Falsches Idealbild

10. April 2015 05:58; Akt: 14.04.2015 17:52 Print

Droht Magermodels in der Schweiz ein Jobverbot?

Extrem magere Models sollen in Frankreich von den Catwalks verbannt werden. Nun erwägen auch Schweizer Politikerinnen einen Vorstoss.

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Die französische Regierung will Mager-Models von den Laufstegen verbannen. Bei Verstössen drohen sechs Monate Haft und 75'000 Euro Geldstrafe. (Bild: Keystone/AP/J Pat Carter)

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Die französische Nationalversammlung in Paris beriet am vergangenen Freitag einen Gesetzesartikel, der stark unterernährten Frauen eine Arbeit als Model untersagt. Künftig darf ein gewisser Body-Mass-Index (BMI) nicht mehr unterschritten werden. Modelagenturen, die extrem dürre Mannequins engagieren, sollen sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von 75'000 Euro drohen. Ähnliche Massnahmen sind bereits in Spanien, Italien und Israel beschlossen worden.

«Früher hatten Models noch Fleisch am Knochen»

Im Fahrwasser des französischen Gesetzes prüfen auch Schweizer Politiker Massnahmen. SP-Nationalrätin Silvia Schenker will die Entwicklungen in Frankreich genau beobachten. «Falls die Gesetzesänderung in Frankreich positive Auswirkungen zeigt, wage ich einen entsprechenden Vorstoss in der Schweiz.» Gegen Essstörungen werde momentan noch viel zu wenig getan.

Patientenschützerin und GLP-Nationalrätin Margrit Kessler würde einen politischen Vorstoss unterstützen. Das französische Gesetz habe Vorbildcharakter: «Unser heutiges Schönheitsideal ist unmöglich. Das haben uns die Modelagenturen eingebrockt», so Kessler. «Früher hatten Models noch Fleisch am Knochen. Heute sieht man auf Plakaten nur noch dürre Gestalten.» Um das zu ändern, sei eine BMI-Untergrenze sinnvoll.

«Agenturen müssen Verantwortung zeigen»

Auch Nationalrätin Bea Heim (SP) spricht von einem «ungesunden Ausmass» in der Modelbranche. Ihrer Meinung nach sind dringend Präventionsmassnahmen nötig, damit sich das gesellschaftliche Schönheitsideal ändert. «Ich fordere Schweizer Modelagenturen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Sie sollen in Ausschreibungen und Formularen einen Mindest-BMI verlangen», so Heim.

Zudem müsse das Bundesamt für Gesundheit (BAG) reagieren – momentan gibt es vonseiten des Bundes noch keine Empfehlungen in puncto Essstörungen. Laut Heim muss das BAG den direkten Kontakt mit Modelagenturen suchen und die Bevölkerung sensibilisieren. So könne verhindert werden, dass sich Frauen schon in jungen Jahren dem Magerwahn hingeben und im schlimmsten Fall «zu Tode hungern».

«In der Schweiz sind Models nicht so dünn»

Die Psychologin Jennifer Hofmann von der auf Essstörungen spezialisierten Fachklinik Wysshölzli in Bern bestätigt, dass gewisse Werbekampagnen Auswirkungen auf Patientinnen haben: «Auch wenn die Ursachen von Essstörungen komplex sind und nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden können, haben Frauen oft Model-Plakate als Vorbilder.»

Heutzutage seien falsche Idealbilder durch Internetforen und soziale Dienste wie Instagram noch viel präsenter als früher. Darum könne ein Gesetz wie in Frankreich nicht nur die Models schützen, sondern auch Junge, die dem Ideal nacheifern.

Ursula Knecht, Inhaberin der Modelagentur Option, begrüsst die Gesetzesänderung in Frankreich. Die Schweiz müsse man aber separat betrachten: «Ich finde, die Models auf dem Schweizer Markt sind nicht so extrem dünn. Deshalb würde ein solches Gesetz hier wenig Sinn machen.»

(ced)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. D. am 10.04.2015 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    An der Zeit

    Finde ein Berufsverbot eine gute Idee! Muss endlich aufhören - ist nicht nur gesundheitsschädigend, sondern auch unästhetisch. Kein Mann will eine Frau ohne Hintern und Möpse...

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  • Junger Mann am 10.04.2015 06:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ich unterstütze diesen Antrag

    Zum Wohle der Menschheit! Gegen die Verdummung der Menschheit - naja dafür isses schon zu spät. Aber es gibt Hoffnung.

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  • S. am 10.04.2015 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weibliche Figur

    Ich habe von Natur aus eine sehr weibliche Figur und bin nicht abgemagert. Für mich kann es nur noch besser werden Frau Frey, echt jetzt!!! Verzerrte Selbstwahrnehmung gehört zu den Symptomen einer Magersucht. Mit Weiblichkeit hat diese Figur nichts zu tun.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • en dlich am 11.04.2015 23:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich

    das habe ich soeben auch festgestellt. danke, dass es endlich mal jemand sagt.

  • Vreni Hauser am 11.04.2015 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Endlich 2 Gemüsestäbchen zur Ernährung pro Tag statt nur eines... Frau Frey ist vermutlich nur ein halbes....

  • Ueli Bäcker am 11.04.2015 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Haut und Knochen

    Das soll dann der Sinn es Lebens und Vorbild für uns alle sein? Körperliche Arbeit lässt doch solche Personen nach einer Stunde ins Koma fallen, oder.

  • Martial Kohler am 11.04.2015 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Horror-Film ??

    Ein Jobverbot wäre eine gute Idee. Bin persönlich komplett gegen solchen "Skeletten-Models" !!

  • Bruder Motzi am 11.04.2015 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nur EINE einzige Möglichkeit,

    diesem Wahn ein Ende zu setzen, ist aber gleichzeitig völlig aussichtslos: Sämtliche Artikel eines Labels mit derartigen "Unfrauen" konsequent und ausnahmslos zu meiden. Ich weiss, dass ich ein Träumer bin, aber ein extrem realistischer....