Zebrastreifen-Massnahme

29. Februar 2012 16:40; Akt: 29.02.2012 17:01 Print

Diese Balken sollen Autofahrer wachrütteln

von Jessica Pfister - In der Debatte um sichere Zebrastreifen im Ständerat sorgte am Dienstag ein Begriff für Aufsehen: Vibrationsplatten. Jetzt ist klar, worum es sich dabei handelt.

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Die sogenannten Rüttelstreifen (rechts im Bild) sollen Autofahrer auf Zebrastreifen aufmerksam machen. Beim Überqueren der Balken aus Kaltplastik vibriert das Auto. (Bild: key/pd)

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Der Ständerat will die Sicherheit auf Fussgängerstreifen verbessern. Er hat am Dienstag beschlossen, dass der Bund künftig bauliche Vorgaben für Zebrastreifen erlassen kann. Ein erster Vorschlag, wie diese aussehen könnten, sorgte allerdings für Verwirrung. So sprachen Ständerat Thomas Minder und Bundesrätin Doris Leuthard von Vibrationsplatten auf der Fahrbahn, die Autofahrer auf Fussgängerstreifen aufmerksam machen sollten. Minder hatte bei einem Ferienaufenthalt in Spanien Erfahrung mit solchen Platten gemacht. «Da rüttelt der ganze Wagen», sagte er im Rat.

Das Wort Vibrationsplatten ist allerdings weder den Experten beim Touring Club Schweiz (TCS) noch dem Bundesamt für Strassen (Astra) ein Begriff. Thomas Rohrbach vom Astra hat aber eine Ahnung, was Minder damit gemeint haben könnte: «Es handelt sich dabei wohl um Balken quer über die Strasse, die beim Überfahren im Fahrzeug Vibrationen und Geräusche auslösen.» Die sogenannten Rüttelstreifen wurden im Juli 2011 auf Strassen im Kanton Bern im Rahmen eines schweizweit einmaligen, auf ein Jahr befristeten Pilotversuches angebracht - jedoch nicht vor gefährlichen Zebrastreifen, sondern vor unfallreichen Kurven.

«Es rumpelt jedesmal»

Das Problem bei den rund 50 Zentimeter breiten und maximal 1,5 Zentimeter hohen, weissen Balken aus Kaltplastik: der Lärm. «Jedes Mal, wenn ein Auto darüberfährt, hören es die Anwohner rumpeln», sagt Rohrbach. Kein Wunder also, dass das Tiefbauamt des Kantons Bern die Rüttelstreifen in den Wohngebieten wieder abbauen musste. Momentan sind die Balken, die in der Nacht reflektieren, nur noch auf Strassen ausserorts angebracht.

Neben dem Lärm sieht Rohrbach noch ein weiteres Problem: «Für Motorradfahrer ist der Belag der Streifen gerade bei nassen Strassenverhältnissen gefährlich.» So könnten die Motorräder im schlimmsten Fall wegrutschen. Für den Astra-Sprecher sind die Rüttelstreifen deshalb nur eine von unzähligen möglichen Massnahmen für sichere Fussgängerstreifen. «Zuerst muss nun der Nationalrat dem Bund ebenfalls erlauben, bei den Zebrastreifen einzugreifen.» Die Grosse Kammer entscheidet vorraussichtlich im Juni darüber.

Bund soll rasch Massnahmen präsentieren

Ständerat Minder hingegen fordert vom Bund, bereits heute über die Bücher zu gehen: «Frau Leuthard muss so schnell wie möglich geeignete bauliche Massnahmen präsentieren.» Er bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass es sich bei den Vibrationsplatten - die Bezeichnung stammt von ihm selbst - wohl um Rüttelstreifen handelt. Er ist von dieser Massnahme überzeugt. «Die rütteln also jeden wach.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Für mich die einzige sinvolle Lösung: den Fussgängern das Vortrittsrecht entnehmen. In verschiedenen nordischen Ländern funktioniert dies wunderbar! Und die Fussgänger warten desswegen nicht minutenlang bis sie über die Strasse können. Es gibt genug vernünftige Autofahrer die den Fussgängern den Vortritt gewähren. Schade nur, dass unsere lieben Politiker das nicht einsehen und weiterhin das Gefühl haben, dem Schwächeren gehört der Vortritt. Was nützt dies, wenn der Fussgänger unter dem Auto liegt? – Mathias Nohl

Und wer rüttelt die Fussgänger wach? Die sind in vielen Fällen nicht so unschuldig! – Paul Reim

In den USA gibts vor den Fussgängerstreifen mancherorts im Boden eingelassene LEDs die angehen, wenn man den Fussgängerstreifen betritt. Die leuchten wenn man über den Streifen will und sie leuchten nicht, wenn niemand über den Streifen will. DAS wäre Service. Alles andere ist Quatsch. Die Fussgänger-hat-in-jedem-Fall-Vortrittsregel ist für mich definitiv gescheitert. Nur Quängeler und Sturköpfe sehen das nicht ein. – Dan Waughn

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 01.03.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    entfernt mal die Werbungen

    viel zu viele Schilder und Plakate. Dahinter wirken selbst farbige Kleidungen wie Tarnmuster.

