesel) brauchte von der Bestellung bis zur Erstfahrt ganze 17 Monate! Das war ein Gemeinschaftswerk mit Holland. Da waren noch Praktiker in allen Positionen.

  • Daniel Düsentrieb am 28.06.2017 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie schä(n)dlich für die Schweiz

    Die Sache hat auch was Gutes. Nächstes Mal stehen due Chancen höher, für einen echten Schweizer Zug von Stadler Rail. - So eklatante Mängel wie Gängigkeit für Rollstühle hätte ich nicht erwartet. Ist ja nicht der erste Zug der das ausweisen muss. Oder war da ev. auch Versagen beim Auftraggeber? Die wahren Gründe werden wohl verborgen bleiben. Hauptsache wir zahlen immer ohne zu murren die Steuern, die dann auch in teure Material-Verspätungen der SBB und deren Seitentaschen verschwinden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Don Logan am 29.06.2017 23:48 Report Diesen Beitrag melden

    unpraktisch

    Mir ist egal, wenn die neuen zweistöckigen Züge noch nicht so schnell auf den Markt kommen. Die bereits Vorhandenen sind einfach nur eng und unpraktisch, vor allem wenn man mit Gepäck unterwegs ist.

  • Paul Schmid am 29.06.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Die Chinesen sollen doch richten..

    Ich möchte mal sagen, wenn die konwezionalstrafe greift, sind die Züge durch alle leeren Termin -versprächungen bald gratis , da freuen wir Kunden uns auf Tariefanpassungen nach unten

  • Th1990 am 29.06.2017 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm?

    Kommen diese Züge den überhaupt jemals?

    • Knallvix am 29.06.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Th1990

      Zuerst müssen die Ausland Lieferungen gemacht werden und dann kommt die Schweiz an Reihe

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  • Susi am 29.06.2017 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Stadler

    Stadler, das ist Qualität! Würde Stadler so langsam liefern wäre der Aufschrei der Schweiz in Australien zu hören!

    • Oskar Bider am 29.06.2017 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      ODEG

      Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) wäre 2012 für die Betriebsaufnahme neuer Linien in der Region Berlin auf die rechtzeitige Lieferung der Doppelstöcker angewiesen gewesen. Zum Fahrplanwechsel stand nicht ein Zug zur Verfügung! Und - anders als bei SBB - konnten nicht einfach alte Züge länger betrieben werden. Lieferantin: Stadler Rail! Es ist auch bei dieser Firma nicht alles Gold was glänzt.

    • Th1990 am 29.06.2017 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Oskar Bider

      Tja, weshalb den Deutsche beliefern, sind doch eh bald alle hier bei uns!

    • martin am 29.06.2017 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      Stadler - ODEG

      bei den Verspätungen der Stadler-Züge für die ODEG geht es um etwas mehr als ein halbes Jahr, bis alle Züge im Einsatz standen. Selbstverständlich ist dies ebenfalls nicht in Ordnung, jedoch kein Vergleich mit der Misere bei Bombardier.

    • Thomas H. am 29.06.2017 19:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Oskar Bider

      Und bei der ODEG lag's daran, dass das EBA Normen geändert hat, und die Umsetzung auch von bereit im Bau befindlichen Zügen gefordert hat. Schuld hat nicht Stadler, sondern der deutsche Amtsschimmel. Stadler musste auch nie eine Strafe bezahlen, denn wo keine Schuld, da keine Busse.

    • Respekt ist alles am 29.06.2017 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas H.

      spannend... stadler musste sehr wohl zahlen

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  • Bieri am 29.06.2017 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    SBB unschuldig

    Die SBB ist hier ausnahmsweise unschuldig. Sie wollte eigentlich die Stalder-Züge kaufen musste aber von Gesetzeswegen die günstigere Offerte von Bombardier nehmen..... Tja das haben wir halt der Kostenkontrolle des Bundes zu verdanken.

    • Herbert Willi am 29.06.2017 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Das ist schlicht falsch. Stadler hatte gar keine geeignete technische Lösung für die geforderte Neigetechnik. SBB hat sich damals bewusst für Bombardiert entschieden. Nicht nur wegen der Kosten.

    • me too am 29.06.2017 17:41 Report Diesen Beitrag melden

      Gut gesagt, aber..

      @Herbert Willli: Genau. Stadler wurde damals Bombardiert. Zu Recht oder nicht.. die Zukunft wird's entscheiden.

    • Peter Derungs am 29.06.2017 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bieri

      Ein typischer Kommentar ohne Fachkenntnis.... Sbb hat die behindertenklage verursacht, und Sbb hat in den ersten DREI Jahren ständig Änderungen verlangt.... Bombardier hat vielleicht ein Drittel der Verspätung verursacht....

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