Fussball

27. Februar 2019 08:12; Akt: 27.02.2019 08:19 Print

Diese Eltern-Typen stehen bei dir am Spielfeldrand

Gewisse Eltern tun einfach alles, um ihrem Kind einen Vorteil zu verschaffen. Einige schreien, andere bringen Kuchen mit – oder bestechen gar den Trainer.

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Gemäss internen Quellen hat der Schweizer Rekordmeister Grasshoppers Club Zürich Ende des vergangenen Jahres einen Juniorentrainer freigestellt, der Geldsummen von Eltern angenommen hatte, um Kinder im Nachwuchs von GC zu integrieren. Dass Eltern über die Stränge schlagen, wenn es um den Sport ihres Kindes geht, ist nichts neues. Vor allem im Fussball haben einige Vereine darum Vorkehrungen treffen müssen, um Eltern auf ihre Plätze zu weisen.

«Erlebnis vor Ergebnis»: So titelt der Schweizer Fussballverband etwa die Informationskampagne, die an Eltern von Schweizer Juniorenfussballer gerichtet ist. Darin werden Eltern aufgefordert, den Kindern keine Anweisungen zu geben, sie nicht anzuschreien und sich nicht aufregen, wenn die Kinder ausgewechselt werden. Zum Thema «Fairplay am Spielfeldrand» gibt es sogar mehrere Erklärvideos.

Auch Verbände reagieren

Verschiedene Clubs haben die Problematik erkannt. In der Innerschweiz müssen Eltern bei Juniorspielen drei Meter Abstand zum Spielfeld wahren, damit Spiele ungestört verlaufen können. Im Fussballverband der Region Zürich müssen Eltern von 9- bis 10-jährigen Nachwuchsfussballern gar einen Sicherheitsabstand von fünf Metern vom Spielfeldrand einhalten.

Grund dafür seien zunehmende Diskussionen der Eltern mit Schiedsrichtern, Trainern oder anderen Zuschauern, die den Spielverlauf störten. Doch wer sind diese Eltern eigentlich? Wir haben eine Typologie zusammengetragen:

Der Aggressive

Spätestens 5 Minuten nach Spielbeginn kann er sich nicht mehr zurückhalten: Kraftausdrücke und emotionale Ausbrüche, die ihn dazu bewegen, das Spielfeld zu stürmen, sind bei ihm an der Tagesordnung. Er gehört zu den ersten, die sich prügeln – sei es mit anderen Vätern, dem Schiedsrichter oder dem Trainer.

An seinen guten Tagen prügelt er sich nicht, sondern beleidigt und mobbt leidenschaftlich gern die Spieler des gegnerischen Teams. Auch die Schiedsrichter müssen sich immer wieder so einiges anhören. Und wenn die Mannschaft seines Juniors verliert, bekommt dieser sogar der nach Abpfiff sein Fett weg.

Die Tiger-Mom

Nur Durchschnitt zu sein, reicht ihr nicht. Ihr Kind ist speziell – und es soll gefälligst auch so auftreten. Macht der Junior einen Fehler, wird er zurechtgewiesen, angeschrien und bestraft, bis er es gelernt hat. Nach einer Niederlage etwa muss der Junior sogar nach Hause laufen, anstatt gefahren zu werden. Was andere Eltern von ihren Erziehungsmethoden halten, interessiert sie nicht. Denn die sind schliesslich nur Durchschnitt.

Der Fussball-Experte

Er weiss sowieso alles immer am besten: Welche Auswechslungen wann strategisch sinnvoll sind (diejenige seines Sohnes ist es natürlich nie), die taktische Aufstellung und die optimalen Positionen der Junioren. Deshalb übernimmt er vom Spielfeldrand aus auch gleich die Rolle des Trainers.

Der Über-Fürsorgliche

Wird sein Kind auch nur angehaucht, will er am liebsten aufs Spielfeld rennen, um den vermeintlichen Übeltäter eigenhändig vom Platz zu stellen. Stattdessen muss er sich damit begnügen, den Schiedsrichter lautstark dazu aufzufordern, eine rote Karte zu zeigen – mindestens. Natürlich ist er der private Chauffeur seines Sohnes, auch dessen Sandwichs streicht er persönlich.

