Kanton Waadt

30. April 2017 19:20; Akt: 30.04.2017 22:23 Print

Drei FDP- und zwei SP-Regierungsmitglieder bestätigt

Die Waadtländer haben heute eine neue Regierung und ein neues Parlament gewählt. Fünf bisherige Staatsräte erreichen im ersten Wahlgang das absolute Mehr.

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Von links nach rechts: Finanzdirektor Pascal Broulis (FDP), Raumplanungs- und Umweltdepartementes Jacqueline de Quattro (FDP), Infrastrukturministerin Nuria Gorrite (SP), Wirtschaftsminister Philippe Leuba (FDP) und Staatsratspräsident Pierre-Yves Maillard (SP). (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

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Drei FDP- und zwei SP-Regierungsmitglieder haben die Wiederwahl in den Waadtländer Staatsrat im ersten Anlauf geschafft. Béatrice Métraux (Grüne, bisher) und Cesla Amarelle (SP, neu) verfehlten das absolute Mehr, platzierten sich aber vor Jacques Nicolet (SVP). Ob die Regierung künftig in links-grüner Hand bleibt, wird sich nach der zweiten Runde am 21. Mai zeigen.

Das beste Resultat machte – nach einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Staatsratspräsident Pierre-Yves Maillard (SP) – Finanzdirektor Pascal Broulis (FDP). Er erzielte 100'051 Stimmen (60,42 Prozent), bei einem absoluten Mehr von 82'804 Stimmen.

Dicht hinter ihm folgt mit 59,90 Prozent Sozial- und Gesundheitsdirektor Maillard. Das starke Regierungsduo Broulis und Maillard hatten bereits bei den letzten Wahlen im Jahr 2012 am besten abgeschnitten, damals allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Die Vorsteherin des Raumplanungs- und Umweltdepartementes Jacqueline de Quattro (FDP) schaffte es mit 56,39 Prozent auf Platz drei. Hinter ihr erreichte Wirtschaftsminister Philippe Leuba (FDP) mit 55,67 Prozent den vierten Platz.

Métraux muss in zweite Runde

Die bisherige Infrastrukturministerin Nuria Gorrite (SP), die ebenfalls noch über dem absoluten Mehr lag, wurde mit 55,43 Prozent als Fünfte im Amt bestätigt. Die bisherige Innenministerin Béatrice Métraux von den Grünen verpasste als einzige der Bisherigen das absolute Mehr. Sie kam auf 48,08 Prozent und muss in den zweiten Wahlgang. Dasselbe gilt für die neu kandidierende SP-Frau Cesla Amarelle. Sie kommt mit 43,56 Prozent vorläufig auf den siebten und letzten Platz in der siebenköpfigen Regierung zu liegen und liess damit den neu kandidierenden Jacques Nicolet von der SVP hinter sich. Dieser erreichte 40,34 Prozent.

SP-Nationalrätin Amarelle will den Sitz ihrer Parteikollegin und nicht mehr angetretenen Bildungsdirektorin Anne-Catherine Lyon erben. Sie bezeichnete ihr Resultat als «recht gut», räumte aber ein ein, dass ihr SVP-Mitstreiter um das vakante Amt von Lyon nicht so weit hinter ihr liege wie prognostiziert. Nicolet habe aber von einem speziellen Listeneffekt profitiert, betonte Amarelle.

Nicolet will noch einmal antreten

Nicolet, der auf der Liste der FDP kandidierte, zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden mit seinem Resultat. Er kündigte an, dass er im zweiten Wahlgang noch einmal antreten werde und bereit sei, über alle Themen zu diskutieren, sei es über soziale oder finanzpolitische. Die Umfragen hätten ihm nur 34 Prozent Wähleranteil vorausgesagt, nun habe er 40 Prozent erreicht, sagte Nicolet mit «grosser Genugtuung» und bedankte sich beim Waadtländer Volk.

Der wiedergewählte FDP-Regierungsrat Broulis stellte befriedigt fest, dass das Waadtländer Volk begriffen habe, dass Lösungen im Gesamtinteresse gefunden werden müssten. Die Kampagne der Bürgerlichen sei gut gelaufen und die Allianz zwischen FDP und SVP habe funktioniert. Die restlichen der insgesamt 15 Kandidierenden lagen mit Wähleranteilen von weniger als zehn Prozent auf den hinteren Rängen. Das beste Resultat der Aussenseiterkandidaten machte der Besitzer einer Schuhkette, Guillaume Toto Morand, der bereits vor fünf Jahren mit seiner als unabhängig bezeichneten «Parti de rien» erfolglos kandidierte.

