Klein und rot

11. März 2017 18:26; Akt: 11.03.2017 19:56 Print

Diesen Schweizer Pass bekommt jeder

von Nikolai Thelitz - Wie finde ich einen Job? Was ist ein fairer Mietpreis? Wo lerne ich Schweizer kennen? Diese Fragen will ein neuer Integrationspass für Deutsche beantworten.

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«Bostitch», das ist ein Tacker, das «Trottoir» ist der Bürgersteig, und wenn jemand «äuää» sagt, dann lässt sich das nicht übersetzen. So steht es im «Integrationspass» für Deutsche, von dem diese Woche die ersten tausend Exemplare gedruckt wurden.

Umfrage
Ist der Integrationspass eine gute Idee?
44 %
48 %
8 %
Insgesamt 4845 Teilnehmer

Dahinter steckt Matthias Estermann, der 2004 von Deutschland in die Schweiz einwanderte. «Weil es hier so schön ist, und weil man mit verhältnismässig wenig Aufwand hier etwas mehr Geld verdienen kann.» Er blieb, ist seither auch als Integrationsberater tätig und will seinen Landsleuten die Ankunft in der Schweiz erleichtern.

Beim Einwandern bloss nichts vergessen

Weil viele der Neuankömmlinge meist die gleichen Probleme haben, bringt Estermann nun ein Büchlein mit den wichtigsten Informationen für Deutsche und Österreicher in der Schweiz heraus. Die Broschüre kommt dabei in der Grösse und im Look des Schweizer Passes daher und heisst «Hallo.swiss».

«Alle sind in der gleichen Lage: Man kommt in ein neues Land mit einem neuen Vertrags- und Rechtssystem und einer eigenen Kultur», sagt Estermann. Beim Einwandern müsse man auf viele Dinge achtgeben, die leicht vergessen gingen: Krankenkasse, Versicherungen, Autoimport, Führerschein-Ummeldung, Schweizer Konto, Hortplatz für die Kinder.

Vorbereitung auf den Job-Abstieg

Versäumnisse gingen schnell ins Geld: Schliesse man etwa die Krankenkasse zu spät ab oder importiere das Auto nicht rechtzeitig, könne es sehr teuer werden. Im Büchlein finden sich deshalb To-do-Listen, in denen alle Schritte für eine erfolgreiche Umsiedlung in die Schweiz aufgelistet sind.

Auch auf mögliche Enttäuschungen bereitet der Integrationspass vor: «Viele Zuwanderer suchen die gleiche Beschäftigung, die sie schon früher ausgeübt haben, und wundern sich, dass nach vielen Bewerbungen keine Einladung zum Gespräch erfolgt ist.» Ein Bewerbungscoach könne bei den Jobsuche helfen.

Bei den Banken sei zu beachten, dass man anders als in Deutschland sein Konto oft nicht überziehen könne und auch kein Privatkredit vergeben werde. Schweizer lerne man beispielsweise im Fasnachtsverein oder in der «Guggemusig» kennen, und wenn jemand von ihnen «Chüngu» sage, meine er damit ein Kaninchen.

«Der Chef kann den Pass dem Deutschen in die Hand drücken»

Zielgruppe sind auch Schweizer Unternehmen, die Deutsche anstellen. «Eine Fachkraft kann oft gar nicht früh genug anfangen, und der künftige Chef kann dem deutschen Angestellten dann einfach dieses Büchlein in die Hand drücken, damit geht die Integration noch schneller.»

Das Logo auf dem «Pass» ähnelt demjenigen der Fluggesellschaft Swiss – laut Estermann ein Zufall. «Wir haben das Design mit einer Agentur zusammen gemacht, ich glaube nicht, dass es Probleme geben wird.»

So schlagen sich die Deutschen beim Sprechen von Dialekt:


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elisa am 11.03.2017 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    Broschüre und Integrationsberater braucht es nicht. Bin auch 1985 in die Schweiz gekommen und fand mich sehr schnell zurecht. Einfach offen, kommunikativ sein, die Sprache lernen ( geht sehr schnell wenn man will), keine Arroganz und den Schweizern Respekt und Anstand entgegenbringen. So fühlt man sich sehr schnell wohl

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  • Fraz am 11.03.2017 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?

    Also wenn er äuää nicht übersetzen kann, dann sollte er die Finger davon lassen!

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  • kurt am 11.03.2017 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Regeln und schon klappt es

    Ich gebe jedem Deutschen einfach folgenden Ratschlag: "Auch wenn viele Schweizer Deutsch verstehen und sogar Hochdeutsch sprechen können, sind es keine Deutschen. Also behandelt sie nicht wie Deutsche. Und glaubt nicht, nur weil ihr Dialekt für Deutsche "putzig" klingt, dass ihr ihnen mit Arroganz begegnen könnt. Die Schweizer sind mit Recht auf Ihr Land stolz, eine Form des Stolzes die viele Deutsche gar nicht kennen. Also begegnet ihnen mit Respekt und Anstand und achtet ihre Kultur." PS: Bin selbst Deutscher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Eidgenosse am 12.03.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klavierlehrerin sei Dank

    Jetzt wird noch der CH Pass kopiert. Hat den das Amt der Klavierlehrerin kein Respekt mehr vor den amtlichen Dokumenten.

    • chrigo am 12.03.2017 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Eidgenosse

      Geehrter Neidgenosse, wenn man keine Probleme hat, macht man sich halt welche.

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  • Kai Lepschy am 12.03.2017 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    Bin als Deutscher 2003 in die Schweiz eingewandert. Viele Deutsche sagen, die Schweizer seien ein komisches Volk und teils sehr ablehnend gegenüber Deutschen. Das liegt aber dann meist an den Deutschen selbst, die sich nicht die Mühe machen sich zu integrieren. Habe Schweizerdeutsch gelernt, schnell Kollegen gefunden und mich vertraut gemacht. Wenn man will, kann man sich hier schnell und gut einleben.

  • Klartext am 12.03.2017 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er kennt die Schweiz wohl selbst nicht

    Dieser Berater kennt die Schweiz wohl selbst nicht richtig. So wie es sich anliest kennt er vor allem den Kt. Bern, Basel und/oder Luzern wegen der Fasnacht. So nebenbei möchte ich noch sagen, dass beim Pass nicht nur das Format und das Wappen kopiert wurden, auch die Schriften dürften von Cailler und Swiss gestohlen sein.

  • Matti am 12.03.2017 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Ich würde eher einen Integrationspass in arabischer Sprache heraus bringen, denn bei der Inzegration sind nicht Deutsche oder Österreicher das Problem. Ausserdem gehört zur Integration mehr dazu, als nur zu wissen wie man etwas ausspricht. Benimmregeln wären da wesentlich besser.

  • Laura am 12.03.2017 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äuää

    Der Ausdruck "Äuää" hängt mehr vom Gesprächszusammenhang ab, als von seinem buchstäblichen Wortlaut. Massimo Rocci hat dazu ein gleichnamiges Bühnenprogramm erstellt, es lohnt sich da mal reinzuhören! ;)