Weltpremiere

11. November 2018 15:16; Akt: 11.11.2018 15:16 Print

E-Autos dürfen schneller fahren als Benziner

Unterschiedliche Tempolimiten für E-Autos und den Rest? In Österreich wird das Realität. Experten sind skeptisch, ob das auch in der Schweiz Sinn macht.

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Ungleich Spiesse auf österreichischen Autobahnen: Bei unseren Nachbarn wurde mit einer Änderung beim Immissionsschutzgesetz-Luft eine gesetzliche Ausnahme von Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen und Schnellstrassen geschaffen. Weil E-Autos keine CO2-Emissionen verursachen, soll für sie das Tempolimit auf gewissen Strecken künftig nicht mehr gelten.

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Konkret heisst das: Fahrer eines E-Autos dürfen in einer sogenannten IG-L-100er-Zone bis zu 130 km/h schnell fahren, alle anderen müssen sich an das 100 km/h-Limit halten. Laut dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus gilt das für Strecken von insgesamt 440 Kilometer. Bereits ab Jahreswende soll die Regelung zum Tragen kommen.

Weltweit einmalig

Der Parlamentsbeschluss, dass E-Autos künftig schneller fahren dürfen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, ist weltweit einmalig. Doch für die österreichische Regierung ist das Gesetz auch eine Massnahme, um Anreiz für den Umstieg auf die E-Mobilität zu schaffen. «Diese Ausnahme ist ein Vorteil, den wir Besitzern von E-Fahrzeugen geben wollen», so die österreichische Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger.

Tatsächlich hat sich die österreichische Regierung zur Reduktion der Emissionen sowie zur Forcierung der E-Mobilität bekannt. Weitere Massnahmen sind denn auch bereits geplant: Bald sollen für E-Autos Busspuren geöffnet und das Gratisparkieren gefördert werden.

Experten zurückhaltend

Die Schweiz kennt abgesehen von vereinzelten Sonderreglungen in Bergdörfern und speziellen Ladeparkplätzen noch keine Bevorteilung von E-Autos, sieht man von Steuerbefreiung in einzelnen Kantonen mal ab. Doch im österreichische Model sehen Experten wie Andreas Burgener durchaus positive Ansätze: Grundsätzlich gehe die Überlegung in die richtige Richtung, so der Direktor von Auto Schweiz, der Vereinigung der Schweizer Automobil-Importeure. Allerdings «sollte diese Massnahme auch für andere Antriebsarten wie Erdgas- oder Wasserstoff-Fahrzeuge weitergedacht werden».

Kritischer ist man beim Auto Gewerbe Verband Schweiz. AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli: «Ich halte das für eine politisch motivierte und nicht praktikable Zwängerei». Das Aufheben von Tempolimits für emissionsarme Fahrzeuge töne theoretisch gut, sei «in der Praxis aber nicht umsetzbar und gefährlich». Aktuell dominiere E-Mobilität «nicht nur in der Schweiz die politische Agenda», so Wernli.

Kommt dazu: Aufgrund des wachsenden Verkehrsaufkommens könnte die Wirkung im Alltag überschaubar bleiben. Das sieht auch Burgener so: «Nachts oder an Sonntagen ohne Lastwagen ist eine Regelung wie jene in Österreich wohl am interessantesten.»

Schwierige Kontrollen

Die Frage bleibt, ob eine Tempolimit-Befreiung für E-Autos auch in der Schweiz Sinn machen würde. Man habe hierzulande bei weitem nicht so viele Abschnitte, auf denen das Tempo nur aus Gründen des Emissionsschutzes reduziert sei, sagt Burgener. Zudem hätte man eine Geschwindigkeit mehr: «Diese Kontrolle stelle ich mir aufwendig vor». Für ihn ist deshalb eine andere Neuerung dringlicher: «Wir würden neue Spuren für das automatisierte Fahren auf Autobahnen favorisieren.»

Auch Urs Wernli ist skeptisch: «Prüfenswert wäre eher, Fahrzeuge zu bevorzugen, die beispielsweise mit 30 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden, unabhängig von der Antriebstechnologie. Oder wenn Fahrzeuge mit mindestens zwei Insassen eine separate Spur benutzen könnten – so wie das in einzelnen Ländern bereits der Fall ist.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredi Wagner am 11.11.2018 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es kommt so

    Das wird auch hier kommen. Es wird solange schickaniert werden bis der letzte ein Batterieauto hat. Und dann schreien sie nach allen seiten Strom sparen weil alles überlastet ist.

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  • Flachländer am 11.11.2018 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinnig

    So ein Schwachsinn. Limiten sollten in erster Linie den Autofahrer vor Selbstüberschätzung seiner selbst und der Technik schützen und nicht aufgrund des Vehikels unter dem Hintern.

