Neue EU-Regel

01. Dezember 2017 12:37; Akt: 01.12.2017 13:32 Print

Droht dem Döner ohne Phosphat das Aus?

Der EU-Umweltausschuss will gegen schädliches Phosphat im Döner vorgehen. Auch in der Schweiz verwenden einige Hersteller das Bindemittel – aber nicht alle.

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In der EU geht es dem Döner womöglich bald an den Kragen. Die EU-Umweltkommission hat sich am Dienstag, 28. November, wegen «ernsthafter gesundheitlicher Bedenken» gegen eine Erlaubnis von Phosphat im Kebabfleisch ausgesprochen. (im Bild: Kanzlerin Angela Merkel an einem Kebabstand) Die Abgeordneten hatten den Antrag wissenschaftlichen Studien begründet, die eine mögliche Verbindung zwischen Phosphat-Zusätzen und Herz-Kreislauf-Problemen festgestellt hat. «Ohne Phosphat-Zusatz würden die Drehspiesse beim Grillen in sich zusammensacken und wären innen noch roh, selbst wenn die Aussenseite schon fast verbrannt wäre», sagt die CDU-Abgeordnete Renate Sommer, die sich auf Facebook gegen den Antrag wehrt. Folgt das EU-Parlament im Dezember dem Antrag, wäre dies laut Kenan Koyuncu vom deutschen Verband der Dönerhersteller «das Todesurteil für die gesamte Dönerindustrie in der Europäischen Union». Schweizer Dönerhersteller sehen dies anders. «Wir fügen dem Fleisch kein Phosphat hinzu», sagt Hasan Karabacak, Geschäftsführer von Birlik Döner. Man verwende sehr frisches Fleisch, das noch genug fleischeigenes Phosphat enthalte. «Wir verwenden schon seit einiger Zeit kein Phosphat mehr», sagt auch Temir Kilic, Produktionsverantwortlicher bei Efal Döner. «Es geht auch ohne künstliche und möglicherweise schädliche Bindemittel.» Bei Royal Döner, dem grössten Schweizer Döner-Hersteller, findet sich das Phosphat E451 als Fleischspiess-Zutat in einer alten Version der Website. Die Frage von 20 Minuten, ob auch heute noch Phosphat verwendet wird, blieb vom Hersteller unbeantwortet.

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Die EU-Umweltkommission hat sich am Dienstag wegen «ernsthafter gesundheitlicher Bedenken» gegen eine Erlaubnis von Phosphat im Kebab-Fleisch ausgesprochen. Derzeit ist der Gebrauch von Phosphat für gefrorene Fleischspiesse nicht explizit geregelt, für viele andere Fleischarten ist er aber erlaubt.

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Braucht es ein Phosphat-Verbot im Döner?

Die Kommission hatte den Antrag mit wissenschaftlichen Studien begründet, die eine mögliche Verbindung zwischen Phosphat-Zusätzen und Herz-Kreislauf-Problemen sowie erhöhter Sterblichkeit festgestellt hatten.

CDU-Frau setzt sich für Phosphat ein

Das Problem dabei: Das Bindemittel Phosphat macht den Döner saftig und schmackhaft, hält ihn zusammen und sorgt für ein gleichmässiges Garen. «Ohne Phosphat-Zusatz würden die Drehspiesse beim Grillen in sich zusammensacken und wären innen noch roh, selbst wenn die Aussenseite schon fast verbrannt wäre», sagt die CDU-Abgeordnete Renate Sommer, die sich auf Facebook gegen den Antrag wehrt.

Das EU-Parlament stimmt in seiner Session vom 11. bis 14. Dezember in Strassburg über den Antrag ab. Die Vorlage will das Phosphat aber nicht direkt verbieten, sondern nur nicht erlauben. Eine Duldung wäre also weiterhin möglich, genauso wie weitere Vorstösse bis hin zu einem Verbot.

Kommt es zum Verbot, wäre das laut Kenan Koyuncu vom deutschen Verband der Dönerhersteller «das Todesurteil für die gesamte Dönerindustrie in der Europäischen Union». Auch Sommer sagt: «Ein Verbot des Phosphat-Zusatzes würde zum Erliegen der Dönerproduktion führen.»

Schweizer Produzenten brauchen meist kein Phosphat

Auch Schweizer Hersteller setzen auf das Bindemittel. Bei Royal Döner, dem grössten Schweizer Döner-Hersteller, findet sich das Phosphat E451 als Fleischspiesszutat in einer alten Version der Website. Die Frage von 20 Minuten, ob auch heute noch Phosphat verwendet wird, blieb vom Hersteller unbeantwortet.