Die Wahlbeteiligung betrug 40,13 Prozent und war damit tiefer als 2012 (41,79 Prozent). Im zweiten Wahlgang am 21. Mai wird sich zeigen, ob die Regierung links-grün dominiert bleibt oder die Mehrheit an die Bürgerlichen zurückgeht. Seit der Ersatzwahl für den 2011 im Amt verstorbenen SVP-Regierungsrat Jean-Claude Mermoud ist die Mehrheit im Waadtländer Regierungsrat in links-grüner Hand - und sieht sich einem bürgerlich dominierten Parlament gegenüber.

Kantonsparlament bleibt bürgerlich

Der 150-köpfige Waadtländer Grosse Rat bleibt auch nach diesen Wahlen in bürgerlicher Hand. Die SVP und FDP gewannen zusammen gleich viele Sitze wie bei den kantonalen Wahlen vor fünf Jahren. Sie stellen weiterhin 74 der 150 Abgeordneten. Die FDP konnte sogar zulegen und kommt neu auf insgesamt 49 Sitze. 2012 hatte die Partei 47 Mandate vereint. Sie bildet damit nach wie vor die stärkste Kraft im Parlament. Die SVP holte dafür zwei Sitze weniger als 2012 und kommt damit neu auf 25 Sitze.

Der Ausgang der Wahlen wurde im Vorfeld unter anderem als weiterer Test für die SVP gesehen, die in der Westschweiz zuletzt herbe Verluste einfuhr. Auch wenn der grosse Aderlass ausgeblieben ist, hat sich zumindest der Negativtrend bestätigt. Als noch grössere Verliererin geht allerdings die SP aus dem Rennen. Die Partei holte nur noch 37 Sitze und damit vier weniger als noch vor fünf Jahren. Dafür konnten die Grünen zwei Sitze zulegen und halten neu 21 Mandate. Die Linksaussenparteien schliesslich erzielten fünf Sitze. Damit verloren die Linksparteien unter dem Strich einen Sitz und stellen künftig noch insgesamt 63 Sitze im Parlament.

Die übrigen Sitze konnte die sogenannte Mitte-Allianz auf sich vereinigen, die neu über ein Mandat mehr und damit insgesamt 13 Sitze verfügt. Zu dieser Allianz gehören auch die Grünliberalen.

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eric am 30.04.2017 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu neoliberal

    Die SVP ist schlicht und einfach zu neoliberal, ein bisschen mehr Distanz zur Banken- und Wirtschaftslobby wäre angebracht.

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  • Daniel am 30.04.2017 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Das jämmerliche Absaufen...

    ... der SVP geht weiter. Das macht grosse Freude.

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  • ENU am 30.04.2017 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verliererpartei

    Wöchentliche Niederlagen für die Verliererpartei SVP. Warum gehen sie nicht endlich über die Bücher und misten endlich aus. Traurig, sehr traurige Partei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Baslerbebbi am 01.05.2017 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Chance für Nicolet

    Da die FDP Nicolet nicht untestützen wird, bleibt VD in linker Hand.

  • lolo am 01.05.2017 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und dass soll gut sein?

    super global power a la romande!! die bruder parteien für eine reibungslose globalisierung der schweiz! die bürgerInnen bleiben auf der strecke und werden von den säbigen parteien weiter gemolken.wehr die Ironie findet soll sie behalten!!

    • Captain Hindsight am 01.05.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @lolo

      Habe sie in der Globalisierung der Schweiz gefunden, will sie aber nicht behalten. Gebe sie im Fundbüro ab.

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  • Evan C. am 01.05.2017 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewählt....?!

    Haha Volksvertreter bei einer Wahlbeteiligung von 40% .... Und dann noch von Absolutem Mehr Reden.... Aber Jammern, wenn ein Trump gewählt wird... Die Welt kann so einfach sein!

  • Rene am 30.04.2017 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Die Schweiz kommt langsam aber sicher zur Vernunft. Wie schön! Endlich merken unsere Miteidgenossen, dass die SVP nur eine Partei von und für Millionäre ist. Der einfache Büezer interessiert die doch einen Dreck. Seit einiger Zeit verliert diese Partei alle Wahlen und Abstimmungen. Die nächste Abfuhr erhält die SVP an der Energieabstimmung. Zum guten Glück!

    • Minerspeed am 01.05.2017 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rene

      Frage mich wie Du darauf kommst das die SVP der velierer sein soll? Die SVP hat zwei Sitze weniger als vorher die hat nun die FDP dank der Listen verbindung. Erwähn doch mal das die SP vier Sitze verloren hat. Und im Regierungsrat hat die SVP ja auch nicht verloren. Die SVP musste sie keinen Sitz verteitigen sondern konnte nur einen gewinnen und dort ist das Rennen noch nicht gelaufen. So sieges gewiss wie sich da die SP gegeben hat können die den noch nicht sein. Könnte sein das es in drei Wochen lange Gesichter gibt bei der Rosenpartei. Und noch was zu Euch SVP hasser es braucht in der Schweiz alle grossen Parteien um im gleichgewicht zu bleiben leider haben das die linkspopuliszen wie auch die rechtspopulisten noch nicht gemerkt mann freut sich lieber daran und zeigt die grössten schadenfreude wenn die eine Seite verliert. Anstatt zusamen die besten lösungen zu kreieren.

