13- bis 19-Jährige

23. Januar 2020 10:20; Akt: 23.01.2020 10:20 Print

Das wollen die Mini-Gretas am WEF erreichen

Nicht nur Greta, auch andere junge «Change Makers» verbreiten ihre Botschaft am WEF. Was treibt sie an?

Bildstrecke im Grossformat »
Junge Aktivisten diskutieren am WEF und rufen die Mächtigen zum Handeln auf. Die Südafrikanerin Ayakha (17) hat in ihrer Heimat die Auswirkungen des Klimawandels aus nächster Nähe miterlebt. Dürre und Wassermangel bedrohen dort die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Bei der WEF-Podiumsdiskussion «Klimapolitik ist lokal» weist sie auf die Schwierigkeiten hin, sich auf lokaler Ebene für das Klima einzusetzen. «Die Leute in meiner Heimat haben das Gefühl, dass der Klimawandel ein Problem der Ersten Welt ist.» Melati Wijsen setzt sich gegen die Plastikverschmutzung der Meere ein. Die 19-Jährige Balinesin hat mit ihrer Schwester Isabel im Jahr 2013 «Bye Bye Plastic Bags» gegründet. Am WEF kritisiert Melati, dass unser Bildungssystem nicht mehr zeitgemäss sei. «Es hält nicht mehr Schritt mit den Veränderungen auf dieser Welt.» Der 17-jährige Salvador Gómez-Colón hat sich in seiner Heimat Puerto Rico nach dem Wirbelsturm María für nachhaltige und widerstandsfähige Energiesysteme eingesetzt. Am WEF sagt er: «Wir jungen Menschen sind hier, weil wir es müde sind, leere Versprechungen zu hören. Aber wir haben Hoffnung.» Autumn Peltier setzt sich für Wasserrechte und indigene Rechte ein. Die 17-jährige kritisiert die Untätigkeit der Politik. «Eigentlich fühlt es sich falsch an, hier zu sein, um Bewusstsein und Veränderungen zu schaffen. Es sollte nicht an uns liegen, das zu tun.» Hier spricht Greta am WEF. Und hier hören Greta und andere junge Leute einer Rede von Donald Trump zu.

Zum Thema
Fehler gesehen?

In diesen Tagen richten sich alle Augen auf Davos, wo das World Economic Forum (WEF) stattfindet. Besonders im Fokus steht dabei die Klimaaktivistin Greta Thunberg. Doch nicht nur die 17-jährige Schwedin ruft die Wirtschaftselite zum Handeln auf. Neun weitere Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren setzen sich am WEF für Klimaschutz, sauberes Wasser oder weniger Plastikabfall ein.

Umfrage
Wie finden Sie es, dass diese jungen Menschen ans WEF eingeladen wurden?

Die kanadische Wasserkämpferin

Autumn Peltier (15) kommt aus dem nördlichen Teil von Ontario, Kanada, und ist Vertreterin des Anishinaabekwe-Clans, der zum indigenen Volk Wiikwemkoong gehört. Da viele indigene Völker ihr Wasser wegen Verschmutzung nicht trinken könnten, macht sich Autumn für deren Wasserrechte ein.

Letztes Jahr wurde Autumn von der Anishinabek Nation, einem politischen Interessensverband von 40 indigenen Völkern, zur leitenden Wasserbeaufragten ernannt. Am WEF ruft sie bei der Podiumsdiskussion «Einen nachhaltigen Weg in Richtung einer gemeinsamen Zukunft gehen» zu gemeinsamen Handeln auf. «Die Regierungen sind nur auf das Geld fokussiert. Wir müssen sie davon überzeugen, auf uns zu hören.»

Sie glaube, dass ihr Engagement einen Einfluss auf andere Jugendliche gehabt habe. «Ich habe ihnen Mut gegeben, ihre Stimme zu erheben.» Gleichzeitig kritisiert sie die Untätigkeit der Politik. «Eigentlich fühlt es sich falsch an, hier zu sein, um Bewusstsein und Veränderungen zu schaffen. Es sollte nicht an uns liegen, das zu tun.»

