Ungeimpfte Kinder

15. März 2019 11:18; Akt: 15.03.2019 11:18 Print

Masern mit Impfzwang und Bussen bekämpfen?

Immer mehr Kinder erkranken an Masern. Italien verhängt nun Bussen gegen Eltern, die ihre Kinder nicht impfen. Ein Lösung für die Schweiz?

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Am Mittwoch wurde bekannt, dass 50 Berner Schüler für drei Wochen nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Im Februar musste die Rudolf-Steiner-Schule in Biel vorübergehende geschlossen werden, weil sich rund zwölf Kinder mit den Masern angesteckt hatten. Beim Kind, das die Masern in die Rudolf-Steiner-Schule in Biel geschleppt hat, handelt es sich laut Veronika Raue, Geschäftsführerin der Rudolf-Steiner-Schule in Biel, um ein neunjähriges Mädchen aus dem Kanton Neuenburg. In Italien grassiert seit zwei Jahren eine Masernepidemie. Nun hat die Politik radikal durchgegriffen. Eltern haben laut BBC noch bis nächsten Montag Zeit, ihre Kinder impfen zu lassen, ansonsten drohen ihnen Bussen von bis zu 500 Euro. Masern sind hochansteckend. Bei jeder zehnten erkrankten Person treten Komplikationen auf. In sieben Fällen führte die Krankheit seit 1997 laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zum Tod. (Symbolbild) Immunologe Beda Stadler befürwortet Bussen für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen. Die Busseinnahmen sollten in die Impf-Forschung fliessen. «Ein Impfobligatorium dient dem Schutz von Personen, die sich nicht wehren können», stellt Stadler fest. Daniel Trappitsch vom Netzwerk Impfentscheid spricht sich entschieden gegen ein Impfobligatorium und Bussen aus: «Ein Impfzwang verstösst gegen verfassungsmässige Menschenrechte.» Es sei tragisch, wenn man die Leute nicht mehr mit Argumenten, sondern nur noch mit Zwang zum Impfen bewegen könne. Lorenz Hess, BDP-Nationalrat, spricht sich zwar klar für ein Impfobligatorium aus, kritisiert aber die Umsetzung in Italien: «Es kann nicht sein, dass Kinder nach Hause geschickt werden, schliesslich hat jeder das Recht auf Bildung.» Auch Bussen erscheinen Hess untragbar. Laut der Weltgesundheitsorganisation haben sich die Masernerkrankungen in Europa zwischen 2017 und 2018 verdreifacht. In Italien etwa wurden im Januar 165 Fälle gemeldet, im November waren es noch deren 58.

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Am Mittwoch wurde bekannt, dass 50 Berner Schüler für drei Wochen nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Das Berner Kantonsarztamt rechnet mit weiteren Masernfällen. Im Februar musste die Rudolf-Steiner-Schule in Biel vorübergehend geschlossen werden, weil sich rund zwölf Kinder mit Masern angesteckt hatten.

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Busse für Eltern ungeimpfter Schulkinder in Italien

In Italien grassiert seit zwei Jahren eine Masernepidemie. Nun hat die Politik radikal durchgegriffen. Eltern haben laut BBC noch bis Montag Zeit, ihre Kinder impfen zu lassen, ansonsten drohen ihnen Bussen von bis zu 500 Euro. Kinder unter sechs Jahren dürfen sogar von Kindergärten und Krippen nach Hause geschickt werden. Das Parlament hatte im Frühjahr 2017 ein Impfobligatorium für insgesamt zwölf Krankheiten beschlossen, darunter auch für Masern. Mit dieser Massnahme möchte Italien seine Durchimpfungsrate von unter 80 Prozent auf 95 Prozent steigern. Nur so können laut Weltgesundheitsorganisation Masern ausgerottet werden.

Italien ist nicht das einzige europäische Land, das ein Impfobligatorium kennt.

«Ein Obligatorium ohne Busse funktioniert nicht»

Auch Immunologe Beda Stadler befürwortet Bussen für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen. Die Busseneinnahmen sollten in die Impf-Forschung fliessen. «Ein Impfobligatorium dient dem Schutz von Personen, die sich nicht wehren können», sagt Stadler. Man impfe sich ja aus Solidarität anderen gegenüber. Beim Impfen habe man sowieso viel zu lange versucht, den Weg der Rationalität zu gehen: «Wir dürfen uns nicht von ein paar Verrückten unser Recht auf Schutz vor ansteckenden Krankheiten nehmen lassen», so Stadler.

