Öffentlicher Verkehr

01. Juli 2017 19:56; Akt: 01.07.2017 19:56 Print

Diese Ticket-Apps kommen nun auf den Markt

von Stefan Ehrbar - Verkehrsbetriebe kämpfen um die Vorherrschaft bei Ticket-Apps für Smartphones. Nun greift auch die SBB an. Der Kantönligeist entscheidet mit.

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Die SBB führt eine App ein, die automatisch die Reise im öffentlichen Verkehr registriert und das günstigste Ticket verrechnet, berichtet der «Tages-Anzeiger». Damit ist die Bahn nicht allein. Verschiedene Anbieter wollen mit ihrer Lösung die meisten Kunden gewinnen.

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Zusammen unterwegs ist das «Trio Plus» mit SBB, der Berner Bahngesellschaft BLS und Postauto. Sie hat gemeinsame Standards erarbeit. Eine von der BLS entwickelte App namens Lezzgo gibt es bereits. Sie funktioniert in Teilen der Zentralschweiz, der Westschweiz und in Bern. Die Zusammenarbeit im Trio funktioniere sehr gut, sagt Andreas Kronawitter, der bei der BLS für die Entwicklung verantwortlich ist.

Nicht die Technik ist das Problem

Im Herbst soll Lezzgo in der ganzen Schweiz zur Verfügung stehen. Die härteste Konkurrenz ist die App Fairtiq, die zurzeit in der Ost- und Zentralschweiz und in Bern zur Verfügung steht. Beide Apps funktionieren nach einem ähnlichen System. Anhand von Daten des Handy-GPS, sonstigen Standortdaten und Informationen von Bewegungssensoren wird die Reise aufgezeichnet. Ist sie abgeschlossen, wird automatisch das günstigste Ticket verrechnet. Die Apps erkennen auch Umsteigevorgänge oder Pausen.

Technisch sind sie einsatzbereit. Probleme bereitet die Politik. Die Anbieter der Apps dürfen Tickets des «direkten Verkehrs» verkaufen, also etwa von Bern nach Zürich. Wenn Reisen innerhalb eines Tarifverbunds unternommen werden – zum Beispiel von Bern zum Wankdorf – oder innerhalb eines Verbunds umgestiegen wird, braucht es aber die Bewilligung des jeweiligen Verbunds.

Zürcher mit Sonderstellung

In der Schweiz gibt es 19 Verbünde. Mit einigen haben die Entwickler von Lezzgo und Fairtiq bereits Verträge abgeschlossen. Besserung soll es zudem mit der neuen Nova-Datenbank geben, an die alle Verkehrsunternehmen angeschlossen sind und über die die eigentlichen Verkäufe abgeschlossen werden. Der Bund will, dass mit Nova alle Betriebe für alle Strecken Tickets verkaufen dürfen. Diese Regelung muss noch freigegeben werden. Mit ihr müssten Entwickler nicht mehr mit jedem Verbund verhandeln – zumindest theoretisch.

Praktisch möchten App-Entwickler Provisionen erhalten, weil ihnen mit dem Ticketverkauf Kosten entstehen, etwa für Kreditkartentransaktionen. Und für Zürich und Genf gelten andere Regeln. Dort gibt es keine Tarif-, sondern Verkehrsverbünde. Die können völlig frei entscheiden, wer ihre Tickets und Abos zu welchen Konditionen verkaufen darf. Ohne diese beiden Verbünde zu integrieren, macht eine App wenig Sinn. Allein im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) findet fast die Hälfte des Regionalverkehrs statt.

Swisspass braucht es nicht

Der ZVV will selbst keine eigene App entwickeln. Ein Vertragsabschluss mit einem der Anbieter stehe kurz bevor, sagt Sprecher Stefan Kaufmann. Im Rahmen eines Tests mit eingeschränktem Sortiment und einer geschlossenen Nutzerguppe haben die Lezzgo-Macher zurzeit Zugriff auf das ZVV-Sortiment. Daraus könnten keine Schlüsse gezogen werden, sagt Kaufmann. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass eher Lezzgo das Rennen macht.

Die SBB wiederum dürfte im Wesentlichen die Funktionalitäten von lezzgo in die eigene App einbauen. Das sei verständlich, sagt IT-Strategiechef Kronawitter von der BLS. Keinen direkten Zusammenhang haben die Apps mit dem Swisspass. In Zukunft sollen aber auch Abos wie das Halbtax oder das GA in die Apps integriert werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spyy83 am 01.07.2017 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer ist zuständig?

    viele apps, die das kontrollieren schwerer machen und dem kunden keine einheitliche plattform für beanstandungen bieten. bei problemen steht der kunde alleine da.

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  • Hp am 01.07.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja weiter so!!!

    Jaja, gebt den Unternehmen nur noch mehr persönliche Daten.

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  • Freu Mich am 01.07.2017 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Judihui

    Je mehr Konkurrenz auuserhalb den SBB.... desto besser! Dann können Medien und Kunden mal etwas Abwechslung bringen und über andere als die SBB bashen. Dazu einen Exklusiv-Bericht über den 1. Kunden der mit einem bei der Konkurrenz gekauftem Billett am SBB-Schalter Hilfe erwartet... Also, Freude herrscht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • TommyM am 02.07.2017 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passives Einkommen?

    Toll. Dass noch jemand eine Provision verdienen kann... Zum Henker mit all den Provisionsgeiern!

  • Chef am 02.07.2017 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GA

    Ich brauche kein Ticket, ich habe ein 1.Klasse GA. :)

  • vorbi am 02.07.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Und alle glauben an den Storch ...

    Wer glaubt, die Betreiber der APPS würden den fairsten Tarif verrechnen, träumt. Die werden sich alle eine goldene Nase verdienen auf dem Buckel der Billettkäufer, d.h. APP-Anwender. Und die Kosten für's Personal (Auswertung/Rechnungsstellung) und für die nichteingehenden Zahlungen (und Betreibungskosten) müssen auch auf die Preise abgewälzt werden. Ergo gibt's nur Aufschläge und keine günstigeren Billette.

  • ueli am 02.07.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    SBB-App

    werde ich nie im Leben einsetzen, hatte sie früher installiert nun nicht mehr. Ich will dieser Firma kein Bewegungsprofil senden und dies geht ganz klar gegen den Datenschutz. Es geht die SBB nichts an, wo und wann ich mich bewege.

  • R. L. am 02.07.2017 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle reden vom Sparen u d Daten Schutz ?

    Das einzige gute u d Sinnvolle gar keine Billete sonder über die ID überall gratis Kosten über die Steuern. Strom Sparend Unterhaltskosten Kontrollen Einsparen! Ferien Gäste bekommen eine Ferien ID für 100.00 Depo und der Preis pro Woche 450.00 ! Alles ander nur unnötiger Abfall und Herstellung Kosten.

    • Innerschweizer am 02.07.2017 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R. L.

      Ferien Gäste sollen 450.- pro Woche zahlen, da kannst du ihnen auch direkt eine Waffe an den Kopf halten und sie ausrauben, läuft beides auf das gleiche raus.

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