Greenpeace-Stichprobe

12. Oktober 2018 14:48; Akt: 12.10.2018 15:40 Print

Diese Händler sind die grössten Plastik-Sünder

von D. Krähenbühl - Jedes Jahr landen 600'000 Tonnen Verpackungsmaterial im Abfall. Eine neue Erhebung zeigt, welche Detailhändler dafür besonders verantwortlich sind.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Geraffelte Rüebli, geschälte Randen oder Cherrytomaten: Zahlreiche Frucht- und Gemüsesorten sind heutzutage in Plastik eingepackt, obwohl die Verpackung eigentlich überflüssig wäre. Ein Grossteil des Materials, rund 600'000 Tonnen, landet gemäss dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) jährlich im Abfall. Vielen Konsumenten und Umweltorganisationen sind die überflüssigen Plastikverpackungen darum ein Gräuel.

Umfrage
Wie kaufen Sie ihre Tomaten?

Nun hat Greenpeace Schweiz den sogenannten «Tomaten-Index» erhoben, der zeigt, wie viel Plastik die Grossverteiler verwenden, um ein Kilo Tomaten zu verpacken (siehe Box). Das Resultat fällt deutlich aus: Coop schneidet mit 12 Gramm Plastik pro Kilo Tomaten am besten ab. Auf Platz zwei folgt Denner und auf dem dritten Platz die Migros, die beinahe doppelt so viel Plastik benutzt. Auf den Schlussrängen folgen Aldi, Lidl und Volg.

Laut der Erhebung brauchen die Detailhändler im Schnitt 22 Gramm Plastik, um ein Kilo Tomaten zu verpacken. Hochgerechnet auf die 50'000 Tonnen Tomaten, die jährlich in der Schweiz konsumiert werden, sind das 1000 Tonnen Plastik – allein für eine Gemüsesorte.

Deutlicher Nachholbedarf

Greenpeace-Kampagnenleiter Marco Pfister zeigt sich von den Ergebnissen überrascht: «Die Detailhändler betonen zwar stets ihre Bemühungen um Abfallvermeidung – der Tomaten-Index zeigt aber klar, dass viele Versprechen nicht eingehalten werden.» Deutlichen Nachholbedarf sieht er bei der Migros, die von sich selbst behaupte, die nachhaltigste Detailhändlerin der Welt zu sein.

Die schlimmste Verpackung habe man denn auch bei der Migros gefunden (siehe Bildstrecke). Pfister: «Wer wie die Migros von sich behauptet, Verpackungen ökologisch zu optimieren, sollte nicht so schlecht abschneiden.»

Recycelter Plastik und Zellulose als Lösung?

Die Migros weist die Kritik zurück: So habe sie seit 2011 knapp 10'000 Tonnen Verpackungsmaterial einsparen oder optimieren können. «Zudem werden bereits heute viele Bio-Produkte unverpackt verkauft, die entweder mit einem Sticker oder mit Banderolen versehen sind», sagt Sprecherin Alexandra Kunz.

Was im Tomaten-Index zudem nicht berücksichtigt werde, sei, dass die Migros vielerorts Plastikschalen aus Recycling-PET einsetze: «Damit kann bestehendes Material wiederverwendet und neues Material eingespart werden», sagt Kunz. Insofern sei das Gewicht in Bezug auf die Umweltbilanz nicht das einzige entscheidende Kriterium. Auch Bio-Plastik sei keine Universallösung, da der Anbau die Nahrungsmittelproduktion konkurrenziere.

Adieu Plastik?

Auch Schlusslicht Volg kritisiert die Methodik des Tomaten-Index: «Da Volg im Offenverkauf nur wenige Tomatensorten anbietet, fällt der Anteil der verpackten Cherry-Tomaten überdurchschnittlich hoch aus», sagt Sprecherin Tamara Scheibli. Jedoch sei der Umsatzanteil der Cherry-Tomaten im Becher im Verhältnis zu den offenen Tomaten relativ klein. Trotzdem gelobt Volg Besserung: «Wir nehmen den Input von Greenpeace zum Anlass, die Plastikverpackung bei den Cherry-Tomaten zu hinterfragen», sagt Scheibli.