«Wir fügen dem Fleisch kein Phosphat hinzu», sagt hingegen Hasan Karabacak, Geschäftsführer von Birlik Döner. Man verwende sehr frisches Fleisch, das noch genug fleischeigenes Phosphat enthalte. «Wenn man den Döner frisch verarbeitet, dann braucht man keine chemischen Zusätze. Nur wenn man das Fleisch einige Tage liegen lässt, werden diese nötig.»

«Wir verwenden schon seit einiger Zeit kein Phosphat mehr», sagt auch Temir Kilic, Produktionsverantwortlicher bei Efal Döner. «Es geht auch ohne künstliche und möglicherweise schädliche Bindemittel. Man muss nur bei der Zubereitung und der Verarbeitung etwas besser aufpassen, dass der Döner nicht auseinanderfällt.» Am Anfang habe es deswegen noch einige Beschwerden gegeben, nun seien die Dönerläden mit dem Produkt zufrieden.

Schweiz würde EU-Regeln übernehmen

Die Rechtslage in der Schweiz sieht heute gleich aus wie in der EU. Beim Dönerfleisch besteht eine Gesetzeslücke: Eine Verwendung von Phosphat ist nicht explizit erlaubt. Kommt ein Verbot zustande, wird es laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wohl auch in der Schweiz umgesetzt. «Das BLV wird eine solche Entscheidung überprüfen. In der Regel wird die Schweizer Gesetzgebung dem EU-Recht gemäss angepasst», sagt Sprecherin Eva van Beek. Dies sei in ähnlichen Fällen die Regel gewesen.

Doch ob ein Verbot in der EU überhaupt kommt, steht noch nicht fest. Nachdem sich die deutschen Döner-Produzenten über ein mögliches Verbot empört haben, relativieren nun die EU-Politiker: «An der bestehenden Rechtslage in Europa und Deutschland ändert sich erst einmal gar nichts», sagt die SPD-Abgeordnete Susanne Melior. «Niemand muss auf seinen Döner oder Gyros verzichten.»

(the/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nationless am 01.12.2017 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon alles verbieten

    Was ist aber mit Aspartan, Glutomat, Glyphosat, andere Es und Palmfett, wie auch Fleisch mit Hormonen und Antibiotika? Die sind genauso Gesundheitsschädigend und dagegen wird nichts unternommen.

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  • R. Bättig am 01.12.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wo was??!?

    Beim Foto 3 steht "..und wären innen noch roh, selbst wenn die Aussenseite schon fast verbrannt wäre"....!?!? Ist das nicht normal....aussen knusprig zum Abschneiden? Normal arbeitet sich ja der Döner-Mitarbeiter von aussen nach innen...

  • Julia am 01.12.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach was!

    Jetzt hört doch auf! Wo hats denn sonst noch phosphat drin? Und was findet man als nächstens in Lebensmittel? Am Schluss dürften wir ja gar nichts mehr essen......

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bona am 02.12.2017 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit

    Eins ist klar beim Lebensmittel müssen allen Inhalte deklariert werden. So kann jeder für sich entscheiden welcher Gift er einnehmen möchte.

  • Manfred Nussböck am 02.12.2017 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Phosphat-Verbot ist gut für Dönerqualität!

    Royal Döner kann Ihre billigen Matsch-Döner nur mit viel zusätzlichem Phosphat herstellen, es ist ganz gut wenn dieser Ramschqualität endlich ein Riegel vorgeschoben wird. Richtiger Döner besteht aus richtigen Fleischstücken, nur so gibt es knusprigen und bekömmlichen Döner mit echten feinen Röstaromen. Phosphatbeigabe ist dabei absolut unnötig und der Döner ein Gaumenschmaus, nicht wie heutzutage meistens ein Gaumengraus grossenteils auch dank Royal Döner.

  • Johny Cash am 02.12.2017 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dönnerstag

    Döner mit oder ohne Phosphat nur am Dönnerstag. :)

  • Flørigni am 02.12.2017 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin positiv überrascht.

    Schön, dass die Schweiz hin und wieder auch mal ein sinnvolles EU Gesetz übernimmt. Ich dachte wir bekommen nur die Schlechten.

  • Kaffee Junkie am 02.12.2017 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kaffee in Selbstbedienung

    Seit ich die Inhaltsstoffe des Kaffeeweissers bei der Münz - Kaffeemaschine meiner Lieblingsbibliothek recherchiert habe, trinke ich nur noch Kaffee pur, ohne Weisser. Dieses Zeugs scheint aktuell vor allem aus Glukosesirup und Phospaten zu bestehen