«Umsetzung in Italien ist problematisch»

Lorenz Hess, BDP-Nationalrat, spricht sich zwar klar für ein Impfobligatorium aus, kritisiert aber die Umsetzung in Italien: «Es kann nicht sein, dass Kinder nach Hause geschickt werden. Schliesslich hat jeder das Recht auf Bildung.» Auch Bussen erscheinen Hess untragbar: «Diese treffen die falschen Leute, denn vor allem die ärmeren Schichten sind davon betroffen.» Für die Umsetzung eines Impfobligatoriums in der Schweiz wünscht sich Hess deshalb nachhaltigere Massnahmen.

«In erster Linie geht es ums Geld»

Daniel Trappitsch vom Netzwerk Impfentscheid spricht sich entschieden gegen ein Impfobligatorium und Bussen aus: «Ein Impfzwang verstösst gegen verfassungsmässige Menschenrechte.» Es sei tragisch, wenn man die Leute nicht mehr mit Argumenten, sondern nur noch mit Zwang zum Impfen bewegen könne. Angesprochen auf das italienische Impfobligatorium, sagt Trappitsch: «Dieses Gesetz erlaubt es, sich mit einer Busse quasi freizukaufen, und zeigt deshalb, dass es dabei in erster Linie ums Geld geht.» Die Massnahmen in Italien seien völlig fehlgeleitet und verstiessen gegen das Recht auf Bildung.

Der Schweizer Lehrerverband wollte sich nicht zum italienischen Impfzwangmodell äussern.

(mm/jk/dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.S. am 15.03.2019 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hillbillys

    Dass sich immer mehr Menschen nicht mehr impfen lassen zeigt, dass ein Teil der Gesellschaft immer dümmer wird. Freue mich schon auf die Daumen runten und pseudowisseschaftlichen Argumente jener Gruppe.

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  • Y. S. am 15.03.2019 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Recht auf Ansteckung anderer?

    Ein Kind kommt mit dem "Recht auf Bildung" krank zur Schule/Krippe, und die anderen Kinder, welche dann auch krank werden, haben kein Recht, gesund zu bleiben. Masern kann man übrigens erst ab 1 Jahr impfen, ungeimpfte Kinder in Krippen mit Kleinkindern gehört verboten.

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  • conny am 15.03.2019 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Recht auf Bildung

    Klar Herr Hess hat jede/r ein Recht auf Bildung. Aber ich denke doch, dass der Ausschluss der Schule für 3 Wochen aufgrund der Sicherheit für die Kinder getroffen wurde - und wären sie geeimpft könnten sie ja weiterhin zur Schule...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • notes713 am 15.03.2019 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    lasst uns ewig leben!

    Vor 200 Jahren war das Durchschnittsalter noch 45. Heute bereits über 80 mit vielen Probleme, die wir künstlich erzeugen. Das Leben ist ein Risiko!

  • Heidi Heidnisch am 15.03.2019 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfen? Nein Danke

    Seit Einführung der Hepatitis B-Impfung auch für die Säuglinge in Deutschland hat die Sterberate bei den Hepatitis B-Kranken immens zugenommen. (Quelle: Statistisches Bundesamt). 1977 gibt die WHO in ihrem Bulletin zu, dass die Pocken nicht dank der Impfung, sondern dank der Hygiene und Fürsorge der Erkrankten verschwunden seien. Wieso soll der Impfbegleitstoff Thimorosal (Quecksilber) harmlos sein, obwohl es das toxischte nicht radioaktive Element ist das es gibt?

  • Claudio am 15.03.2019 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Aluhut

    Lustig das Impfgegnern oft der Aluhut aufgesetzt wird, obwohl Aluminium ein wesentlicher Bestanteil von Impfstoffen ist.

  • Dagobert am 15.03.2019 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Grosszügigen Selbstbehalt einrichten

    Am ende des Tages ist es Fahrlässigkeit, und es wird wohl am einfachsten Monetär gehen, keine Busse aber lassen wird die Eltern doch einfach die Kosten tragen. Meine Kinder sind geimpft = sicher

  • gegu am 15.03.2019 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin geimpft

    Gegen so ziemlich alles, was man impfen kann. Mir ist es jetzt ehrlich gesagt egal, wessen Kind geimpft ist und welche Kinder nicht geimpft sind, mich kö nnen sie ja nicht anstecken. Sind denn alle Impfzwangbefürworter nicht geimpft oder warum regt ihr euch so auf?