Velofahrer genervt

15. Mai 2019 22:21; Akt: 15.05.2019 22:21 Print

Dieses Miniauto darf als Velo parkieren

Für Velofahrer wird es eng. Mit dem Enuu kommt ein neues Elektromobil auf die Strassen, das auch auf Velowegen fahren darf. Darüber nervt sich Pro Velo.

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Die Elektroflotte der Sharing-Community bekommt Zuwachs: Nach E-Bikes und E-Trottinetts kommt nun das Enuu, eine Mischung aus überdachter Seifenkiste und Tuk-Tuk. Weil es verkehrsgesetzlich als motorisierter Rollstuhl gilt, darf es auf Velowegen fahren und auf Veloparkplätzen abgestellt werden. Bislang ist das Gefährt im Rahmen eines Pilotversuchs nur in Biel auf der Strasse, bald soll es aber auch in Basel und Zürich fahren.

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Velofahrern ist die Konkurrenz ein Dorn im Auge: «Auf Velo-Abstellplätzen, wo heute schon akuter Platzmangel herrscht, wie beispielsweise rund um die zentralen Bahnhöfe, kann es nicht zielführend sein, anderen Fahrzeugen als den Velos eine Parkerlaubnis zu geben», kritisiert Claudia Bucher von Pro Velo Schweiz.

«Bislang keine Reklamationen»

«Das Enuu ist in der Schweiz als motorisierter Rollstuhl typengenehmigt und grundsätzlich verkehrs- und betriebssicher», erklärt Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen Astra. Weil für motorisierte Rollstühle mit einer maximalen Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h die gleichen Verkehrsregeln wie für Motorfahrräder gelten, dürfe man auch auf dem Radstreifen oder Radweg fahren und sie auf den entsprechenden Parkfeldern abstellen, so der Sprecher.

Bei Pro Velo bewertet man das neue Gefährt weder als gut noch als schlecht: «Wer mit dem Enuu statt mit dem Auto herumfährt, tut etwas Gutes für die Gesellschaft, da er weniger Platz beansprucht. Wer das Enuu benutzt, statt das Velo zu nehmen oder zu Fuss zu gehen, erweist der Allgemeinheit einen Bärendienst», warnt sie.

Yoann Loetscher, Mitbegründer von Enuu, räumt zwar ein, dass es am Bahnhof ein wenig eng sei, Probleme oder Reklamationen habe es bislang jedoch nicht gegeben: «Bis jetzt hat alles sehr gut geklappt. Die Stadt Biel ist sehr zufrieden mit uns. Wir haben sogar eine offizielle Auszeichnung für die Zusammenarbeit bekommen», sagt er.

Im Spätsommer nach Zürich und Basel

In Biel nutzen 1200 registrierte Kunden insgesamt 20 Enuus seit November 2018. «Im August kommen wir mit 50 Enuus nach Zürich und im September mit 30 nach Basel», verkündet Loetscher. Wer mindestens 18 Jahre alt ist, Kreditkarte, Smartphone und Töffli-Ausweis besitzt, kann das kleine Fahrzeug mit einer Reichweite von 40 Kilometern für 20 Rappen pro Minute anmieten.

Sicher sei das kleine Gefährt aufgrund der geringen Geschwindigkeit: «Man weiss, dass die Geschwindigkeit einen grossen Einfluss auf das Unfallrisiko hat», erklärt Loetscher. Zudem würden Anschnallgurte demnächst nachgerüstet werden. Doch was passiert, wenn so ein Miniauto frontal mit einem SUV kollidiert? Eine Antwort darauf blieb der Unternehmer bislang noch schuldig.

«Nehmen viel Raum in Anspruch»

«Ich glaube nicht, dass es für jene Distanzen, für die Enuus gebraucht werden, motorbetriebene Fahrzeuge braucht», erklärt Michael Töngi, Nationalrat der Grünen. Er sieht in ihnen eher eine Konkurrenz zu Velo und Elektrovelo sowie für Velostreifen und Parkplätze. «Als Ergänzung für den Transport von Einkäufen können sie aber sinnvoll sein», merkt er an.

Und auch SP-Nationalrat Thomas Hardegger kann dem neuen Akku-Gefährt nicht viel Positives abgewinnen: «Sie nehmen viel Raum in Anspruch und sollten nur von Menschen benutzt werden, die mobilitätseingeschränkt sind und ein ärztliches Zeugnis vorweisen können.»

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • V. Bucher am 15.05.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Aber das Velo auf einem Motorradparkplatz zu parkieren scheint für die meisten Velofahrer kein Problem zu sein... Das soll man mal verstehen!

    einklappen einklappen
  • Tell's Lady am 15.05.2019 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grün

    Es ist doch grün. Wo ist das Problem?

  • 99% usländer am 15.05.2019 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ironie off, wirklich jetzt

    Überall hats Platz für Velos. Stellt sie halt richtig hin statt quer, diagonal und auf dem Kopf am besten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rosie73 am 18.05.2019 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Velo nervt sich...

    Dass das Miniauto auf dem Veloweg fahren darf? Verstehe ich nicht, so wird dieser wenigstens auch einmal benutzt. Fahrradfahrer nehmen eh lieber das Trottoir oder belegen gleich die normale Fahrspur...

  • chris am 16.05.2019 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    waaas?

    Die Velofahrer sind genervt? Och nö!!! Wir Auto/Lkw fahrer sind jeden Tag von den Velofahrer genervt.

  • Martin 1979 am 16.05.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Parkieren

    Das Miniauto müsste aus meiner Ansicht ein Auto Parkplatz parkieren

  • Heinz Gschwind am 16.05.2019 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Hobby Polizist

    Ich freu mich riesig auf die dinger :-) endlich auch mal Stau auf dem Radweg, auf dass habe ich schon lange gewartet. Jetzt fehlt nur noch , dass die Fahradwege für Muttis mit Zwilings-Kinderwagen Freigegeben werden. Da wir ja alle so freiheitsliebend sind, fahren und parkieren wir doch auch in Zukunft alle wo wir grad wollen. Da jetzt die Fahrradwege rechtlich gleich behandelt werden wie Wanderwege würde ich auch noch empfehlen alle 250 meter ein Gasthof zu eröffnen.. Dann müssen Sich die verschwitzten Biobike und E-Bike Fahrer nicht mehr stundenlang auf dem Radweg unterhalten .

  • Christian am 16.05.2019 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zuerst die Regeln einhalten und dann kann ma Rekla

    Staune sehr dass sich die Fahrradfahrer aufregen. Was soll ich als Motoradfahrer sagen, hier in Basel sind diese Parkplätze mehrheitlich mit Velo besetzt!