Nach tödlichem Unfall

17. Juli 2019 07:32; Akt: 17.07.2019 08:01 Print

Kommt jetzt die Helmpflicht für E-Trottis?

Mit dem E-Trotti-Boom häufen sich die Unfälle: Politiker und Sicherheitsexperten sprechen sich für eine Helmpflicht aus. Der Bund prüft die Massnahmen.

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Mit dem E-Trotti-Boom häufen sich die Unfälle: Politiker und Sicherheitsexperten sprechen sich für eine Helmpflicht aus. Der Bund prüft Massnahmen. Erst am Wochenende verunglückte die britische Youtuberin Emily Hartridge (35) mit ihrem E-Trottinett tödlich. In in einem Kreisel in London stiess sie mit einem Lastwagen zusammen. Auch in der Schweiz häufen sich die Unfallmeldungen: Im April starb im Wallis ein 32-Jähriger nach einem Sturz mit dem E-Trotti. In Luzern verletzte sich ein E-Trotti-Fahrer schwer. Er war in ein Auto gekracht. Entsprechend rechnet die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt mit durchschnittlich 66 E-Trotti-Unfällen pro Jahr. 20-Minuten-Leser berichten von brenzligen Situationen mit den kleinen Flitzern. «Es erstaunt mich nicht, dass es zu mehr Unfällen kommt.» Einen Helm trage sie selber nicht. «Ich denke aber, dass es eigentlich sinnvoll wäre», so Sarah (26) aus Zürich. Das bestätigt Suva-Sprecherin Natascha Obermayr: «Wir empfehlen E-Trotti-Fahrern, einen Helm und reflektierender Kleidung zu tragen.» Zum Thema wird nun die Helmpflicht. Für SP-Nationalrätin Bea Heim braucht es Änderungen. Sie plädiert für die Einführung eines Helm-Obligatoriums, sollten die Unfallzahlen weiter steigen. Das Bundesamt für Strassen prüft derzeit eine Helmpflicht für langsame E-Bikes (bis 25 km/h). Diese sind im Strassenverkehrsgesetz den E-Trottis gleichgestellt. «Wir prüfen verschiedene Massnahmen. Auch ein Helm-Obligatorium ist im Gespräch. Ob es in die Vernehmlassung kommt, ist aber noch offen», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Marc Kipfer, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), empfiehlt E-Trotti-Fahrern eindringlich das Tragen eines Helmes. «Wir würden ein Helm-Obligatorium unterstützen, sollte es politisch konkret werden.» Die BfU gehe davon aus, dass es vermehrt Unfälle geben werde, solange die Zahl der genutzten E-Scootern ansteige, so Kipfer. «Umso populärer E-Trottinettes werden, desto weniger Unfälle erwarten wir, da die Nutzer vertrauter im Umgang mit den Fahrzeugen werden», sagt Daniel Scherrer, Head of Public Affairs Schweiz bei Circ.

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Erst am Wochenende verunglückte die britische Youtuberin Emily Hartridge (35) mit ihrem E-Trottinett tödlich. In in einem Kreisel in London stiess sie mit einem Lastwagen zusammen (20 Minuten berichtete).

Auch in der Schweiz häufen sich die Unfallmeldungen: Im April starb im Wallis ein 32-Jähriger nach einem Sturz mit dem E-Trotti. In Luzern verletzte sich ein E-Trotti-Fahrer an Ostern schwer, weil er in ein Auto krachte. Ende Mai landeten zwei Scooterfahrer in Basel im Spital, weil sie von zwei Trams eingeklemmt worden waren. Das Inselspital Bern behandelte heuer schon zwei leicht bis mittelschwer verletzte E-Trotti-Fahrer. Entsprechend rechnet die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) mit durchschnittlich 66 E-Trotti-Unfällen pro Jahr.

«Ich fahre nur noch auf dem Trottoir»

20-Minuten-Leser berichten von brenzligen Situationen mit den kleinen Flitzern. «Ich fuhr meist auf der Strasse oder dem Velostreifen, bis ich fast von einem Auto angefahren wurde», so Sarah* (26) aus Zürich. Ein Auto sei ihr nicht ausgewichen, so habe sie sich in letzter Sekunde aufs Trottoir retten müssen. «Seither fahre ich aus Angst immer auf dem Trottoir, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist.»

Regelmässig fallen ihr Leute auf, die zu zweit auf dem Gefährt unterwegs sind oder nach dem Ausgang betrunken Trottis mieten. «Sie können kaum ihr Gleichgewicht halten. Das ist extrem gefährlich. Es erstaunt mich nicht, dass es zu mehr Unfällen kommt.» Einen Helm trage sie selber nicht. «Ich denke aber, dass es eigentlich sinnvoll wäre», so Sarah. Das bestätigt Suva-Sprecherin Natascha Obermayr: «Wir empfehlen E-Trotti-Fahrern einen Helm und reflektierende Kleidung zu tragen.»

Bundesamt für Strassen prüft Helm-Obligatorium

Zum Thema wird nun die Helmpflicht. Für SP-Nationalrätin Bea Heim braucht es Änderungen: «Wenn ich sehe, wie schnell E-Trottis fahren und wie wenig geschützt und ausgeliefert die Fahrer sind, braucht es Massnahmen.» Sie plädiert für die Einführung eines Helm-Obligatoriums, sollten die Unfallzahlen weiter steigen.

