Gelbkapuziner gesichtet

17. September 2012 23:41; Akt: 18.09.2012 00:52 Print

Diese Fallen sollen Kelso schnappen

von D. Wild - Zum ersten Mal seit zwei Wochen gibt es ein Lebenszeichen von Affe Kelso. Eine Passantin hat ihn im Schrebergarten nahe des Zoos beobachtet. Das Äffchen zu fassen bleibt aber schwierig.

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Der am 28. August 2012 aus dem Zoo Zürich entwischte Gelbkapuzineraffe Kelso hat ein Lebenszeichen von sich gegeben. Eine Frau will den Affen Ende letzte Woche im Schrebergarten südlich des Fifa-Hauptsitzes beobachtet haben. Es ist der erste brauchbare Hinweis seit Kelsos Verschwinden. Bis die Passantin den Zoo alarmieren konnte, war der Kapuziner jedoch bereits wieder verschwunden. Fallen, die im Schrebergarten aufgestellt sind, sollen helfen, Kelso einzufangen. Doch der Teller im Innern der Falle ist leer - Mäuse haben das Lockfutter gefressen und ihren Kot hinterlassen. Weil die Mäuse für die Waage zu leicht sind, schnappt die Falle nicht zu. Erschwerend kommt hinzu, dass Kelso im Schrebergarten genügend Futter findet: Offenbar hat er Zucchettis angeknabbert. Die Schrebergartenbesitzerin Mara A. hat extra Bananen für Kelso mitgebracht. «Ich schaue immer mal wieder in die Baumwipfel», sagt die Hobbygärtnerin. Eine Tafel des Zoos weist die Schrebengartenbesitzer darauf hin, dass sich der exotische Gast womöglich hier befindet. «Ich würde mich sehr freuen, ihn zu sehen», sagt Regina F. Mit Hightech-Geräten auf Affensuche: Geräusche von Artgenossen werden ab Band gespielt, um Kelso anzulocken, mit Fotofallen hofft das Zoo-Team, ein eindeutiges Lebenszeichen des Kapuziners zu erhalten. Larissa B. kommt manchmal mit ihrer Mutter über Mittag in die Schrebergärten. «Ein Kapuzineräffchen als Nachbar? Warum nicht.» Ausserhalb der grünen Idylle ist wenig von der fieberhaften Affensuche des Zürcher Zoos zu spüren. «Ich würde nicht auf die Idee kommen, den Affen zu suchen», sagt Fabian. Claire-Lise F. sorgt sich um den Affen. «Was, wenn er sich verletzt oder von Krähen oder Füchsen angegriffen wird?» Solange Kelso in den Schrebergärten noch genug zu Fressen findet, wird es ihm gut gehen. Gleichzeitig erschwert das Angebot die Suche des Zoo-Teams nach dem Kapuziner. Zoo-Direktor Alex Rübel hofft deshalb weiterhin darauf, dass Passanten oder Hobbygärtner den Affen entdecken.

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Eine dichte Hecke grenzt die Schrebergärten südlich des Fifa-Hauptsitzes in Zürich von der Aussenwelt ab, ein schweres Gittertor schützt die grüne Idylle vor unerwünschten Gäste. Es ist fast Mittag im kleinen Gartendorf, noch giesst kaum jemand sein Gemüse. Dass Kelso hier aufgetaucht ist, überrascht nicht, es ist ruhig, der Wald nicht weit entfernt und an den Bäumen hängen reife Früchte.

Der Hinweis einer Frau, wonach der Affe um die Gartenhäuschen gehuscht sei, ist das erste Lebenszeichen des Gelbkapuziners, seit dieser vor zwei Wochen aus dem Zoo entwischt ist. Doch die Passantin hatte kein Mobiltelefon bei sich und konnte den Zoo erst alarmieren, als sie wieder zu Hause war. Bis dahin fehlte von Kelso wieder jede Spur. Jetzt erinnern Zettel beim Eingang des Schrebergartens an die mögliche Anwesenheit des Affen. «Wir haben sichere Hinweise, dass Äffchen Kelso hier in der Nähe ist», steht auf einer Tafel. Schrebergärtner werden aufgefordert, sich umgehend beim Zoo zu melden, wenn sie Kelso sehen.

Mäuse räumen die Fallen aus

«Es wäre schon toll, ihn zu entdecken», sagt die Schrebergartenbesitzerin Regina F. Der Affe wäre ein gern gesehener Gast - obwohl er bereits unliebsame Spuren hinterlassen hat. «Einer Freundin wurden die Zucchetti angeknabbert, vermutlich von Kelso.» Zu Fressen hat der Kapuziner hier genug. «Mich wundert es nicht, dass er nicht in eine der Fallen tappt. Die Mäuse haben da alles Lockfutter weggefressen», sagt sie schmunzelnd. «Da würde ich auch nicht reingehen.»

Tatsächlich - in den Käfigen, jeweils etwa doppelt so gross wie eine Bananenschachtel, stehen kleine Teller. Doch statt eine frische Frucht für Kelso liegt Mäusekot herum. Mara A. hat deshalb extra selber frische Früchte für den Kapuziner mitgebracht. Vor ihrem Gartenhäuschen liegen Bananen bereit. Das Handy hat sie auch während der Gartenarbeit stets griffbereit. «Ich schaue immer mal wieder in die Baumwipfel», so A.

Geräusche von Artgenossen ab Band

Was für Kelso eine Freude ist, ist für das Team von Zoo-Direktor Alex Rübel ein Erschwernis: Kelso wird es kaum für nötig halten, in den Fallen nach Futter zu suchen. Doch das Lebenszeichen stimmt Rübel zuversichtlich. «Ich bin froh, scheint es ihm gut zu gehen.» Neben den Fallen sollen Geräte, die Geräusche von Kelsos Artgenossen ab Band abspielen, den kleinen Affen zu den Gitterboxen locken.

«Wenn wir Glück haben, sind wir beim nächsten Hinweis genug schnell an Ort und Stelle», sagt Rübel. Er hofft weiterhin darauf, dass Passanten oder Schrebergärtner den Affen möglichst bald entdecken. «Es bleibt eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen», resümiert der Zoo-Direktor.


Der kleine Kelso versteckt sich in einem Schrebergarten nahe des Zürcher Zoos. Die Schrebergärtler wollen ihm helfen. (Video: Keystone)