Die Klimaaktivistin aus Südafrika

Ayakha Melithafa (17) lebt in einem Dorf ausserhalb von Kapstadt in Südafrika und hat die Auswirkungen des Klimawandels aus nächster Nähe erlebt. Ihre Mutter arbeitet als Bäuerin in der Provinz Westkap, wo Dürren und schwerer Wassermangel ihre Lebensgrundlage bedrohen. Deshalb wurde Ayakha Mitglied der afrikanischen Klima-Allianz und der Initiative «Project 90 by 2030», die bis im Jahr 2030 eine Reduktion der Treibhausgase von 90 Prozent fordert.

Bei der WEF-Podiumsdiskussion «Klimapolitik ist lokal» weist sie auf die Schwierigkeiten hin, sich auf lokaler Ebene für das Klima einzusetzen. «Die Leute in meiner Heimat haben das Gefühl, dass der Klimawandel ein Problem der Ersten Welt ist. Sie verstehen nicht, dass es die Folgen die benachteiligten Gruppen als erstes treffen.» Es werde ihren Landsleuten aber langsam bewusst, dass sie selber die Regierung in die Pflicht nehmen müssen. Die Regierung müsse Massnahmen wie etwa eine obligatorische Umweltbildung in der Schule umsetzen.

Der Lichtblick aus Puerto Rico

Der 17-jährige Salvador Gómez-Colón hat die Kampagne Light and Hope for Puerto Rico ins Leben gerufen und setzt sich dabei für nachhaltige und widerstandsfähige Energiesysteme in seiner Heimat ein. Sein Engagement geht auf den Wirbelsturm María zurück, der die Insel Puerto Rico 2017 verwüstete.

Als Reaktion hat Salvador eine Crowdfunding-Aktion gestartet und über 3000 Familien solarbetriebene Lampen und handbetriebene Waschmaschinen zur Verfügung stellen können. «In Puerto Rico haben all die Naturkatastrophen und politischen Krisen dazu geführt, dass die Jugend aufsteht», sagt er am WEF. «Wir sind nicht die Zukunft dieser Welt, wir sind die Gegenwart. Wir handeln jetzt und warten nicht noch länger.»

Er kritisiert, dass die Vorbereitung auf Naturkatastrophen, die eine Realität der Klimakrise seien, nicht angesprochen werden. «Wir sind hier, weil wir es müde sind, leere Versprechungen zu hören.» Auch Teenager hätten die Reife, das Wissen und den Antrieb, positive Veränderungen zu bewirken.

Auf Twitter verkündete Salvador die Freude darüber, die Bühne mit «so grossartigen Menschen» zu teilen.

Die balinesische Anti-Plastik-Heldin

Melati Wijsen setzt sich gegen die Plastikverschmutzung der Meere ein. Die 19-jährige Balinesin hat mit ihrer Schwester Isabel im Jahr 2013 Bye Bye Plastic Bags gegründet. Die Schwestern räumen etwa mit ihren Mitstreitern die Strände auf oder bewegen Ladenbesitzer dazu, den Kunden keine Plastiksäcke mehr mitzugeben. Eine andere Initiative beinhaltet die Produktion von Netzen, die in Flüssen den Plastik daran hindern, in die Ozeane zu gelangen.

«Nach sechs Jahren harter Arbeit hat Bali letztes Jahres endlich das Verbot von Plastiksäcken, Strohhalmen und Styropor durchgesetzt», sagt Melati in ihrem WEF-Vortrag der Reihe «Aufstehen gegen Plastikverschmutzung». Es hätte nicht so lange bis zu diesem Verbot dauern dürfen, vor allem weil Indonesien sich 2017 das Ziel gesetzt hat, den Plastikverbrauch bis 2025 um 70 Prozent zu senken. «Die Arbeit beginnt erst jetzt richtig. Die Bestimmungen sind nur Worte auf Papier, wenn sie nicht umgesetzt werden, um alltägliche Gewohnheiten zu verändern.»

Am WEF kritisiert Melati, dass unser Bildungssystem nicht mehr zeitgemäss sei. «Es hält nicht mehr Schritt mit den Veränderungen auf dieser Welt.» Deshalb hat sie neu das Projekt Youthtopia ins Leben gerufen, das junge Menschen ermutigen will, selbst zu «Change Makers» zu werden.

