Angriff auf Zahnschmelz

12. Juli 2019 04:45; Akt: 12.07.2019 08:59 Print

Diese Getränke schaden den Zähnen am meisten

Ein Schweizer Forscher hat Dutzende Getränke und Speisen auf ihre Schädlichkeit untersucht. Die Hersteller verweisen auf die Natur.

Die Dentalhygienikerin Vivianne zeigt, wie man die Zähne richtig putzt. (Video: F. Naef)
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Der Konsum von Coca-Cola, Red Bull und Säften steigt. Doch ihre Säuren greifen den Schmelz an, der unsere Zähne schützt. Das wird Erosion genannt. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass die Zähne schmerzen und sich verfärben. Von einem «zunehmenden Problem» spricht Adrian Lussi, Professor der Universität Bern.

Der Zahnmediziner und Chemieingenieur hat in einer neuen Studie über 100 Getränke, Speisen und Medikamente auf ihre Schädlichkeit untersucht – mit erstaunlichen Resultaten. Das Getränk mit dem grössten «erosiven Potenzial», das im Test die grösste Abnahme der Härte des Zahnschmelzes zur Folge hatte, ist reiner Hibiskus-Tee.

Neocitran greift Zähne an

Von Zahnerosion sind gemäss der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft etwa ein Drittel der 26-bis 30-Jährigen und fast die Hälfte der 45- bis 50-Jährigen betroffen. Die Folgen können sehr schmerzhaft sein – etwa, wenn die Zähne auf ungewohnte Temperaturen empfindlich werden. Zudem können sich die Zähne verfärben. Laut Zahnmediziner Lussi sind Erosionen ein immer grösser werdendes Problem, weil Menschen heute mehr saure Lebensmittel und Getränke konsumieren.

Einen besonders negativen Einfluss auf die Zähne haben gemäss der Studie auch Rivella Blau, Fanta Orange und die Light-Versionen von Coca-Cola und Pepsi Cola. Alkoholische Getränke wie Bacardi Breezer Orange oder Smirnoff Ice und Medikamente wie Neocitran greifen die Zähne ebenfalls stark an – genauso wie gewisse Süssgetränke für Kinder. Die viel gescholtenen Energy Drinks sind weniger schädlich, aber immer noch «stark erosiv» (siehe Bildstrecke).

Diese Getränke, Speisen und Medikamente schaden ihren Zähnen am meisten

Für die Studie hat Lussi Zähne benutzt, die Zahnärzte gesammelt haben. Er setzte sie jeweils zwei Minuten den Substanzen aus. Die Resultate zeigen: Eine wichtige Rolle spielt der pH-Wert. Er gibt an, wie sauer oder basisch ein Getränk ist. Getränke mit tiefen Werten schädigen die Zähne mehr. Es gibt Ausnahmen: «Rotwein hat einen relativ tiefen pH-Wert und ist trotzdem nur wenig erosiv», sagt Lussi.

Das liege an den sogenannten Polyphenolen, die die schädliche Wirkung aufheben würden. «Welche das genau sind, wissen wir noch nicht», so Lussi. «Wir versuchen, das herauszufinden. Die entsprechenden Polyphenole könnte man in eine Mundspülung tun, die zur Prophylaxe der Erosion dienen könnte.»

Bier ist für Zähne nicht gefährlich

Nicht bei allen Produkten sei klar, weshalb sie so schädlich seien. Beim Hibiskus-Tee müsse es etwa an Substanzen in der Pflanze liegen, sagt Lussi. Umgekehrt habe er noch keine genaue Erklärung dafür, weshalb Bier keine Erosionen verursache. «Es hängt mit Proteinen im Bier zusammen, aber welche genau verantwortlich sind, wissen wir noch nicht.»

Für gewisse Getränke würde es eine einfache Lösung geben, um ihr erosives Potenzial zu senken. Orangensaft kann etwa Kalzium beigegeben werden – wie es in den USA üblich ist. Ihr hoher Kalziumgehalt sei auch der Grund, weshalb Joghurts deutlich weniger schädlich seien als Light-Produkte wie Coca-Cola Light, so Lussi.

