Marderhund

17. Februar 2009 17:23; Akt: 17.02.2009 18:32 Print

Die unwillkommenen Ausländer

Zum fünften Mal wurde in der Schweiz ein Marderhund entdeckt. Das Tier sieht putzig aus, erwünscht ist es aber nicht - genauso wenig, wie viele andere tierische Grenzgänger.

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Der Kadaver des Marderhundes wurde Ende Januar in Klingnau AG gefunden. Doch am putzigen fuchsähnlichen Wesen erfreuen sich die Behörden nicht – im Gegenteil. Der Marderhund ist ein unwillkommener Ausländer in der Schweiz und wird auf der Liste ungebetener Säugetiere des Bundesamts für Umwelt (Bafu) aufgeführt (siehe Bildstrecke).

Ursprünglich kommt der Marderhund aus dem Fernen Osten. Zwischen Ende der 20er Jahre und 1950 wurde er im europäischen Teil Russlands eingeführt. Von da unternahm er seinen Siegeszug in zahlreiche neue Länder. Über die Schweizer Grenze traut er sich allerdings erst zögerlich. 1997 wurde zum ersten Mal ein Marderhund in der Schweiz dokumentiert. Seither wurden insgesamt fünf Exemplare gesichtet. Der Grund, weshalb man dem Tier kein Asyl gewährt, ist einfach: Er gehört nicht zur einheimischen Artenvielfalt der Schweiz und könnte – im schlimmsten Fall – einheimische Arten verdrängen.

Der zähe Kampf gegen die Grauhörnchen

Die Liste der ungebetenen Säugetiere des Bafu umfasst derzeit 18 Tiere. Sämtliche Tiere wurden bereits in der Schweiz oder im nahen Ausland gesichtet und könnten in naher Zukunft in die Schweiz eindringen. Aber nicht allen Tierarten schaut das Bafu so gelassen entgegen wie dem Marderhund. Die grössten Sorgen bereitet den Wildhütern das Grauhörnchen. Der graue Nussknacker verbreitet sich derzeit rasant in Italien. Mit einer Gesamtlänge von etwa 50 Zentimetern und einem Gewicht zwischen 400 und 700 Gramm ist er grösser und stärker als das einheimische rote, eurasiatische Eichhörnchen. Im Nahkampf ist das rote Eichhörnchen chancenlos.

Die Folgen der imperialistischen Eroberungszüge des Grauhörnchens zeigen sich zurzeit vor allem in Grossbritannien. Die Eindringlinge, die ursprünglich aus Nordamerika stammen, haben sich pandemisch ausgebreitet. Schätzungen gehen heute von 3,3 Millionen Grauhörnchen in England aus. Dem stehen noch knapp 160 000 eurasiatische, rote Eichhörnchen gegenüber. Schottland hat jüngst 1,3 Millionen Pfund ausgegeben, um die graue Plage auszurotten. In Schottland leben 121 000 rote Eichhörnchen – 75 Prozent des Gesamtbestands von Grossbritannien.

Grenzwälder beobachten

Auch in Norditalien haben sich die amerikanischen Hörnchen ausgebreitet und schnuppern bereits bedrohlich an der Schweizer Grenze. «Die Grauhörnchen bereiten uns die grössten Sorgen, weil sie die einheimischen Eichhörnchen komplett verdrängen werden», sagt Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt (Bafu). Bis die Tiere die Schweiz erreicht haben, scheint es nur eine Frage der Zeit. Die Jagd auf die Tiere sei aber schwierig. Dies zeigt der Blick nach Grossbritannien. In Italien verhinderten Tierschutzorganisationen zudem ein Ausrottungsprogramm, was ihre Population weiter vergrössert. Die Schweiz beobachtet derzeit vor allem die Grenzwälder im Tessin. Sollten die ersten Nager einreisen, sind sie zum Abschuss frei gegeben. Auch der Fallenfang wird als Option in Betracht gezogen.

Aktiv gehen die Schützer der hiesigen Artenvielfalt nebst dem Grauhörnchen gegen die Rostgans vor. Diese ehemals aus Privatzuchten entflohene Vogelart breitete sich vor allem im Raum Aargau und Zürich aus und wird bereits seit 2003 gejagt. Trotzdem hat es immer noch hunderte der ungebetenen Gäste in der Schweiz. «Da wurde zu lange gewartet. Deshalb sind wir heute der ungebremsten Ausbreitung kaum mehr Meister». Unter dem Eindringling, der seine Heimat eigentlich in den Steppen und Halbwüsten Innerasiens und in Nordafrika hat, leidet vor allem die einheimische Vogelpopulation.

Aufmerksam verfolgen die Wildhüter zudem die Wanderung der Schwarzkopfruderente. Auch sie stammt ursprünglich aus Amerika und macht der heimischen Weisskopfruderente den Platz streitig. Allerdings werden in der Schweiz nur vereinzelt Tiere gesichtet.

Auch im Falle des Marderhundes von Klingnau ist die Situation übersichtlich. Die Wildhüter jedenfalls machen sich noch keine grossen Sorgen. Schnidrig: «Wir beobachten die Situation, besorgniserregend ist sie aber noch nicht».