Saferparty.ch an der Street Parade

12. August 2018 14:35; Akt: 12.08.2018 14:41 Print

Sie verhindert gerade eine MDMA-Überdosis

von V. Fehlmann - Am Stand von Saferparty.ch sorgt man dafür, dass die Drogenkonsumenten an der Street Parade wenigstens wissen, was sie zu sich nehmen. 20 Minuten war vor Ort.

Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork, erklärt im Interview, was Saferparty.ch an der Street Parade macht. (Video: 20Minuten/vro)
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Ecstasy, Kokain, MDMA – vieles wird an der grössten Technoparty der Schweiz konsumiert. Doch bei illegalen Drogen ist das Risiko gross, dass etwa die Dosierung gefährlich hoch ist oder gefährliche Streckmittel enthalten sind. Hier kommt saferparty.ch von der Zürcher Jugendberatung Streetwork ins Spiel: Mitten im Getümmel beim Bürkliplatz testen Mitarbeiter an einem Stand die Drogen, die ihnen Street-Parade-Besucher vorbei bringen.

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Ein Augenschein vor Ort zeigt: Der Stand ist gut besucht. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut. Vor dem Stand riecht es wie andernorts zeitweise nach Marihuana. Fast immer steht eine Traube von Menschen beim Stand. Es sind Menschen jeder Altersklasse. Nicht alle lassen hier illegale Drogen auf ihre Zusammensetzung testen. Manche informieren sich über die Gefahren des Konsums, die auf Plakaten geschildert werden, oder bedienen sich an den Prospekten.

Eine Pille, die gefährlich werden könnte

Saferparty.ch macht an der Street Parade rund 30 bis 40 Drug Checks, wie Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork, sagt. In einem mobilen Labor analysieren die Mitarbeiter in rund 20 Minuten eine Probe, die sie etwa einer Pille entnommen haben. So können sie genau herausfinden, welche Inhaltsstoffe die Substanz hat. «Die Leute bringen vor allem Ecstasy-Pillen, aber auch Kokain, Amphetamin und vereinzelt auch LSD», erklärt Kobel. Insgesamt wurden dieses Jahr 62 Substanzen getestet.

Drug Checking an der Street Parade

Die Testresultate sind oft überraschend: Ein junger, stämmiger Mann brachte am Samstag beispielsweise eine Ecstasy-Pille vorbei. Die Mitarbeiterin schabt ein Stück davon ab und gibt es in ein Reagenzglas. Nach rund 20 Minuten steht das Ergebnis fest. Als der Mann dieses erfährt, wirkt er fast sprachlos. Er scheint komplett verblüfft. Tatsächlich war die Pille stark überdosiert, wie die Mitarbeiterin erklärt. Sie enthielt 270 Milligramm MDMA.

Bereits ab 120 Milligramm warnt saferparty.ch vor dem Konsum. Hätte der kräftige Mann seine Pille in einem Stück genommen, hätte das für ihn böse enden können.

Kobel warnt auch: «Gefährlich sind momentan die hoch dosierten Ecstasy-Pillen.» Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Droge immer stärker wird. Im ersten Halbjahr waren in einer Pille durchschnittlich 173,4 Milligramm MDMA. Gerade an der Street Parade ist die Gefahr gross, gefährliche Substanzen zu erhalten. «Wir raten davon ab, an der Street Parade selbst Drogen zu kaufen. Das Risiko ist gross, dass einem eine Fälschung oder Ähnliches untergejubelt wird», sagt Kobel.

Keine Junkies, dafür alles andere

Den typischen Drogenkonsumenten scheint es am Stand nicht zu geben. Die, die sich hier über die Tests informieren, sehen aus wie du und ich: Junge Menschen – meistens Männer – die in Partylaune sind. Die einen tragen indianischen Kopfschmuck oder sonstige aufwendige Kostüme, die anderen tragen normale Kleider und fallen kaum auf. Manche kennen sich, andere sind alleine hier. Offensichtliche Drogenabhängige sucht man hier vergebens.