Das Bundesamt für Strassen prüft derzeit eine Helmpflicht für langsame E-Bikes (bis 25 km/h). Diese sind im Strassenverkehrsgesetz den E-Trottis gleichgestellt. «Wir prüfen verschiedene Massnahmen. Auch ein Helm-Obligatorium ist im Gespräch. Ob es in die Vernehmlassung kommt, ist aber noch offen», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach.

«Wir würden ein Helm-Obligatorium unterstützen»

Marc Kipfer, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), empfiehlt E-Trotti-Fahrern eindringlich das Tragen eines Helmes. Anbieter von Miet-E-Trottis sollten entsprechend Tipps zur Sicherheit geben. «Es wäre wünschenswert, dass Nutzern ein Helm zur Verfügung gestellt wird», so Kipfer. Hinsichtlich eines Obligatoriums verweist Kipfer auf die Überlegungen des Astra: «Wir würden ein Helm-Obligatorium unterstützen, sollte es politisch konkret werden.»

Die BfU gehe davon aus, dass es vermehrt Unfälle geben werde, solange die Zahl der genutzten E-Scootern ansteige, so Kipfer. «Die BfU steht einer erweiterten Zulassung elektrisch angetriebener Trendfahrzeuge für den Strassenverkehr deshalb allgemein kritisch gegenüber.»

Verlagerung auf Trottoir ausgeschlossen

Der E-Trotti-Verleiher Circ, der auch zunehmend in der Schweiz expandiert, ist hier anderer Meinung. «Umso populärer E-Trottinettes werden, desto weniger Unfälle erwarten wir, da die Nutzer vertrauter im Umgang mit den Fahrzeugen werden», sagt Daniel Scherrer, Head of Public Affairs Schweiz bei Circ. Das Unternehmen investiere viel in die Sicherheit ihrer Fahrzeuge. «Unsere E-Trottis sind robuster und stabiler, da wir diese selber entwickeln und produzieren. Ebenfalls sensibilisieren wir unsere Nutzer zu den Verkehrsregeln und den sicheren Umgang mit den Fahrzeugen via App und auf den Trottis selber», so Scherrer.

Circ unterstütze Regulierungen, die die Qualität und Sicherheit verbessern würden, wie beispielsweise die Anpassung von Höchstgeschwindigkeiten und separate Fahrradstreifen. Wollten Städte aber die Stauprobleme und Luftverschmutzung konsequent anpacken, brauche es einfach zu nutzende Mobilitätsalternativen zum Auto.

*Name der Redaktion bekannt.

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Ott am 17.07.2019 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    erlebe es täglich

    Wundert mich nicht. Habe es selber mehrmals erlebt. Fahren in der Stadt links, im Slalom und überall durch. Braucht dringend Spielregeln und Gesetzte für E Scooter sonst passieen regelmässig Unfälle. Schuld, wie kann es auch anders sein, wird der Autofahren sein

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  • re am 17.07.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts auf der strasse zu suchen

    trottis und electro scooter fahren kreuz und quer wos grad passt! als autofahrer muss man nurnoch nach velos trottis und scooter ausschau halten, voll mühsam, die haben auf der strasse nichts zu suchen!!!

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  • Terzo am 17.07.2019 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirn einschalten bitte

    Jeder soll und kann selber entscheiden ob er/sie einen Helm tragen möchte oder nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 1234 am 18.07.2019 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung

    Ist ja wieder tyspisch. Leute die sich nicht mal auf den Füssen halten können fahren nun mit 20 Sachen auf der Strasse kreuz und quer durch die Stadt. Vorher waren es E-Bikes die die Leute nicht unter kontrolle hatten. Weil zu schnell und zu stark und der Kopf zu langsam und keinerlei Gefühl für Geschwindigkeit und körperlich schon scheintod. Wir haben für alles lange Prüfungen, aber E-Trotti, E-Bike und Kinder kann jeder bekommen!

  • Arnibig am 18.07.2019 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Exit ist die Lösung

    Wenn man sonst nix zu diskutieren hat....

  • Jacky M. am 18.07.2019 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Null Rücksichtnahme

    Das Problem in der heutigen Zeit ist, dass immer weniger Leute auf andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen und voll auf dem Egotripp fahren. Als Autofahrer muss man höllisch aufpassen, dass man keinen Velo/Töffahrer umfährt, die kurven teils total fahrlässig, ohne Rücksicht rum. Jetzt sind auch noch die Etrottis da. Die fahren dann teils noch schlimmer. Es braucht dringend Regeln für diese Fahrzeuge.

  • Klugi am 18.07.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Klugheit

    Nur kluge Köpfe schützen sich! Wenn was passiert, sind sowieso immer die ANDEREN schuld.

  • hofmann am 18.07.2019 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    keine Disziplin unter Fahrern

    Ich befürworte die Helmtragepflicht. Velo- und Trotti-Fahrer missachten sämtliche Verkehrsordnungen, fahren bei Rot über die Strasse, in Fussgängerzonen und über Fussgängerstreifen. Zudem sollte es Abstellplätze mit Schnappverriegelung geben wo die Trotti's und Velo's parkiert werden müssen. In Madrid gibt es nur solche Stationen. Dadurch ist es aufgeräumt und die wilde Parkiererei besteht nicht. Hier werden die Trotti's mitten auf den Trottoirs abgestellt, teilweise hirnlos direkt beim Fussgängerstreifen. Zürich verkommt zu einer richtigen Gerümpel-Stadt.