Mobility Pricing

30. Juni 2016 09:28; Akt: 30.06.2016 15:32 Print

Doris Leuthard plant die Verkehrs-Revolution

Die Verkehrsministerin will, dass nicht mehr alle Pendler zur gleichen Zeit zur Arbeit fahren – dank Mobility Pricing und neuen GAs.

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Bessere Verteilung des Verkehrs: Astra-Direktor Jürg Röthlisberger und Bündesrätin Doris Leuthard haben bedeutende Pläne. (8. Januar 2016) Der Bundesrat hat den Konzeptbericht zum Mobility Pricing verabschiedet: UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard (vorne) erscheint mit Bundesratssprecher André Simonazzi für die Präsentation in Bern. (30. Juni 2016) Leuthard (r.) trat gemeinsam mit Jürg Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen ASTRA (l.) und Peter Füglistaler (Mitte), Direktor Bundesamt für Verkehr BAV auf. Insgesamt sollen die Pendler für Mobility Pricing nicht mehr bezahlen. Dieses könnte mit der Zeit auch andere Abgaben wie die Autobahnvignette ersetzen, sagt der Bundesrat: Eine Frau klebt die Vignette für das Jahr 2016 an die Frontscheibe ihres Autos. Örtlich und zeitlich differenzierte Abgaben sollen ein solches Verkehrsaufkommen verhindern: Stau auf der bei Wallisellen. Auch die Pendler würden je nach Strecke oder Bahnlinie zur Kasse gebeten: Pendler drängen sich am Bahnhof Winterthur in einen Zug. «Das neue System darf auf keinen Fall zur Geldmaschine für unsinnige Strassenausbauten verkommen»: VCS-Präsidentin Evi Allemann. «Es zeichnet sich ab, dass der Bundesrat Mobility Pricing gar nicht weiterverfolgen will. Nach der Vernehmlassung wird er das Konzept schicklich beerdigen»: Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz. «Mobility Pricing hat einen fahlen Beigeschmack von Wegzöllen im Mittelalter»: Verkehrssoziologe Timo Ohnmacht von der Hochschule Luzern. «Eine Schnapsidee – damit werden jene bestraft, die täglich pflichtbewusst zur Arbeit fahren»: SVP-Nationalrat Walter Wobmann. «Unsere Energie- statt Mehrwertsteuerinitiative hat gezeigt, dass kleine Schritte in der Verkehrspolitik mehrheitsfähiger sind als visionäre Weitschüsse»: GLP-Nationalrat Jürg Grossen. «In den nächsten Jahren kann Mobility Pricing wohl noch nicht als praxistaugliche Lösung der Verkehrsfinanzierung betrachtet werden»: CVP-Nationalrätin Viola Amherd. «Die FDP hält eine langfristige Einführung des Systems auf Strasse und Schiene für prüfenswert»: FDP-Fraktionschefin Gabi Huber.

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Die Züge sind am Morgen jetzt schon gedrängt voll, die Strassen verstopft – und die Bevölkerung wächst weiter. «In Stosszeiten haben wir ein Problem», sagt Verkehrsministerin Doris Leuthard.

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Der Bundesrat will nun handeln. Das Ziel: Die Pendler sollen nicht mehr alle zur gleichen Zeit zur Arbeit fahren, sondern sich über den Tag verteilen. Denn ausserhalb der Spitzenzeiten sei mehr als genug Platz vorhanden, so Leuthard.

Wer früh in die Stadt will, zahlt mehr

Erreichen will sie diesen Wandel übers Portemonnaie: Wer zu Spitzenzeiten unterwegs ist, soll künftig mehr bezahlen müssen. Das Stichwort ist Mobility Pricing.

Funktionieren könnte das zum Beispiel so: Wer morgens um 7 Uhr nach Zürich, Basel oder Bern fahren will, muss dafür extra in die Tasche greifen. Ab 9 Uhr ist die Fahrt in die Stadt hingegen gratis. Kilometerzuschlag zu Hauptverkehrszeiten oder an neuralgischen Stellen nennt das der Bundesrat.

