Unwetter

30. Juli 2014 15:10; Akt: 30.07.2014 15:25 Print

Diese brutale Kraft hat ein Hochwasser

Die Hochwassergefahr ist noch nicht gebannt. Am Nachmittag und Abend erwarten die Schweiz erneut Niederschläge. Ein Video zeigt, wie schnell sich ein Bach in einen reissenden Fluss verwandeln kann.

Der Illgraben bei Leuk VS am 28. Juli 2014.
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Ein bisschen vom Schlamm braun gefärbtes Wasser, ein paar Steine. Erst sieht man in dem Video einen gewöhnlichen Gebirgsbach, der sich in kaum zwei Minuten aber zu einer reissenden Masse mit tonnenweise Geröll verwandelt.

Die spektakulären Bilder zeigen den Illgraben bei der Walliser Gemeinde Leuk am Montag. Er gilt als eines der geologisch instabilsten Täler der Schweiz und führt das Lockermaterial der Gegend mehrmals im Jahr durch Murgänge oder Hochwasser Richtung Tal.

Obwohl der Mittwoch eher ruhig begonnen hat, ist die Gefahr von Hochwasser, Hangrutschen und Murgängen noch nicht gebannt. Denn am Nachmittag und Abend erwarten die Meteorologen erneut flächendeckende Niederschläge.

Das könnte für die vom Hochwasser betroffenen Gemeinden prekär werden. Die trockenen Stunden über Nacht hätten zwar bereits geholfen, dass das Wasser etwas abfliessen konnte, sagt Klaus Marquardt von MeteoNews. «An manchen Orten wird die Lage aber nach nur wenigen Litern Regen wieder angespannt sein» – weil die Böden von den Unwettern der letzten Tage bereits gesättigt sind.

Bern trifft Vorsichtsmassnahmen – Bafu gibt Entwarnung

Im Hinblick auf weitere Niederschläge hat die Stadtberner Feuerwehr die Schutzmassnahmen an der Aare vorsorglich verstärkt. Am Mittwochmorgen lag die Wassermenge in Bern zwar knapp unterhalb der Schadensgrenze.

Wegen der instabilen Wetterlage rechnen die Behörden aber damit, dass bei intensiven Niederschlägen der Pegelstand innert Kürze wieder hochschnellt, wie das Feuerwehrkommando der Stadt Bern mitteilte. Deshalb hat die Feuerwehr an den Aare-Uferwegen vorsorgliche Schutzdämme mit sogenannten Beaver-Schläuchen aufgebaut.

Derweil stuft das Bundesamt für Umwelt (Bafu) die Gefahr vor Hochwasser als vorläufig gebannt ein. «Die Hochwasser-Situation hat sich in den betroffenen Regionen entspannt», sagte Silvia Morf vom Bafu am Mittwoch. Allerdings müssten Seen und Flüsse weiterhin im Auge behalten werden. Dazu zählen im Kanton Bern die Emme und der Brienzer- und Thunersee. Die Pegel der grossen Seen wie etwa am Bodensee würden aber weiter steigen.

Sorgen im Emmental, sommerlicher 1. August

Nach den Überschwemmungen vom Montag sind im Emmental die Aufräumarbeiten weiterhin im Gang. Sorgen bereiten vor allem die Hänge oberhalb von Seitenbächen, die bei weiteren Niederschlägen ins Rutschen geraten könnten. Deshalb werden an diesen Hängen vorsorglich Bäume gefällt, damit diese bei einem Murgang nicht die Bäche verstopften, sagte Georges Wüthrich, Informationschef des Führungsstabs Emmental.

Obwohl keine akute Gefahr bestehe, sei man «über jeden Tropfen Regen, der vom Himmel fällt, grundsätzlich besorgt». Die Wetterdienste rechneten je nach Prognosemodell mit weiteren Niederschlägen von 30 bis 40 Millimetern.

Erst am Donnerstagnachmittag wird es laut Meteorologe Marquardt «deutlich freundlicher», der 1. August kann sogar als trockener, sommerlicher Tag geplant werden. Allerdings sind Gewitter möglich.

(kko/sda)