  • A.L. am 01.03.2012 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlose Lösung

    Ist sicher keine gute Lösung! Die Autos leiden da wohl sehr. Wenn der Bund dies durchsetzt soll er mir der Unterhalt meiner Reifen, Stossdämpfer und die Aufhängung bezahlen! Ansonsten bremse ich vor jeder dieser Rüttelstreifen auf Schrittgeschwindigkeit runter. Stau ist da wohl vorprogrammiert und ausserdem sehe ich die getarnten Fussgänger nicht besser...

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  • tom keller am 29.02.2012 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grotesk

    grotesk: jeder verkehrsteilnehmer muss gewisse voraussetzungen erfüllen: vorder- und rücklicht, strahler zusätzlich an fahrrädern und mofas und und und. nur von den fussgängern wird als einzige gar nichts per gesetz verlangt. jetzt sollen wieder die steuerzahler dafür aufkommen. zur sicherheit müssen alle beitragen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 02.03.2012 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist so schwer daran?

    Ich habe hier soviel gelesen, dass ich nur noch den Kopf schüttel. Frage mich wirklich, ob wir alle geistig überhaupt noch auf der Höhe sind u meine damit jetzt nicht die Kommentare (wobei man das bei einigen sicher fragen könnte), sondern die Regelung am Streifen. In D z.B. funktioniert diese Regelung seit ungefähr 1964 u hat im Verhältnis zur CH eine geringere Unfallquote. Woran liegt das nur? Sind wir in der CH alles stumpsinnige Lenker u Fussgänger, welche sich einfache Regeln nicht merken können u nur ihrem Ego folgen?

  • Shea am 02.03.2012 00:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bösartige Kommentare

    Mir drehts den Magen um, wenn ich lese, wie arrogant hier Autofahrer pauschal alle Fussgänger verurteilen und für sich den Vortritt überall verlangen. Ich hoffe, das Benzin wird bald so teuer, dass sich das Problem von allein löst. Diese Dreckschleudern verpesten sowieso den Planeten.

  • Mathias Nohl am 01.03.2012 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Vortritt entziehen

    Für mich die einzige sinvolle Lösung: den Fussgängern das Vortrittsrecht entnehmen. In verschiedenen nordischen Ländern funktioniert dies wunderbar! Und die Fussgänger warten desswegen nicht minutenlang bis sie über die Strasse können. Es gibt genug vernünftige Autofahrer die den Fussgängern den Vortritt gewähren. Schade nur, dass unsere lieben Politiker das nicht einsehen und weiterhin das Gefühl haben, dem Schwächeren gehört der Vortritt. Was nützt dies, wenn der Fussgänger unter dem Auto liegt?

  • Remo W. am 01.03.2012 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverstand

    Das Problem sind nicht die Autofahrer, sondern der gesunde Menschenverstand. Fussgängerstreifen, welche sich 1 Wagenlänge vom Kreiselausgang befinden gehören abgeschafft. Darüber hinaus DARF ein Fussgänger NICHT einfach die Strasse überqueren, sondern soll gefälligst nach Warte, Luege, Lose handeln. Warum ist das noch nicht so? Ganz einfach: Wenn unsere Politiker diese Probleme restlos regeln würden, hätten sie gar keine Themen mehr, die sie behandeln können. Wo wir beim Thema Wahlkampf währen

  • Mike L am 01.03.2012 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Öko vs. Energievernichtung

    Was ich immer so lustig finde: Alle machen einen auf Öko, und wollen, dass Autos möglichst nichts mehr verbrauchen, hören darf man sie auch nicht mehr, sehen sowieso nicht, und Fussgänger sollten bei einem "Crash" möglichst auf einer Daunenmatratze landen. Ok. Wieso müssen dann Autos wegen jedem Mist anhalten und wieder beschleunigen? Das kostet je nach häufigkeit sicher 50% mer Sprit. Dann jedes Anfahren geht auf die Kupplung, Der Motor heult auf und auch Reifen werden mehr abgenutzt. Kann mit mal einer der Pro-Grünen sagen, wo da der Sinn ist?