Städte und Kantone sind interessiert

Wie teuer das für die Autofahrer wird, ist noch völlig unklar. Mobilität soll jedenfalls für alle erschwinglich bleiben, sagt Leuthard. Und: «Mobility Pricing könnte die Vignette ersetzen.»

Die Kantone Genf, Tessin, Zug sowie die Stadt Rapperswil-Jona und der Grossraum Bern haben bereits Interesse angemeldet, Mobility Pricing in Pilotprojekten zu testen. Wie es weitergeht, wird jetzt abgeklärt.

Zeitabhängige Tarife im ÖV

Auch in Zug, Bus und Tram will Leuthard die Spitze brechen. Heisst: Die Pendler sollen sich besser verteilen. Auf stark belasteten Bahn-, Bus- und Tramlinien sollen deshalb örtlich und zeitlich differenzierte Tarife eingeführt werden.

Die Bundesrätin rüttelt auch am GA. Einige Leute würden es schon in vier Monaten herausfahren, sagte sie an der Pressekonferenz am Donnerstag. Das GA soll es zwar weiterhin geben – aber möglich ist, dass es nur bis zu einer bestimmten Anzahl an gefahrenen Kilometern gilt. Oder nur zu bestimmten Zeiten. Leuthard bleibt hier noch vage.

Fakt ist: Von heute auf morgen werden die Massnahmen noch nicht umgesetzt. Beim Mobility Pricing rechnet der Bundesrat mit 15 Jahren.

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martina am 30.06.2016 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Pendeln aus Spass?

    Super! Weil die allermeisten Pendler reisen ja nur zum Vergnügen. Und falls sie dann doch mal arbeiten gehen, ist es ihrem Chef bestimmt egal, ob sie um 7,8 oder 11 Uhr anfangen! Liebe Frau Leuthard, mit diesen Massnahmen bestrafen Sie den "kleinen Angstellten" der nicht frei wählen kann, wann er den ÖV nutzt. Ich finde das nicht fair! In einem übervollen Zug zu reisen ist schon Strafe genug!!

    einklappen einklappen
  • Fred F. am 30.06.2016 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Juhuu!!

    Statt richtige Lösungen zu präsentieren, werden dem Autofahrer nur Steine in den Weg gelegt. Dafür benutzt man sogar sein eigenes Geld. Dann schön alles in die ÖV "investieren", und nächstes Jahr... Überraschung: ÖV Preise steigen!

    einklappen einklappen
  • Regula am 01.07.2016 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abtreten, Frau Leuthard und D.Müller

    Denn Sie selber haben das GA 1Kl. gratis !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Henz Meier am 06.07.2016 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So gehts ...

    Auf immer mehr Strassen herrscht der ganze Tag 6-20h STAU. Die Infrastruktur kann nicht beliebig ausgebaut werden. Somit gibts nur: -Zuwanderung begrenzen -Zur Rush Hour keine AHVler mit GA, Flüchtlinge -unterschiedliche Schulferien in den Kantonen Und schon rollts wider ....

  • Thomas R am 05.07.2016 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privatsphäre?

    Was am meisten stört und noch verheimlicht wird ist, dass der Autofahrer registert und gespeichert wird in seinem Verhalten. Anders gehts gar nicht. Wo bleibt da die Privatsphäre?

  • Silberpfeil am 05.07.2016 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Ich glaube einzelnen Politiken würde es gut tun, wenn sie wieder einmal einer Arbeit in der Privatwirtschaft nachgehen würden bevor sie anhand einer theoretische Studien etwas neues einführen.

  • Herr Bünzli Theophil am 05.07.2016 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ich brauche keinen Sitzplatz, wenn ich ein Bett bekomme

  • Walter K. am 02.07.2016 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Breath pricing

    Irgendwann kommt dann auch ne Sondergebühr für gute Luft. Breath pricing Monetarisierung von allem...