Pokerspieler in Sorge

02. Juni 2016 05:42; Akt: 02.06.2016 05:42 Print

Droht Facebook-Sperre bei neuem Geldspielgesetz?

von D. Pomper - Geldspiele sollen in der Schweiz neu geregelt werden. Kritiker befürchten, dass Facebook gesperrt wird. Der Bund dementiert.

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Pokerspieler messen sich auf ausländischen Portalen mit Konkurrenten aus aller Welt. Doch damit dürfte bald Schluss sein. Am nächsten Dienstag stimmt der Ständerat über das neue Geldspielgesetz ab (siehe Box). Dieses sieht unter anderem Internetsperren für ausländische Portale vor, die entsprechende Online-Spiele anbieten. Dafür sollen in der Schweiz konzessionierte Spielbanken künftig ihre Konzession auf Online-Spiele ausweiten dürfen.

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Somit soll garantiert werden, dass die Spiele nach Schweizer Gesetzen abgewickelt würden und das Geld im Inland bleibe, wie Justizministerin Simonetta Sommaruga erklärte. Wer dennoch Online-Spiele nutzt, macht sich zwar – wie bisher – nicht strafbar. Einsätze und Gewinne können aber eingezogen werden.

Geoblocking innerhalb der Schweiz

«Mit dem neuen Gesetz soll der Zugang von Personen mit Wohnsitz in der Schweiz zu solchen illegalen Angeboten blockiert werden», sagt Michel Besson vom Bundesamt für Justiz und Projektleiter Geldspielgesetz. Ein solcher Ausschluss von Seiten der Veranstalter funktioniere in der Schweiz bereits im Bereich der Lotterien: Dank dem Einsatz von «Geoblocking» ist es Deutschschweizern nicht möglich, auf der Seite der Loterie Romande zu spielen. Zahlreiche ausländische Anbieter lassen schon heute keine Schweizerischen Spieler zu, etwa Frankreich.

Doch es wird Protest laut: «Das neue Geldspielgesetz bedeutet eine Bevormundung des Konsumenten», sagt Regulierungsexperte Simon Planzer, der als Anwalt rund zehn grosse europäische Anbieter von Online-Glücksspielen vertritt. «Die Auswahl der Konsumenten würde sich von Hunderten von Anbietern auf gerade mal zwei, drei Schweizer Anbieter reduzieren», sagt Planzer. Von diesen Zahlen gehe auch die Bundesverwaltung aus.

Online-Glücksspiele anzubieten sei ein kostenintensives Business und verlange viel spezifisches Know-how, welches sich Schweizer Casinos nicht hätten aneignen können. Planzer: «Online-Pokerspieler können in Zukunft nicht mehr an beliebten internationalen Online-Turnieren teilnehmen. Stattdessen müssten sie sich gemäss Gesetzesentwurf ausschliesslich mit Spielern zwischen Gruyère und Muotathal messen.»

Würde Facebook gesperrt?

Auch Pokerspieler und Kenner der Szene Marc Horisberger wehrt sich gegen das neue Gesetz. Er warnt: «Bei einer konsequenten Umsetzung des neuen Spielgesetzes müsste Facebook mit den heute vorhandenen Geldspielangeboten gesperrt werden. Denn wer bei Facebook Geldspiele spielt, verlässt Facebook zu keinem Zeitpunkt.» Zehntausende User würden sich auf Facebook oder anderen ausländischen Internetseiten ihre Zeit mit Glücksspielen wie ‹myVegas Slots – free Casino› oder ‹Slotmania› vertreiben. Damit dürfte mit dem neuen Gesetz Schluss sein, sagt Horisberger.

Dem widerspricht Michel Besson vom Bundesamt für Justiz und Projektleiter Geldspielgesetz. «Die von gewissen Lobbyistenkreisen geäusserten Befürchtungen, mit dem neuen Geldspielgesetz werde Facebook gesperrt, sind völlig haltlos.» Bei den heute auf Facebook angebotenen Spiele handle es sich weder um Spielbankenspiele noch um Geldspiele. Sonst wäre dieses Spielangebot gemäss dem geltenden Spielbankengesetz schon heute strafbar.

Würde Facebook dennoch Spielbankenspiele durchführen, würde der Zugang «nur zu diesen Spielen und nicht zur gesamten Seite gesperrt». Besson: «Die Sperren im Bereich der Kinderpornografie haben ja auch nicht dazu geführt, dass Facebook je gesperrt wurde.» Auch im Ausland habe die Möglichkeit des Blockings nicht zu solchen Folgen geführt. Wenn Facebook in der Schweiz Werbung für diese Spiele schalten würde oder gezielt Schweizer Spieler ansprechen sollte, würden sich die Verantwortlichen strafbar machen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ned am 02.06.2016 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :/

    Kümmert doch lieber mal um euer eigenes geld, ich darf doch wohl, selber entscheiden, was mit meiner geld passiert .

    einklappen einklappen
  • m.b am 02.06.2016 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CashOut

    Also ich gewinne hin und wieder auf Online Poker Turnieren und dieses Geld gebe ich dann in der Schweiz aus . Ergo das Geld aus dem Ausland bringe ich in die Schweizer Wirtschaft - so whats the Problem ???

    einklappen einklappen
  • ZEidgenosse am 02.06.2016 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbot & Steuern

    Hauptsache etwas verbieten. Mir ist wichtig, dass lottogewinne nicht der Einkommensteuer unterliegen. Diesbezüglich ändern sich die Meinungen und Aussagen beinahe täglich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Loewenhertz am 02.06.2016 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Internet

    Geldspiele verbieten. Facebook gleich mit dazu

  • TomTom71 am 02.06.2016 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Die können blocken was sie wollen, dann wird in Zukunft halt einfach mit Proxys und VPN gepokert.

  • Paolap am 02.06.2016 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hold texas poker

    Facebook hat kein Poker wo man geld gewinnt denke ich oder?

  • AdAbsurdum am 02.06.2016 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar

    Die Lobby der Casinos hat sich offenbar durchgesetzt. Konkurrenz muss ausgebremst werden, so deren Credo und das Parlament macht mit.

  • ExPoker am 02.06.2016 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quasi-Monopol

    Die Vergangenheit hat klar gezeigt, dass die hiesigen Spielbanken hinsichtlich Dienstleistungen im Pokerbereich mehr schlecht als recht waren. Der Aufwand und die Kosten waren ihnen viel zu hoch. Mit den Slots lässt sich eben günstig mehr verdienen! Durch das Ausschalten der ausländischen Onlinekonkurrenz entsteht ein Quasi-Monopol, wenn nur CH-Spielbanken noch Online-Poker anbieten. Damit wird diesselbe Problematik von vor ein paar Jahren nun aufs Onlinespielen ausgedehnt, private Konkurrenz ausgeschaltet und das Resultat ist: schlechter Service und hohe Gebühren!