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  • Shipibo am 11.11.2018 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich...,

    Weil es angeblich zu gefährlich ist und zu viel Unfälle waren, wurden die Tempos aus Sicherheitsgründen gedrosselt (nebst Waldsterben das nicht statt gefunden hat), und die gefährlichen Fahrzeuge die man nicht hört und schon gar nicht CO2 Neutral sind sollen schneller fahren dürfen? Und der Mehraufwand nach Radarkontrollen. Wer bezahl diesen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • EIDGENOSSE am 12.11.2018 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Sind Autos die einzigen Schuldigen?

    Fakt ist doch, alle die mit einen E-Auto unterwegs sind, haben weder von Autos generell noch vom fahren keine Ahnung. Ist auch nicht verwerflich. Doch sollten sie dann bei solchen Themen zurückhaltend sein und nicht irgend, von der luftgegriffenen Argumente die nicht stimmen herumposaunen. Wie ich gelesen habe, wurde nur kurz erwähnt, ob E-Fahrzeuge Heizungen und Klimageräte haben. Der Umweltschutz geht nur bis zum Geld, stimmt aber doch etwas weiter, Geld und Luxus. Wenn E-Fahrzeuge ohne dieser Luxus gekauft bzw. Produziert werden, können wir von Unweltfreundlicheren Fahrzeuge sprechen.

  • Sunpower am 12.11.2018 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Erweckungsjahr

    Beende deine fossile Zeitepoche.

    • Verdacht gegen Greenpeace unbegründet? am 12.11.2018 23:54 Report Diesen Beitrag melden

      Sunpower ist einer von denen

      Ich werde hellhörig, wenn eine Lobby etwas zu pushen versucht, das eigentlich gegen ihre eigenen Werte verstösst. Liebe Greenpeace ihr unterstützt E-Autos aber die schaden der Umwelt auch. Der Mitbegründer des TESLA-Owner Club ist Stiftungsrat von Greenpeace. "Schon seit vielen Jahren unterstützt der XXX Greenpeace. Da die Umweltorganisation aber nur einen Maximalbetrag von ... 10'000 Franken von Unternehmen entgegennimmt, liefert XXX zudem unentgeltliche Arbeitsleistung." Mir ist aufgefallen: Mutmassliche Greenpeace-Campaigner fluten hier die Kommentare pro E-Auto. Ist das ok?

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  • Marcel s. am 12.11.2018 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    niemand wird mich jehh zum Kühlschrank fahren überreden können ich fahre so lange Benzin bis der letzte Tropfen öl auf der welt versiebt ist , dass erlebe ich zwar nicht aber trotzdem .

    • @Marcel am 12.11.2018 21:39 Report Diesen Beitrag melden

      Hauptsache für mich reichts

      So denken leider viele mit egoistischer Lebenseinstellung...

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  • Kj am 12.11.2018 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    .........

    Heute ist es das Elektroauto früher der Diesel....und was ist daraus geworden.......

  • Jojodat am 12.11.2018 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kritisierter Bildungsstand

    Der Bildungsstand ist in der Tat tief, wenn man für eAutos plädiert, ohne die geringste Ahnung davon zu haben. Null Ahnung von Lithiumabbau, null Ahnung von Entsorgung, null Ahnung von keinem Gebrauchtwagenmarkt, null Ahnung von völlig fehlender Infrastruktur zum Laden, null Ahnung von Unfallgefahr offen liegender Batterien bei Feuer und Wasser, null Ahnung von Strombeschaffung, null Ahnung von verschobener Umweltverdreckung, null Ahnung von hohem Fahrzeuggewicht bei Aufprall, null Ahnung von echter Reichweite bei AB Geschwindigkeit..... Einfach null Ahnung von gar nichts.

    • Bio Bachter am 12.11.2018 20:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Jojodat

      Der unfreiwillig "hellste" Beitrag kommt von Jojodat: "Null Ahnung von gar nichts". Heisst: Viel Ahnung von Allem! Ist das wirklich das was Du mitteilen wolltest?

    • Martin am 12.11.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bio Bachter

      Vielleicht kommt er ja aus dem bayerischen, dort sind doppelte Verneinung üblich.

    • Iriana am 12.11.2018 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jojodat

      Genau, leider wissen das die wenigsten, dass mit den E-Autos die Umwelt noch mehr belastet wird als mit Benzin -Autos!

    • Marc am 12.11.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jojodat

      Du scheinst auch nicht viel Ahnung zu haben. Denn sonst wüsstest du, dass in den Lithium Ionen Akkus nur wenig Lithium enthalten ist. Das grössere Problem ist Kobalt. Daher geht die Batterieforschung in die Richtung, um den Kobaltanteil massiv zu senken.

    • Separatorenfleisch am 12.11.2018 22:14 Report Diesen Beitrag melden

      Aha!

      Überzeugende "Gegenargumente"! Die lösen ja auf einen Schlag alle Probleme, die Jojodat erwähnt hat... :) topkek.

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