Einen ähnlichen Weg geht Gesamtsieger Coop, der laut eigenen Angaben bis Herbst 2019 Bio-Früchte und -Gemüse nur noch unverpackt oder mit einer umweltfreundlichen Verpackung anbieten will. «Mögliche Materialien sind dabei zum Beispiel Netze aus Zellulose und Verpackungen aus Graspapier, die wir bereits heute bei Naturaplan-Äpfeln und -Birnen verwenden», sagt Coop-Sprecherin Yvette Petillon.




Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl Ehrensperger am 12.10.2018 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immerhin

    klar, mit der Verpackung kann man es auch übertreiben, der Vorteil ist aber, dass vor mir nicht schon Dutzende Kunden mit ihren Füdlifingern an meinem Gemüse rumdrücken.

    einklappen einklappen
  • murrli am 12.10.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    schön wärs

    Da macht es sich Greenpeace ein bisschen einfach, denn: Die grössten Sünder sind die Konsumenten! Wer kauft schon Früchte, Gemüse, Fleisch und was sonst noch so offen angeboten werden könnte, die schon von zig Leuten angefasst, beäugt und für zu wenig gut befunden wurden?

    einklappen einklappen
  • Roger am 12.10.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsach 5 Rp pro Plastiksack

    verlangen und schon steht man als gut mensch da.... alles nur PR. Einmal mehr mehr schein als sein. Die Verpackungen sind die Grossen Übeltäter!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • JogiBär am 13.10.2018 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Grüne nerven!

    Greenpeace sollte mal nach Indien, China oder Afrika Reise um zu sehen wie dort Plastik entsorgt wird und so ins Meer gelangt. EU Plastik landet nicht im Meer! Grüne Profilierer nerven und reden auch viel unnützes Zeug!

  • Klugscheisser am 13.10.2018 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung von Tomaten

    Die Tomate ist kein Gemüse, sonder eune Frucht

  • Guschti Brösmeli am 13.10.2018 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Babybelkäse

    Früher war auf einem Babybelkäse im roten Wachsmantel ein kleines Papierschildchen aufgeklebt, heute ist jedes Käslein noch zusätzlich in röterem Plastikmüll eingewickelt. WARUM???

  • jane77 am 13.10.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so oder so

    und wohin tut ihr die Früchte und das Gemüse wenn ihr sie offen kauft? da ist eine Kartonschale mit Plastik gleich zu stellen oder? das wichtige ist alles zu Hause richtig zu entsorgen denn so beginnt Ökologischer Einkaufen

  • RS am 13.10.2018 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recycling Säcke

    In Italien gibt es in Supermärkten keine Plastiksäcke mehr! Die haben Recycling-Säcke für Gemüse und Früchte. Die kann man danach in den Kompost werfen. Warum ist dies bei uns nicht möglich?

    • Martial2 am 13.10.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RS

      Alles gut und recht, aber Italien ist diesbezüglich ein schlechtes Beispiel, wenn öfters in Grossstädte der Abfallmüll wochenlang auf den Strassen liegt... Napoli z.B,!!

    • Lara am 13.10.2018 21:36 Report Diesen Beitrag melden

      Fast überall im Ausland mittlerweile..

      @Martial2 RS hat keinen generellen Vergleich zwischen Italien und der Schweiz gemacht, also hat das nix mit nem schlechten Beispiel zu tun. Und : Wenn man aber bedenkt, dass, wie Sie es sagen, Italien normalerweise einen diesbezüglich nicht so guten Ruf hat, so ist es umso verrückter dass die "ökologische Schweiz" nicht mal biologisch abbaubare Säcke fürs Gemüse einführen kann..

    einklappen einklappen