Keime im Wasser

24. September 2013 21:58; Akt: 24.09.2013 21:59 Print

Duschen in Hotels auf eigene Gefahr

In 25 von 40 Schweizer Hotels wurden bei einem Test Legionellen im Wasser gefunden – der empfohlene Grenzwert wurde teilweise massiv überschritten. Die Keime können krankmachen.

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In 25 von 40 Wasserproben in Hotels wurden Legionellen gefunden. (Bild: Colourbox)

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Das hilft auch der flauschigste Bademantel nicht: Das Duschvergnügen im Hotel kann jäh getrübt werden, finden sich im Wasser Legionellen. Fieber, Durchfall, Lungenentzündung und im schlimmsten Fall der Tod können die Folge der durch die Bakterien ausgelösten Legionärskrankheit sein.

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Der «K-Tipp» hat in 40 Schweizer Hotels Wasserproben genommen, gerade einmal 15 der Proben erwiesen sich als einwandfrei. In den anderen Proben wurden Legionellen gefunden, bei fünf Hotels überschritten diese gar den empfohlenen Richtwert des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) von 10'000 keimbildenden Einheiten pro Liter Wasser. Im Bericht spricht Pierre Studer vom BAG von einer «hochgradigen Kontamination» – das Wasser ist also potenziell gesundheitsgefährdend.

Im Hotel Ambassador in Bern, dem Hotel Heiden in Heiden, dem Backpacker Hotel Glocke in Bern und dem Hotel St. Georges in Zürich wurden jeweils Werte über 10'000 erreicht. Die Hotels wollen unverzüglich Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität treffen. Im Wasser des Hotel Flora in Luzern wurden gar 73'000 Legionellen pro Liter Wasser gefunden. «Bei einem solchen Wert ist ganz klar eine Gesundheitsgefahr gegeben», sagt Mikrobiologe Hans-Anton Keserue zu 20 Minuten.

Eigene Tests des Hotels fielen negativ aus

«Wir sind natürlich beunruhigt und können uns das Ergebnis nicht erklären», sagt Flora-Direktorin Jessica Ternes auf Anfrage. Das Hotel habe ein Legionellen-Abwehrsystem, das jede Nacht durch Erhitzen das Wasser desinfiziert. Ternes hat zudem auf das K-Tipp-Resultat hin Schnelltests auf verschiedenen Etagen angeordnet – alle fünf fielen negativ aus. Diesen Mittwoch folgten zudem mikrobiologisch Analysen, die ein Labor innert zwei Wochen auswerten soll. Keserue bemängelt allerdings die Wirksamkeit von Schnelltests: Sie zeigten nur Werte ab etwa 10'000 Legionellen pro Liter Wasser an.

Keine gesetzliche Bestimmung

Der Luzerner Kantonschemiker Silvio Arpagaus liefert eine mögliche Erklärung dafür, dass bei Tests am gleichen Wasseranschluss innert kurzer Zeit zwei ganz unterschiedliche Testergebnisse entstehen: «Wenn längere Zeit gute Bedingungen für die Vermehrung herrschen und das Wasser nicht fliesst, kann es zu einem starken Anstieg an Legionellen kommen. Läuft dann das Wasser wieder, werden die Legionellen am Anfang rausgeschwemmt und die Konzentration sinkt.» Es sind die ersten paar Liter eines Duschgangs, die laut Keserue potenziell stark kontaminiert sind – er empfiehlt deshalb, die Brause einfach einen kurzen Moment lang über dem Abfluss laufen zu lassen.

Eine gesetzliche Bestimmung auf Bundesebene gibt es nicht, grundsätzliche besteht nur das Prinzip der Selbstkontrolle. Die Lebensmittelkontrolle würde Untersuchungen auf Legionellen nur im Rahmen von epidemiologischen Abklärungen vornehmen, wenn etwa bei einem Patienten eine Legionellose festgestellt wird, um die möglichen Ursachen ausfindig zu machen.

Update 19. September 2013:
Auch das Hotel Ambassador hat letzte Woche eigene Analysen des Duschwassers in Auftrag gegeben. Diese ergaben einen Legionellen-Wert von maximal 300 Keimen pro Liter – deutlich weniger als im Test des K-Tipp. Damit ist das Wasser für die Gäste unbedenklich. Das Hotel betont zudem, dass es quartalsweise eine Legionellenprävention durchführe.

(lua)

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