    • Waadt bürgerlicher am 01.05.2017 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rene

      Ihre Logik ist sehr belustigend, hat doch insgesamt der linke Block verloren. Feiern Sie trotz der 4 Sitzverluste der SP einen hoffentlich gewaltfreien 1. Mai.

    • MaryJ. am 01.05.2017 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Minerspeed

      Wohl schon verdrängt dass schweizweit die SVP in jeder kantonalen Wahl verloren hat? Soloth. nicht reingekommen, Neuenburg 10 Sitze verloren und so weiter!! Herrlich wie die Anhänger der SVP alle Fakten verleugnen! Vielleicht mal die Rosa Parteibrille abziehen und richtig hinsehen wie der Rest der Wähler!

    • Pitri am 01.05.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Minerspeed

      also zu deinem allgemeinen Verständnis, die SP hat nicht 4 sondern 3 Sitze verloren, die Grünen haben 2 Sitze gewonnen und die svp hat 2 verloren, in Neuenburg übrigens 12 mehr als die hälfte und in Solothurn 2. Das "Volk" das ihr ja so für euch beansprucht, merkt langsam, dass die svp nicht mehr für ihr "Volk" da ist sondern für ihre eigenen Interessen. Was hat der Rösti gesagt? sie müssten wieder mehr Basisarbeit machen,das kommt euch aber spät in den Sinn. SP und Grüne machen das bereits. Darum wurden im Kt. So. auch jeweils bei der Regierungsrats- und Oltner Stadtradts Wahlen eine SP und Grüne Gewählt.

    • Minerspeed am 01.05.2017 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pitri

      Also ersten finde ich es frech mich einfach so in die SVP Ecke zu stellen habe glaube ich mit keiner silbe erwähnt das ich SVP bin. Aber das wo Du machst ist typisch links zuerst mal unterstellen und alles was nicht linker meinung ist das ist einfach rechts also da muss ich schon sagen das dies ganz einfache Politik ist. Aber das gehört zum linkspopulismus. Und richtig nach den neusten zahlen sind es drei sitze die die SP verloren hat. Aber zu den gewinnern ghören sie ha nicht den der zweite Wahlgang ist ja noch nicht vorbei. Gewinnen hat ganz klar die rechte seite und nicht links. Aber wie oben erwähnt es braucht beide Seiten für eine ausgewogene Politik aber das geht leider den Populisten von links bis rechts nicht in den kopf.

    • Minerspeed am 01.05.2017 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MaryJ.

      Ja und wo ist das Problem?? Ist doch normal das die Politlandschaften bei den wahlen ändern. Als bei den letzten Nationalen Wahlen die SP verlor hat das niemand gross an die Glocke gehängt. Aber das ist tipisch für links wenn die mit 51% z.B. eine Abstimmung gewinnen dann gibt es nichts zurütteln aber wenn si mit 49% verlieren ist das dann knapp und man sollte die 49 % berückichtigen und bla bla. Und das ist der grosse unterschied zu rechts.

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  • Ade Sozis am 30.04.2017 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Linkslastige FDP

    Wir sollten die Linken in die Westschweiz schicken, dann hätten wir in der Deutschschweiz wieder mehr Lebens-Qualität und beide Seiten wären da, wo sie hingehören.

    • Rene am 30.04.2017 21:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso wohl?

      Ihrer Ansicht nach haben die Westschweizer also eine bessere Lebensqualität als wir Deutschschweizer. Wieso wohl? Weil sie nicht so sehr auf den SVP-Leim kriechen wie wir Deutschschweizer. Sie machen es halt einfach besser als wir, wir müssen das neidlos anerkennen.

    • Amiro F. am 30.04.2017 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ade Sozis

      Mehr Lebensqualität??? Aber bestimmt nicht mit der SVP. Die Westschweizer sind eben doch bereits ein Stück weiter. Aber auch in der Deutschschweiz findet langsam ein Umdenken statt. Zum Glück,

    • J.J.S. am 30.04.2017 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ade Sozis

      Was heisst "wir in der Deutschschweiz"? Hier denkt nicht jeder wie Sie, auch ich nicht. Also sprechen Sie nicht in der WIR-Form, es sind gerade mal 29% der Stimmberechtigten, die SVP wählen, Tendenz sinkend. Es heisst vielleicht schon bald "Ade Popis"!

    • Kuno am 01.05.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      Überlegen

      J.J.S. Aber bis wir das Niveau von deiner Partei haben, müssen wir noch 10% verlieren!

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