Umfrage

25. Februar 2020 09:58; Akt: 25.02.2020 09:58 Print

Drei von vier Bauarbeitern leiden unter Stress

Der Termindruck auf den Baustellen beeinträchtige Gesundheit und Arbeitssicherheit. Zu diesem Schluss kommt eine neue Umfrage der Unia.

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Der Termindruck auf dem Bau macht den Bauarbeitern zu schaffen. Das zeigt eine Umfrage der Gewerkschaft Unia, bei der über 12’000 Bauarbeiter aus der Schweiz teilgenommen haben. 78 Prozent der Teilnehmer geben an, dass der Termindruck auf den Baustellen in den letzten Jahren zugenommen hat. Für 73 Prozent der Befragten führt der Termindruck zu mehr Stress.

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«Wenn wir auf einer Baustelle anfangen, gibt es schon oft eine Verspätung, und wir sollen dann den Rückstand aufholen. Das geht auf Kosten unserer Gesundheit und der Arbeitssicherheit», wird der 22-jährige Marius, Maurer in Ausbildung, in der Unia-Umfrage zitiert. Über die Hälfte der Befragten geben an, dass wegen des steigenden Termindrucks die Gesundheit, Arbeitssicherheit und Qualität der Arbeit leiden. Für 68 Prozent gibt es negative Auswirkungen auf das Leben ausserhalb der Arbeit. Etwa wisse man nie, wann man am Abend nach Hause komme.

Schwere Unfälle nehmen zu

Eine hohe Belastung kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit haben, so die Unia. Zwar ist in den letzten Jahren die Anzahl Unfälle rückläufig, jedoch haben die schweren Unfälle seit 2008 um 17,6 Prozent zugenommen. Auch die Anzahl Todesfälle hat tendenziell zugenommen und ist im Vergleich zu anderen Branchen überdurchschnittlich hoch. Auf 100’000 Bauarbeiter kommen im Schnitt 13,4 Todesfälle.

Im Dezember letzten Jahres schockierte der tragische Unfall eines Lehrlings (15), der auf einer Baustelle in Dietikon ZH von einer Betonplatte erschlagen wurde. Schon damals kritisierte die Unia die Zustände auf den Baustellen. Etwa würden Bauelemente nicht sicherheitskonform gelagert, um Zeit zu sparen.

«Arbeitssicherheit hat Priorität»

Solche Zustände wollen die Bauarbeiter nicht länger hinnehmen. Somit geben auch drei Viertel der Umfrageteilnehmer an, dass gemeinam gegen den Termin- und Zeitdruck vorgegange werden müsse. Der Maurer Juan (45) sagt: «Ob Arbeitszeit oder Gesundheitsschutz: Uns Bauarbeitern wurde noch nie etwas geschenkt. Wir haben uns immer für unsere Rechte wehren müssen. Auch heute noch.»

Der Baumeisterverband erklärte nach dem Unfall in Dietikon ZH generell: «Arbeitssicherheit hat bei jedem Arbeitsschritt oberste Priorität. Alle Beteiligten auf dem Bau müssen sich jeden Tag bewusst sein, wie wichtig die Sicherheit ist.» Es gebe Kurse zum Thema, «entscheidend ist am Ende, dass die Equipe vor Ort entscheidet, was zu tun ist». Alle Anwesenden auf einer Baustelle seien zusammen für die Sicherheit verantwortlich.

(les)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • vom baugewerbe am 25.02.2020 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gesunder menschenverstand

    da sind Bund und Kantone mitschuldig wenn die Aufträge am günstigsten vergeben werden egal wo wo die Firma ist. Mann sollte immer der günstigste und teuerste streichen und mit den andern verhandeln und wieder mehr regional denken!!!

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  • MarinoS. am 25.02.2020 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wochenende mit Lambos

    Natürlich haben die Stress, willst du nicht, dann hol ich mir jemand anderes aus dem Ausland... Jeder zweite auf der Baustelle kann kein deutsch, zudem schuften die Mitarbeiter für total unfaire Löhne! Natürlich verhilft die Zuwanderung dem Bauboom und die Geschäftsleitung bereicht sich gnadenlos daran. Am Wochenende mit Lambos rumfahren und unter der Woche auf Mitarbeiter treten...

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  • B. Au am 25.02.2020 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielen anderen auch...

    Ich denke, dass geht nicht nur Bauarbeitern so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Peret am 27.02.2020 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch so

    Nicht nur Bauarbeiter. Sehr, sehr viele Angestellte tun das. Und wenn man etwas sagt wird es verniedlicht.

  • Tinu am 26.02.2020 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    Würde weniger gebaut, gäbe es weniger Stress!

  • Walter Hechtler am 26.02.2020 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Also, Mindestlohn auf 150,000 Franken und 16 Wochen Ferien fuer Bauarbeiter und dann die Mieten der gebauten Haeuser von 1800 auf 4800 Franken steigern.

  • Pippi Langstrumpf am 26.02.2020 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwerstarbeit

    Bauarbeiter müssten mit 50 pensioniert werden.Was diese leisten ist einfach enorm.Arbeiten bei größter Hitze und dann auch wieder in der Kälte.Dazu kommt,dass sie Schwerstarbeit leisten.Und jetzt kommt noch Stress dazu.Das nenne ich Ausbeutung.

    • nei au am 26.02.2020 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      jösses

      lätsch doch, das müssen andere auch!

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  • Jacqueline M. am 26.02.2020 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Die Gestressten, denen ich begegnet bin,

    waren von ihren Aufgaben überfordert. Nicht von der vielen Arbeit. Sie waren für diesen Job einfach nicht gerüstet! Sie glaubten, hatten aber nicht das Rüstzeit dafür. Vielleicht mal einen Schritt zurück machen. Sonst kommt das "Burnout "; eine Mischung aus beruflicher Inkompetenz die zu Überzeiten, schlechtem Schlaf, hastigem Essen und Frust führt. Was war zuerst?