Light-Getränke sind schädlicher

Dort funktioniert der Kalzium-Trick nicht – wie bei allen Getränken mit einem pH-Wert von unter 4. Light-Getränke sind schädlicher, weil ihnen Zitronensäure beigesetzt wird. «Diese ist schädlicher als Kohlensäure», sagt Lussi.

Um die Zähne zu schützen, empfiehlt Lussi, nicht in kleinen Schlucken, sondern zügig zu trinken. Es helfe auch, den Mund mit Wasser zu spülen. Das sei aber bei gesunden Menschen nicht nötig. «Wichtig ist, mit dem Zähneputzen nach dem Essen nicht zu warten», so Lussi. Die weit verbreitete Meinung, man müsse 30 Minuten warten, sei kontraproduktiv. Nichts hält Lussi vom Trinken mit Röhrchen: «Sie werden häufig falsch angesetzt und bringen nichts. Aus Umweltschutz-Sicht sind sie zudem überhaupt nicht sinnvoll.»

«Säure vermittelt Frische»

Christiane Zwahlen vom Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten sagt, die Erosion sei kein Problem, das spezifische Getränke betreffe. «Massgebend ist nach wie vor eine gute Mundhygiene», sagt sie. Regelmässiges Zähneputzen sei wichtig. Sei das nicht möglich, soll mit Wasser gespült oder mit einem Zahnkaugummi neutralisiert werden.

Bei der Erosion spielten verschiedene Faktoren eine Rolle, sagt Zwahlen. Getränke seien im Vergleich zu anderen Lebensmitteln nur kurz in der Mundhöhle. Die Neutralisation durch den Speichel geschehe dementsprechend schnell, weil Getränke «schnell und vollständig abfliessen».

«In der Natur kommen sehr viele verschiedene Säuren vor», sagt Zwahlen. Allein ein Apfel enthalte Ascorbinsäure, Apfelsäure, Bernsteinsäure, Essigsäure, Glutaminsäure, Weinsäure und Zitronensäure. In Lebensmitteln vermittle die Säure «Frische, Bekömmlichkeit und Spritzigkeit».

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alter von der Vogelweide am 12.07.2019 05:12 Report Diesen Beitrag melden

    Prost

    Bin ich froh, dass Bier und Rotwein kein "erosives Potential" haben. Glück gehabt.

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  • Lina am 12.07.2019 05:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saure Gurken Zeiz

    Uns wurde beigebracht, nach säurehaltigen Getränke und Speisen 20 - 30 Minuten zu warten mit dem Zähne putzen. Genau wegen der Säure, da die in kombination mit Zahnpasta verherende Folgen haben kann für die Zähne. Ich bin 78 Jahre jung, hab mich immer an diese Regel gehalten und hab immer noch meine Zähne und kein Gebiss. Also, was soll diese saure Gurken Zeit Studie bringen? Nur verunsicherungen. Ach ja , überigens auch ich trink RedBull zwischendurch und auch Süssgetränke.

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  • Beobachter am 12.07.2019 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteh das Einer

    Dieser Artikel bringt genau nichts. Einer sagt das, die Andere jenes.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • magoA am 13.07.2019 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit ins grab nehmen

    bis zu meinem ableben reichen meine zähne noch . putze und pflege ganz normal.mehr brauch ich nicht

  • I_AM_VAMPIRE am 13.07.2019 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha

    Klar kann das schaden anrichten. Ich würde aber sagen, das viele Leute selbst schuld sind weil sie ihre Zähne nicht richtug putzen oder gar nicht

  • Hotwith am 13.07.2019 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und wieder

    wie oft sagte ich light produkte sind schlechter alls normale.

    • Roger H. am 13.07.2019 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hotwith

      Ach, wie ich doch immer so schön zu sagen pflege... Warum hört mir denn keiner zu? (Ironie aus!)

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  • Mensch am 13.07.2019 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    herausgefunden

    Ein Schweizer Forscher hat herausgefunden, dass alle Lebensmittel schädlich für den Menschen sei,en und deshalb der Mensch eigentlich längst ausgestorben sein sollte.

  • Der Dreckige am 13.07.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstversorgung

    Ist mein eigener Urin für die Zähne auch schädlich?

    • E.Tagarien am 13.07.2019 21:07 Report Diesen Beitrag melden

      Seich

      Nein Urin ist basisch und somit sogar gesund da er Säuren neutralisieren kann...

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