Von links bis rechts

11. Februar 2016 05:41; Akt: 11.02.2016 09:16 Print

Durchsetzungs-Initiative spaltet auch Secondos

von J. Büchi - Ihre Eltern stammen aus dem Kosovo, aus Kroatien und aus Serbien: Wenn es um die SVP-Initiative geht, sind sich auch Secondos nicht einig.

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Arber Bullakaj, gebürtiger Kosovare, SP

«Für mich ist die Durchsetzungsinitiative ein extremer Etikettenschwindel. Es geht nicht darum, den Volksentscheid zur Ausschaffungsinitiative umzusetzen, sondern um viel mehr: Schon bei Bagatelldelikten – wenn jemand etwa aus Versehen eine Arztrechnung doppelt einreicht – droht im Wiederholungsfall die Ausschaffung. Wenn ein Ausländer einen Fehltritt begeht, muss er die nächsten zehn Jahre zittern.

Ich habe seit dem 20. Lebensjahr den Schweizer Pass und bin selber noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Mit acht Jahren kam ich in die Schweiz, seither kenne ich den Kosovo nur noch aus den Ferien. Wenn ich aus irgendeinem Grund zurück in mein Geburtsland müsste, würde ich mich dort überhaupt nicht mehr zurechtfinden und hätte keine Perspektiven. So geht es vielen Secondos hier.

Niemand will Mörder oder Vergewaltiger um sich herum haben, Schwerkriminelle müssen auf jeden Fall ausgeschafft werden. Wenn aber ein Schweizer und ein Secondo Cannabis verkaufen, ist es unverhältnismässig, wenn der eine nur eine bedingte Geldstrafe bekommt und der andere beim zweiten Mal ausgewiesen wird. Ich will einen Rechtsstaat, der die Bevölkerung vor Kriminellen schützt, aber auch den in der Bundesverfassung verankerten Grundsatz, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, hochhält. Eine Zweiklassenjustiz ist der Schweiz nicht würdig.»

Niko Trlin, gebürtiger Kroate, SVP

«Jeder hat es selber in der Hand, ob er kriminell wird oder nicht. Ich glaube, dass Tugend und Moral gerade in einer multikulturellen Gesellschaft umso wichtiger sind. Wer seine Chance nicht nutzt und die Gutgläubigkeit seiner Mitbürger ausnutzt, gehört ausgeschafft. Auch im Interesse der anderen Ausländer, die sonst mit den Kriminellen in einen Topf geworfen werden.

Das Argument, dass die Durchsetzungsinitiative eine Zweiklassengesellschaft schaffe, zählt für mich nicht. Wer als Ausländer in einem fremden Land lebt, ist ein Gast und soll sich auch entsprechend benehmen. Gast zu sein ist ein Privileg. Die Gleichgültigkeit gegenüber Kriminellen endet vor den Toren des eigenen Übels.

Ich habe seit gut drei Jahren den Schweizer Pass, mein Strafregisterauszug ist rein. Meines Erachtens ist es ein Problem, dass die Richter in der Vergangenheit oft zu milde Strafen ausgesprochen haben. Hätten sie härter durchgegriffen, müssten wir jetzt vielleicht gar nicht über diese Frage abstimmen.»

Jasna Milanovic, gebürtige Serbin, parteilose Präsidentin der SVP-nahen Vereinigung Neue Heimat Basel

«Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient. Als Schriftstellerin habe ich mich intensiv mit Menschen befasst, die auf die schiefe Bahn geraten sind. Eines meiner Bücher ist vom Schicksal meiner Cousine inspiriert: Ihr Mann war Mitglied der serbischen Mafia, sie hat ihn als junge Frau unterstützt, und plötzlich kam sie nicht mehr aus der Geschichte heraus. Die beiden lebten zeitweise in der Schweiz.

Ich werde die Durchsetzungsinitiative annehmen, weil ich hoffe, das Schwerkriminelle dann sofort ausgewiesen werden. Wenn wegen der Initiative Jugendliche ausgeschafft würden, die einfach leichtsinnig gehandelt haben, würde mir das aber schon Mühe bereiten.

Ich wurde eingebürgert, als ich 18 oder 19 war. Ich liebe die Schweiz – alles, was ich habe, ist hier. Wieder in Serbien zu leben, wäre für mich sehr, sehr hart.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bob-Design am 11.02.2016 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon genug Kriminelle

    Natürlich ist es ziemlich hart, deshalb könnte man dem Schweizer Dealer nach mir auch eine härtere Strafe geben. Trotzdem, wenn man es weiss, sollte man einfach nicht mehr dealen. Und wir haben selber genug kriminelle, also brauchen wir nicht noch mehr.

  • tobson am 11.02.2016 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tfl

    Wichtig ist v.a., dass sich möglichst viele Bürger darüber informieren und dann auch den Weg zur Urne auf sich nehmen. Ich werde das Resultat akzeptieren, egal wie es ausfällt...!

  • Rebby am 11.02.2016 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freie Entscheidung

    Wenn einer Cannabis verkaufen will, ist er ja frei zu überlegen ob es ihm wert ist, falls er erwischt wird, das Land verlassen zu müssen. Wer nicht dumm ist, entscheidet sich dagegen. Mir ist noch kein Fall bekannt, wo jemand gezwungen wurde etwas Unredliches zu tun. Und wenn doch, dann kann er es ja der Polizei melden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • summerraege82 am 11.02.2016 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Initiative

    Mit dieser Wahl wird die Schweiz klar gespalten. Wer sich an die Regeln und an die Ordnung der Schweiz hält, muss nichts befürchten. Bin selbst mit einem Ausländer verheiratet, der seit Geburt hier lebt und er weiss selber, dass Fehltritte nicht mehr geduldet sind. Diese Initiative ist schon sehr Ausländerfeindlich.. Wäre besser gewesen, eine Initiative zu erstellen, wo auch Schweizerbürger mit härten Strafen rechnen müssen. Auch diese sind keine braven Schafe..

  • Rebby am 11.02.2016 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freie Entscheidung

    Wenn einer Cannabis verkaufen will, ist er ja frei zu überlegen ob es ihm wert ist, falls er erwischt wird, das Land verlassen zu müssen. Wer nicht dumm ist, entscheidet sich dagegen. Mir ist noch kein Fall bekannt, wo jemand gezwungen wurde etwas Unredliches zu tun. Und wenn doch, dann kann er es ja der Polizei melden.

  • Von der Heide am 11.02.2016 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein grosses JA

    Um zu zeigen, dass wir noch eine Demokratie sind und der Volkswille oberstes Gebot sein sollte.

  • Peter Gisler am 11.02.2016 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Initiativen Secondos

    Ich finde die Secondos bringen gute Argumente und auch ich bin der Überzeugung das diese Initiative nur ein Nein verdient und nichts anderes die Menschenrechte muss man schätzen

  • JohnCena am 11.02.2016 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SVP

    Die SVP ist nicht direkt Ausländerfeindlich. Das Bild was Ausländer haben ist nunmal falsch, sie denken: SVP = Ausländerhass. Es ist ganz normal wenn man etwas patriotisch ist, das hat jeder Mensch in uns. Nur finde ich die Plakate der SVP zu provozierend.