Fans trauern um Neonazi

13. März 2019 05:43; Akt: 13.03.2019 08:46 Print

Diese Fangruppen haben ein Extremismus-Problem

GC-Anhänger trauerten um einen verstorbenen Neonazi. Kein Einzelfall: Schweizer Fangruppen schliessen sich mit extremen Kreisen zusammen.

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Nachdem Anhänger der GC-Fangruppe Blue White Bulldogs 98 (BWB 98) öffentlich um einen verstorbenen deutschen Neonazi aus dem Umfeld des FC Chemnitz getrauert haben, distanziert sich der Club von Rassismus. Mit dieser Haltung sind nicht alle einverstanden: «Selbst beim Tod machen die Linken nicht halt», schreibt ein Anhänger im GC-Forum zur kritisierten Trauer am Rechtsextremen.

Die Nähe der Gruppierung BWB 98 zu rechtsextremen Kreisen ist seit längerem bekannt. Auf einem Foto, das 20 Minuten vorliegt, ist zu sehen, wie einer ihrer Anführer 2016 mit deutschen Neonazi-Hooligans vor einer grossen Reichskriegsflagge posiert. In der GC-Kurve spiele BWB 98 eine wichtige Rolle, sagt ein Vertrauter der Szene. «Bei der Gruppe sind definitiv Rechtsextreme dabei.»

GC-Kurve steht nicht dahinter

Grosse Teile der restlichen GC-Kurve stünden zwar nicht hinter der Ideologie. «Dass die Bulldogs nach rechts offen sind und keine Berührungsängste haben, wird von vielen sehr kritisch gesehen. Weil die Kurve im Moment so schwach aufgestellt ist, werden sie aber toleriert.» Um den Kurvenfrieden zu wahren, dürften Anhänger von Chemnitz, die zu einem grossen Teil rechts aussen positioniert sind, bei ihren Besuchen in der Schweiz keine Merchandising-Produkte verkaufen. Die Fan-Freundschaft mit ihnen werde aber von der ganzen Kurve getragen.

Es sei nicht das einzige Beispiel von Gruppierungen mit Kontakten zu deutschen Fangruppen, die im rechtsextremen Umfeld verkehrten. So pflege die Basler Gruppierung Bande Basel Kontakte zu Nazi-Hooligans aus dem Umfeld des Klubs Lok Leipzig. Der Neonazi R. P. aus Basel gehört der Basler Gruppierung 187 an und trat an einem Kampfsport-Event von Neonazis auf – mit dem Emblem der Muttenzerkurve auf der Brust, wie der «Sonntagsblick» berichtete. Die beiden Gruppierungen bildeten aber nur einen kleinen Teil der Basler Kurve ab, so der Insider. So gebe es auch eher links eingestellte Gruppierungen.

Unpolitische Ultras

Die Ultras, die im Gegensatz zu den gewaltbereiteren Hooligans den grösseren Teil der Fankurven stellen, betrachten sich sowieso als unpolitisch. Eine Person, die gut mit einem Schweizer Super-League-Klub vertraut ist, sagt: «Politische Statements von Ultras im Stadion, die nichts mit dem Fussball zu tun haben, gibt es nicht.» Die Kurven seien heterogen zusammengesetzt. Fankurven könnten keiner konkreten politischen Haltung zugeordnet werden. In Bern beispielsweise seien die YB-Anhänger der Urban Squad eher links zu verorten. Ins Stadion trügen sie diese Haltung aber nicht.

Zürcher Anhänger pflegen gemäss Insidern eine Fan-Freundschaft mit Anhängern des Karlsruher SC, die sie im letzten Mai bei einer Strassenschlacht in Basel unterstützt hatten. Diese endete mit wüsten Jagdszenen. Anhänger des FC St. Gallen pflegen Freundschaften mit Anhängern des SSV Reutlingen. Erst im Februar trafen sie sich zu einem gemeinsamen Kampf gegen Anhänger des FC Zürich, wie ein Eintrag auf Facebook zeigt.

Politik gegen Hooligans

Dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) sind darüber hinaus Fan-Freundschaften etwa von Anhängern des FC. St. Gallen und des FC Maribor bekannt. Hooligans aus dem St. Galler Umfeld lieferten sich beim Champions-League-Spiel gegen Spartak Moskau vor zwei Jahren Strassenschlachten mit der slowenischen Polizei, wie FM 1 Today berichtete. Andere Fan-Freundschaften bestünden etwa zwischen Anhängern des FC Basel und Dynamo Dresden, sagt Fedpol-Sprecherin Lulzana Musliu.

Die internationale Vernetzung sei mit ein Grund, dass die Zahl der ausländischen Personen in der Hooligan-Datenbank deutlich zugenommen habe. Vor fünf Jahren verzeichnete die Datenbank noch 50 ausländische Hooligans, Ende Januar waren es 154. Die Zahl habe sich auf «hohem Niveau stabilisiert», so Musliu. Gleich bleibt auch die Struktur der Fangewalt: «In der Hooligan-Datenbank sind überwiegend junge und männliche Personen.»

Die Politik will nun härter gegen Auslandsreisen von gewalttätigen Anhängern vorgehen. Der Nationalrat hat Anfang Monat eine Änderung des Übereinkommens gegen Gewalt im Sport genehmigt. Damit sollen präventive Massnahmen gestärkt werden – etwa Ausreisesperren gegen Hooligans. Als Nächstes entscheidet der Ständerat.

(20M)