Atommüll

23. November 2017 09:19; Akt: 23.11.2017 12:20 Print

Drei mögliche Tiefenlager für Atommüll

Jura-Ost, Nördlich Lägern oder Zürich-Nordost? Der Bundesrat hat von den sechs vorgeschlagenen Orten drei ausgewählt.

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Wohin mit dem Atommüll? Transport- und Lagerbehälter fuer hochradioaktive Abfälle im Zwischenlager in Würenlingen, Kanton Aargau. (Archivbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Der Bundesrat will drei Standorte für Atommüll-Tiefenlager vertieft untersuchen lassen. Es handelt sich um Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost. Nun kann sich die Öffentlichkeit dazu äussern. Danach geht es in die entscheidende Phase.

Bis die Lagerstätten zur Verfügung stehen, dürften noch 40 Jahre vergehen. Das Tiefenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle soll gemäss Bund im Jahr 2050, jenes für hochradioaktive Abfälle im Jahr 2060 in Betrieb gehen. Als frühesten Baubeginn rechnet der Bund mit 2045.

Der Bundesrat hat nun einen weiteren Zwischenschritt auf diesem langen Weg gemacht. Er leitete den Abschluss der Etappe 2 des Standortauswahlverfahrens für geologische Tiefenlager ein. Diese war 2011 gestartet worden und soll Ende 2018 mit einem Ergebnisbericht abgeschlossen werden.

Volk hat letztes Wort

Einen Entwurf dieses Ergebnisberichts hat der Bundesrat am Donnerstag mit den übrigen Berichten, Gutachten und Stellungnahmen bis zum 9. März in die Vernehmlassung geschickt. Damit könne sich die Öffentlichkeit zur Standortsuche äussern, erklärte Roman Mayer, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie, am Donnerstag vor den Medien in Bern.

Festgehalten werden soll am Standort Nördlich Lägern. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) wollte auf eine weitere Untersuchung dieses Gebiets zurückstellen, also faktisch verzichten. Dafür seien nicht ausreichend Daten vorhanden, argumentierte daraufhin das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI). Es empfahl deshalb, an den drei Standorten festzuhalten.

Nach dem Abschluss der zweiten Etappe beginnt die dritte und entscheidende Etappe des Auswahlverfahrens. Darin sollen die drei Standorte Jura Ost im Kanton Aargau, Nördlich Lägern in den Kantonen Aargau und Zürich sowie Zürich Nordost in den Kantonen Thurgau und Zürich vertieft untersucht werden. In Etappe 3 muss die Nagra die Vor- und Nachteile eines Kombilagers für beide Abfallkategorien prüfen.

Auf dieser Basis entscheidet die Nagra, für welche Standorte sie ein Rahmenbewilligungsgesuch ausarbeiten will. Dieses muss vom Bundesrat und dem Parlament genehmigt werden. Das Volk dürfte aber das letzte Wort haben.

In Etappe 1 hatte die Nagra einst sechs Standorte vorgeschlagen. Die Gebiete Jura-Südfuss (AG/SO), Südranden (SH) und Wellenberg (NW/OW) werden in der dritten Etappe jedoch nicht weiter untersucht. Allerdings verbleiben sie bis zur Erteilung der Rahmenbewilligung als Reserveoptionen für ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Sachplan.

Faires Verfahren des Bundes

Die möglichen Standortkantone für ein geologisches Tiefenlager bezeichnen das bisherige Auswahlverfahren des Bundes als fair und transparent. Dieses habe sich mit dem schrittweisen Vorgehen und der vorhandenen Flexibilität für zusätzliche Abklärungen bisher grundsätzlich bewährt, teilte der Ausschuss der Kantone (AdK) Ende September mit. Darin sind die Regierungen der möglichen Standortkantone vertreten.

Der Ausschuss der Kantone stellt in seinem Bericht aber auch einige Mängel im Verfahren fest. Er kritisiert, dass sich das BFE bei der Verfahrensführung zu oft auf die formale Abhandlung vorgesehener Schritte beschränke. In der Planung der Nagra fehlten zudem bis heute klare Vorstellungen über die Bautechnik sowie zur Rückholbarkeit der Abfälle.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max König am 23.11.2017 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Eine Schande, dass sich die Schweiz für ihren dreckigen Atommüll soviel Zeit lässt. Alle wollen billigen Strom, keiner will den Abfall. Nur schon für die Evaluation des Endlagers wurden bereits zig Millionen ausgegeben.

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  • Spongebob am 23.11.2017 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dir halbe wahrheit

    Es ist eine schande das nicht erwähnt wird, dass dieser Radioaktive abfall zum grössten Teil von Spitälern, Forschungseinrichtungen stammt. Der Müll von Kernkraftwerken ist zwar hochradioaktiv, ist aber nur ein sehr geringer Teil vom ganzen

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  • Kurt Spalinger am 23.11.2017 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Politisch oder technische Lösung?

    Der Bundesrat scheint in Sachen Geologie und Atomphysik bestens ausgebildet zu sein, um einen solchen Entscheid zu treffen? Geht es hier um eine politische oder eine technische Lösungssuche?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Streichler am 23.11.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte einen meinen Keller liefern!

    Jeder dieser Castor-Behälter liefert für kommende Jahrhunderte noch genug Zerfallswärme, dass man mit ihm in Verbindung mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe einen ganzen Häuserblock Heizen kann! Der gesamte radioaktive Abfall der Schweiz würde mit einem bescheidenen Betrag von Elektrischem Strom ausreichen um das komplette Land über Jahrhunderte hinweg zu Heizen! Und dies ohne Erdsondenbohrungen und ohne ÖL, Gas oder Holz zu verbrennen! Nie mehr CO2-Emissionen für die Gebäude-Erwärmung! Aber nein, man wirft diesen gewaltigen Schatz einfach weg! Angst ist ein schlechter (Energie)-Berater!

  • Patrik Hornisch am 23.11.2017 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Studieren bevor produzieren

    Ich frage mich einfach wie kommt es dazu, dass man anfängt Atom Abfall zu produzieren ohne dass man Weiss wohin damit.

  • Kritisch / gerecht am 23.11.2017 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Verursacherprinzip auch hier?!

    Hier wird hoffenltich auch das Verursacherprinzip angewandt. Wer Abfall generiet, bezahlt auch dessen Entsorgung.

  • Saludi am 23.11.2017 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kantone welche mit Atomkraftwerken Geld verdie

    sollten eigentlich jetzt auch den Atommüll behalten. Alle wollen Billigen Atomstrom, aber niemand den Dreck.

  • Thömu am 23.11.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles im AG

    Ist ja nicht so dass wir nicht schon drei Reaktoren im AG haben, nun sollen zwei von drei möglichen Endlagern auch noch im AG liegen? Sind wir der radioaktive Abfallkübel der Schweiz? Wenn dann nur unter der Bedingung, dass der AG für alle aktuellen Einwohner steuerfrei wird.