(les)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stem am 23.01.2020 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das beisst sich...

    Ich verstehe das Argument mit verschmutztem und nicht vorhandenem Wasser. Aber die selbe Generation vordert einen Umstieg auf E-Autos welche mit Lithium Akkus betrieben werden. Und genau die Gewinnung von Lithium führt zu Mangel an Wasser und Gewässerverschmutzung. Wer dies nicht glaubt, soll doch mal auf YouTube nach Lithium und Chile suchen. Geht zur Schule liebe Kinder

  • _gregi_ am 23.01.2020 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    "Was treibt sie an?"

    An erster Stelle ihre Eltern!

    einklappen einklappen
  • Daniel1967 am 23.01.2020 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön und gut aber...

    Es ist sicher wichtig, dass sich Jugendliche aller Kulturen, für den Erhalt ihrer Lebensräume und somit auch ihrer Kultur einsetzen. Aber wenn man genauer liest, dann sieht man, dass es Lokale Probleme sind, mit denen die jeweiligen Kulturen zu kämpfen haben, sei es nun Wasserverschmutzung oder Raubau ( z. B Gold oder Öl). Wenn also Greta Thunberg sich hin stellt und sagt:,, Ihr habt meine Kindheit gestohlen", dann sollte sie zuerst einmal die Kinder fragen, die aus solchen Ländern kommen, was Kindheit für sie bedeutet. Co2 ist nicht das Problem und das sollten alle langsam mal kapieren, denn wenn sie glauben, man kann die Welt mit E Autos retten, die zig mal mehr die Umwelt durch den Abbau für deren benötigten Rohstoffe belasten, als herkömmliche Autos, dann sind sie Kurzsichtig und wollen die Wahrheit nicht erkennen, auch wenn sie direkt vor ihnen steht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cid Alb am 23.01.2020 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Greta sieht müde aus

    ich denke Gretas Vater macht die liebe Tochter durch das ständige Reisen und Klimagedöns kaputt. Schaut euch das Mädchen mal an - wie das "liebe verstörte " Mädchen vor einem Jahr ausgeschaut hat.

  • MadChengi am 23.01.2020 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Randnotiz

    In 5 Jahren werden die Chinesen die Wirtschaftsmacht No. 1, dann geht es schnell bis die USA Inc. Co. abgewickelt sein wird. Mangels Aktiva müssen sie ihr Militär auf Ebay versteigern und China wird auch die Militärmacht No. 1. Viel Glück ihr Klimakids und alles Gute für die Zukunft.

  • Kopfschüttel am 23.01.2020 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachbars Kinder

    Was ich an den Mini-Gretas super finde ist, dass sich alle so extrem Bodenständig angezogen haben und ganz normale Kinder sind. Wie die von nebenan bei uns, oder nicht Leute?

  • roll2go am 23.01.2020 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist anders rum!

    Was wurde Greta in ihrer Kindheit gestohlen, dass sie glaubt, ihr sei die Kindheit gestohlen worden? Die Jugend hatte sie ja mit allen Anehmlichkeiten, die sie jetzt dem Alter verbieten will. Also kann ihr die Jugend gar nicht gestohlen worden sein. Vielmehr ist es doch so, dass sie und die Fff-Jugend und Klima-Fanatiker sich selbst und den (aus ihrer Sicht) Alten das Alter stehlen wollen. In dem eben sie den Alten in Zukunft das verbieten wollen, was sie selbst - im Gegensatz zu uns Alten - in ihrer Jugend ohne zu Murren und selbstverständlich genossen haben und immer noch geniessen?

  • Woody am 23.01.2020 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panik bei Team Thunberg

    Dieser Bericht und das Auftreten der "Konkurrenz" sorgt sicher für Panik im Thunberg-Management. Greta selber begreift davon ja nichts, aber ihre Puppenspieler und Drahtzieher sehen das sicher mit grosser Sorge, dass es auch echte Aktivisten Kinder gibt. Kinder, die das Leid selber erlebt haben und nicht wie Greta, die wohlbehalten in einem der reichsten Länder der Welt aufgewachsen ist.