Der Selbstausbeuter

Sein Sprössling ist nicht der talentierteste im Team und hat den Sprung in die Mannschaft nur knapp geschafft. Um die Chancen des Nachwuchses auf eine grossartige Spielerkarriere trotzdem intakt zu halten, tut er alles, um im Team selbst unentbehrlich zu werden. Er wäscht Trikots, ist Begleiter während dem Fussballcamp, fährt jedes Wochenende das halbe Team zu den Spielen und bringt immer wieder Gipfeli und Kuchen mit.

Der Skrupellose

Gewinnen um jeden Preis, denn der Zweite ist immer der erste Verlierer. Schon Wochen vor Saisonbeginn schmiedet er Pläne, wie er dem Sohn eine Fussballerkarriere sichern kann. Er schreckt darum nicht davor zurück, grosse Summen in die Hand zu nehmen: Um Trikot-Sponsor zu spielen, das nächste Trainingslager mitzufinanzieren oder direkt den Trainer anzugehen und ihm eine grosse Summe zu übergeben. All das, damit sein Sprössling jedes Wochenende in der Startelf steht.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chupachup am 27.02.2019 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So sieht es aus

    Ich habe einmal ein Junioren Hallenturnier gepfiffen.Nach 5 Minuten habe ich den Trainer vom Platz gestellt, da er die Kids (5Jährig) zusammenstauchte aber unter aller Kanone.Den Eltern habe ich schon angeboten selber zu pfeifen.Diese Theater habe ich dreimal mitgemacht und die Pfeife an den Nagel gehängt.Manche Kinder werden so gepuscht obwohl sie Talentfrei sind und vermutlich nicht mal die Schuhe richtig anziehen können.

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  • Dä Jesus am 27.02.2019 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schiri leben gefährlich

    Ich bin selbst Schiri Ein Spiel musste ich Abpfeiffen, da der Vater eines Spielers (der überhaupt kein gutter Tag erwischte - Rot nach 4 Minuten, wegen Tätigkeit) das Feld stürmte und mir eine "Pflättere" schmierte... Danach ist er so ausgerastet, dass wir die Polizei holen musste... Jedoch mache ich mein Hobby mit Stolz und sehr gerne...

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  • René am 27.02.2019 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung!

    Der Fussballsport kann nichts dafür, es ist die Gesellschaft!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Juniorenobmann am 28.02.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Die Werte im Fussball schwinden

    Ein Verein hat es immer wie schwerer ehrenamtliche Trainer und Funktionäre zu finden. Die Ansichten und Vorstellungen der Eltern gegenüber dem Verein sind meist auf Spitzensport-Ebene. "Wir zahlen Geld, also dürfen wir etwas erwarten" ist meist deren Aussage. Da geht es im Schnitt um CHF 300.- im Jahr. Der Vergleich gegenüber Spitzenmannschaften wird vom Verband gesteuert, somit entsteht die Unzufriedenheit gegenüber den Trainern, Ausbildung usw.! Man hat immer mehr Auflagen und steht unter Kontrolle. Man soll froh Fussball spielen zu dürfen. Es gibt genügend Kinder auf Wartelisten!

  • Ex Trainer am 28.02.2019 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung von Fussball

    Die besten sind die was überhäupt keinen Ahnung von Fussball haben aber trotzdem in jeden Spiel ausrufen und reklamieren Und wehe ihr Sohn oder Tochter ist nicht Aufgeboten für ein Spiel gibts gleich Diskussionen bla bla .... Liebe Eltern Ein guten Tipp ich war lange Juniorentrainer lasst denn trainer seine Arbeit machen er weiss wie er seine Spiele einsetzt und was er macht

  • Buffon am 28.02.2019 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsere Kinder

    Ich bin Trainer und habe selber Söhne die spielen. Der eine hat das talent und ist schon weit gekommen. Habe Ihn dabei unterstützt und mache es weiterhin. Der zweite ist en bisschen fauler aber geht immer freiwillig ins Training, hätte auch talent aber setzt nicht voll auf Fussball. Ihm geht es mehr um Freundschaft und zusammen sein und das las ich Ihm,aber Unterstüze Ihn genau gleich wie der andere. Ihr müsst eure Kinder einfach lieben und sie machen lassen.Sie fragen schon von sich aus wie es war.

  • Sila am 28.02.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Kategorie vergessen

    Es gibt aber sicher auch die, die einfach ihr Kind in dessen Tun unterstützen und motivieren; ohne mehr zu wollen.

  • Nicole am 28.02.2019 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball

    Es gibt auch Mädchen die Fussball spielen!