Was auffällt: Die Mitarbeiter am Stand führen viele Gespräche. Das Risiko beim Drogenkonsum scheint vielen bewusst und real. Ganz verzichten wollen sie aber offenbar doch nicht. Und nach dem Zwischenstopp am Stand von saferparty.ch tauchen sie deshalb bald wieder ab in der Masse der Tanzenden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schtriit Paräider am 12.08.2018 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Da fragt man sich doch schon:

    Warum kann man in der Schweiz solche Drogen und an solchen Anlässen nicht aus kontrollierter Umgebung kaufen? Konsumieren tun die Leute die Drogen sowieso. Auf dem Schwarzmarkt gehen diese Gelegenheitskonsumenten die erwähnten Risiken ein und bezahlen wohl auch noch einen heftigen "Dummy"-Zuschlag. Warum also nur prüfen und nicht gleich auch Drogen in ungefährlichen, kontrollierten Mengen verkaufen? Wo genau liegt das Problem?

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  • Fear & Loathing am 12.08.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ausprobiert

    und brauche trotzdem keine Drogen mehr um lustig zu sein. Alles andere endet böse

  • Donald Putin 68 am 12.08.2018 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drogenrückstände

    Dieses Wochenende werden nicht nur europäische Höchstwerte, von Kokainabbauprodukten, sondern auch von MDMA, Extasy und Co. in Zürichs Abwässern zu messen sein!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • BeeEasy am 13.08.2018 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jeder hat die wahl...

    jeder einzelne weiss was er sich mit dem konsum antut und muss die konsequenzen für sich allein tragen.ich persönlich verstehe nicht wie man sich einen stoff reinballern kann wenn man weiss das möglicherweise abhängig werde, den nächsten morgen nicht mehr erlebe,meinen körper mutwillig zerstöre und dafür noch einen haufen geld zahle... aber jedem das seine, allerdings dann bitte nacher nicht jammern und anderen auf der tasche liegen. jeder hat eine wahl...

  • Andi B. am 13.08.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    So zahle ich & viele es zurück

    Und genau wegen diesen Spass und Party-Gängern will der Staat die Organspenden! Säufer, Drögeler, Psychoten, Alkis, die Schwulen und Porn Gesellschaften tragen den Spassfaktor ja in jedes normale Haus in der Schweiz. Und weil ich mir zu schade bin, um für das heutige Party-Drogen-Rumvögeln Männchen oder Weibchen oder Zwischenteil, meine Organe zu verschenken, lasse ich diese viel lieber verbrennen. Ich will nicht, dass auch derartige Leute Hilfe bekommen, wenn sie zu meinen Lebzeiten mich und jeden vernünftigen Menschen, nur kosteten und ärgerten.

  • Ein Verwunderter am 13.08.2018 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ökonomisches überlegen?

    Ich frage mich bereits seit Monaten warum die Pillen überdosiert werden... Je mehr Wirkstoff darin ist, desto teurer ist doch auch die Produktion, oder etwa nicht?

  • Skunk Grower am 13.08.2018 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verteufelung

    In einer Gesellschaft in der man 110% liefern muss, ist es logisch dass sich die Menschen bei so einem Anlass sich etwas gönnen. Und alle die meinen Alkohol sei harmloser als MDMA der irrt sich. Zugeballerte Menschen zetteln keine Gewalt an als betrunkene Genossen. Und mit der richtigen Dosis macht MDMA auch weniger Schaden als Alkohol. Aber die verklemmten und teils unwissenden Menschen hier müssen ja alles verteufeln da sie nur die Schattenseiten sehen. An dieser Stelle eine Lob für die Drogentester und Streetworker - Ihr und die Sanis seid die wahren Helden der SP.

  • A. Gysin am 13.08.2018 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederspruch

    Für mich ist Saferparty ein wiederspruch zu unseren Gesetzten. Der Kauf und Konsum von Drogen ist Ilegal. Aber hier kann ich, ohne Konsequentze vom Staat die Drogen testen lassen.